Pfingstmarkt lockt mit großen Karussells und kleinen Buden

Von: jpm
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Kerseboom mit Marcel Wilhelms und dessen Sohn Charles, die zum ersten mal bei der Pfingstkirmes dabei sind. Foto: Jan Mönch
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Detlef Kerseboom (r.) mit den Stammgästen Marcel und Jessica Wilhelm. Foto: Jan Mönch
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Auch die Familien-Achterbahn „Crazy Jungle“ ist zur Abfahrt bereit.
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Der „Breakdance“, einer der Klassiker auf dem Pfingstmarkt. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. Es gibt ja für fast jedes Berufsbild zumindest ein Fachmagazin, daher sollte es eigentlich nicht überraschen, dass dies auch bei Schaustellern der Fall ist. Und es gibt nicht nur eines, sondern allein im deutschsprachigen Raum mindestens drei, Detlef Kerseboom zählt sie aus dem Stegreif auf: die Kirmes Revue, den Komet und dann noch Markt, Messe & Events.

Wenn jetzt August wäre, dann hätte Geilenkirchens Marktmeister gerade in all diesen Fachpublikationen für den Pfingstmarkt inseriert. Allerdings ist es Mitte Mai, und deshalb ist der Bewerbungsschluss im November längst vorbei und auch die Auswahl der Buden und Fahrgeschäfte getroffen.

Es ist Mittwoch, Kerseboom steht auf dem Beamtenparkplatz, nur fünf von 55 Teilnehmern fehlen noch. Die Großen müssen zuerst aufbauen, später kommen dann die Kleinen dazu, dieses Rezept hat sich in all den Jahren, in denen Kerseboom den Pfingstmarkt schon organisiert, bewährt. Das ist beim Aufbau wichtig, für die Planung hingegen gilt ein anderes Grundrezept: „Man braucht die richtige Mischung aus Klassikern und Neuheiten“, sagt der Marktmeister. Die Klassiker, das sind beispielsweise der Autoskooter, der „Breakdance“ und die „Jaguarbahn“, ohne sie geht es eigentlich nicht.

Bamberg, Geilenkirchen, Kassel

Eine Neuheit hingegen ist in diesem Jahr beispielsweise das nagelneue „Action Center“ von Marcel Wilhelm aus Aurich. Bei der Attraktion handelt es sich um ein sogenanntes Laufgeschäft, die Gäste turnen über allerlei Hindernisse. Weil das Ganze – in diesem Fall – gut durchsichtig ist, kann man sie dabei von außen prima beobachten. Geilenkirchen ist die zweite Station für Marcel Wilhelms „Action Center“, die Feuertaufe hat es anderthalb Wochen zuvor in Bamberg bestanden. Geilenkirchen passte gut in seine Tour, sagt er, darum bewarb er sich vergangenes Jahr auf Kersebooms Anzeige hin. Es hat geklappt. Nach dem Pfingstmarkt geht es weiter in den Raum Kassel oder, falls das kurzfristig noch klappt, zuerst nach Erkelenz.

Einem anderen Betreiber eines Laufgeschäfts musste Kerseboom hingegen absagen, denn zu viele Angebote der gleichen Art tun sich gegenseitig nicht gut. „Ich könnte hier den kompletten Platz mit Entenangeln zumachen“, sagt Kerseboom und deutet ins Rund. Das will aber natürlich keiner. Die Gäste nicht, die Betreiber nicht, vielleicht nicht mal die Enten.

Kerseboom macht sich an diesem Mittwoch aber über ganz andere Dinge Gedanken. Ein großes Fahrgeschäft hat Anfang der Woche abgesagt, aus technischen Gründen, und auch wenn das nichts ist, wodurch er sich aus der Ruhe bringen lässt, merkt man doch, dass Kerseboom das nicht in den Kram passt. Die Schausteller müssen neu angeordnet werden, damit es keine Lücke von 20 Metern gibt, eine Lücke auf dem Pfingstmarkt sieht nicht aus.

20 Jahre organisiert Kerseboom die Kirmes schon, ungezählte Schausteller hat er kennengelernt. Liebe, nette Leute seien das, sagt er, die meisten jedenfalls. „Ein paar Stinkstiefel waren natürlich auch dabei.“ In diesem Moment kommt ein Mann schimpfend über den Beamtenparkplatz marschiert. Er habe keinen Platz, die da hinten, „die aus dem Saargebiet“, die würden alles zustellen, mault er, er werde die jetzt mal umhauen gehen, kündigt er an und ist auch schon wieder weg. Der Mann hat aber nur Spaß gemacht. Der Ton ist rau, aber herzlich.

Pils, Kölsch, Wasser?

Praktisch das Gegenteil von Neuling Marcel Wilhelm ist Frank Roos. Er kommt schon seit 20 Jahren nach Geilenkirchen, er gehört genauso zum Pfingstmarkt wie der Pfingstmarkt in seinen Jahreskalender. Allerdings kamen der Dürener und seine Frau Jessica nicht immer schon mit Schwenkgrill, Getränkeausschank und Biergärtchen an die Wurm. „Angefangen habe ich mit Geschicklichkeitsspielen, später habe ich Entenangeln angeboten. Und mittlerweile wird eben gegrillt. Man entwickelt sich ja betrieblich weiter“, sagt Roos. Er sei übrigens der erste gewesen, der „diese 1/2-Meter-Bratwurst“ angeboten habe. „Die hatte ich schon, da kannte man die auf Mallorca noch gar nicht!“, erzählt er. Dann geht er wieder an die Arbeit, das Bier muss in den Kühler. „Sonst gibt‘s Ärger mit mir, wenn das Freitagabend nicht schön kalt ist“, scherzt Marktmeister Kerseboom.

Abgesehen davon findet bei Roos auch der Fassanstich statt. Der ist natürlich Tradition, allerdings einer, der sich je nach Gusto des amtierenden Bürgermeisters verändert, wie Kerseboom weiß. Bei Beemelmanns und Borghorst musste es Pils sein, Fiedler hingegen habe Wert auf Kölsch gelegt. Konsequenterweise müsste man für den Antialkoholiker Georg Schmitz Freitagabend eigentlich ein Fass Wasser anstechen, aber es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass es so kommt, das kann ja auch keiner wollen.

„Kommen Sie doch zum Fassanstich am Freitag um 18 Uhr, ich würde mich freuen“, sagt Detlef Kerseboom zum Abschied. Er sagt das zu dem Besucher von der Presse. Aber es dürfen sich auch alle anderen angesprochen fühlen. Ganz bestimmt sogar.

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