Pianist Voylochnikov interpretiert alte Klassiker neu

Von: Johannes Gottwald
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Hochvirtuoses und gefühlvolles Spiel: Georgy Voylochnikov begeistert beim Klaviersommer 2015 weit über hundert Zuhörer im Haus Basten. Foto: Johannes Gottwald

Geilenkirchen. Nach dem glanzvollen Eröffnungskonzert des Klaviersommers 2015 in der Kreissparkasse, setzte gleich am folgenden Tag ein Klavierabend im Haus Basten ein weiteres Glanzlicht. Und wieder war der Publikumsandrang groß – weit über 100 Zuhörer wollten sich den Kunstgenuss nicht entgehen lassen.

Zu Gast war diesmal Georgy Voylochnikov, 1985 im russischen Woronesch geboren. Nach seiner Ausbildung am Moskauer Konservatorium setzte er 2014 sein Studium in Köln bei Professor Ilja Scheps fort. Schon vorher war ihm jedoch mit zahlreichen Auszeichnungen, vor allem beim Internationalen Musikwettbewerb 2014 in Köln, der internationale Durchbruch gelungen.

Improvisierte Kostprobe

Auch an diesem Abend präsentierte Voylochnikov eindrucksvolle Kostproben seines Könnens. Den Auftakt bildete die „Fantasie C-Moll KV 475“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Im Gegensatz zu den meist formstreng gebauten Sonaten trug dieses Stück ausgesprochen improvisatorische Züge.

Aus zahlreichen kleinen und kontrastierenden Episoden entwickelte sich allmählich ein ausladendes Klanggemälde, in dem Voylochnikow viele Details auskosten und seine hohe Musikalität voll ausspielen konnte. Ebenso überzeugend gelang dies in der „Klaviersonate Nr. 31 in As-Dur“ von Ludwig van Beethoven. Im Gegensatz zu dem oft stürmisch-leidenschaftlichen Impetus der frühen Sonaten, entfaltet sich der Kopfsatz dieses Spätwerkes in abgeklärt-heiterer, zuweilen sogar pastoraler Stimmung. Erst im kurzen erregten zweiten Satz brach das impulsive Temperament des Komponisten durch, hier hätte ein forciertes Tempo für noch schärfere Konturen sorgen können.

Tiefe durch Wehmut

Umso schöner gestaltete Voylochnikov die rezitativische Einleitung des Finalsatzes, wo er feinste Akzente setzte und anschließend dem klagenden, von geradezu Schubertscher Wehmut erfüllten Abschnitt eine großartige Ausdruckstiefe verlieh. Den Kern dieses Satzes bildete jedoch eine Fuge, worin sich die Auseinandersetzung des späten Beethoven mit der polyphonen Satzkunst von Bach und Händel widerspiegelt. Noch einmal erschien die klagende Weise, dann wurde nach einem jähen Crescendo das Fugenthema wieder aufgenommen.

Eine prachtvolle und virtuose Coda bildete den Abschluss, wonach sich die Zuhörer eine Pause redlich verdient hatten. Ganz in seinem Element war Voylochnikov im zweiten Teil des Abends bei den beiden „Mazurken aus op. 68“ von Chopin. Während er die erste in F-Dur energisch-zupackend interpretierte, ließ er bei der zweiten in F-Moll eher Zurückhaltung walten. Auch die „Barcarolle op. 60“, die zwar ruhig und verhalten beginnt, später aber dem Pianisten alles technische Können abverlangt, geriet unter seinen Händen zu einem eindrucksvollen musikalischen Erlebnis.

Auflösung strenger Formen

Chopins Einfluss war auch bei den fünf Preludes von Skrjabin zu spüren, ansonsten aber waren impressionistische Anklänge nicht zu überhören. Den Höhepunkt des Konzertes bildete zweifellos die „Sonate Nr. 3“ von Skrjabin, in der Voylochnikov noch einmal die ganze Palette seines technischen und musikalischen Könnens ausbreitete. In diesem ausgedehnten Werk zeigte sich eine Tendenz zur Auflösung strenger Formen und der Dur-Moll-Tonalität, wie sie für die Zeit um 1900 typisch war. Eine schwül-sinnliche, nicht selten auch mystisch-esoterische Stimmung herrschte vor, vom Interpreten ebenso glänzend wie einfühlsam wiedergegeben. Am Ende gab es stürmischen, minutenlangen Beifall und natürlich auch noch einige Zugaben – ganz zur Freude der zufriedenen Zuhörer.

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