Pfarrkirche St. Marien: Neuanfang mit stehenden Ovationen

Von: Johannes Gottwald
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Da ging dem Publikum ein Licht auf: Bei den glänzend gelungenen Aufführungen von Haydns Schöpfung – hier in St. Marien Geilenkirchen – wurden auch optische Effekte eingesetzt. Foto: Johannes Gottwald

Geilenkirchen. Mehr als 19 Monate war die Stadtpfarrkirche St. Marien seit der mutwilligen Brandstiftung im Frühjahr 2014 geschlossen. Seit kurzem ist sie wieder der Öffentlichkeit zugänglich – in einem völlig neuen Gewand. Das Innere wurde durchgreifend umgestaltet, so dass man in vieler Hinsicht von einem Neuanfang sprechen kann.

Und was lag da näher als der Gedanke, beim Konzert zur festlichen Wiedereröffnung der Marienkirche das berühmte Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn aufzuführen?

Viele Monate lang hatten der Kirchenchor von St. Marien und der Kammerchor der Volkshochschule Heinsberg unter Leitung von Kantor Bernd Godemann für den großen Tag geprobt. Auch bei der Instrumentalbegleitung hatte man keinen Aufwand gescheut: Das Barockorchester „Sinfonia“ aus dem niederländischen Delft bildete einen ausgezeichneten Klangkörper, der mit den Chören zu einer homogenen Einheit verschmolz.

Dabei wurde übrigens auch auf historische Spielweise Wert gelegt: Man benutzte eine etwas tiefere Stimmung von 430 Hertz und setzte für das Continuo ein Hammerklavier ein, wie es in der Zeit um 1800 gängige Praxis war. Mit Claudia Couwenbergh (Sopran), Immo Schröder (Tenor) und Richard Logiewa (Bass) hatte man zudem drei ausgezeichnete Solisten gewinnen können.

Schon die ersten Takte des Riesenwerkes zogen die Zuhörer völlig in den Bann. Die feierliche und ernste instrumentale Einleitung schien auf beinahe programmatische Art das Urchaos vor der Erschaffung des Kosmos darzustellen, wobei die kühne Harmonik stellenweise Beethoven und Schubert vorweg nahm. Erst danach setzte das Rezitativ des Tenors mit dem Bibeltext „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ ein. Bei der Stelle „Und der Geist Gottes schwebte auf der Fläche der Wasser“ trat dann der Chor auf den Plan und führte das Geschehen weiter bis zu dem Ruf „Es werde Licht“, wo jäh das volle Orchester aufbrandete und die bis dahin eher dunklen Klangfarben einem strahlenden Dur Platz machten.

Und nun konnte die Entstehung der Welt in immer größerer Vielfalt ihren Lauf nehmen. Der erste Teil des Werkes befasst sich mit der Schöpfung von Himmel, Erde, Meer, Luft, Sonne, Mond und Sternen. Hier kam die Freude des Komponisten an Tonmalerei und besonderen Klangeffekten besonders deutlich zur Geltung, wie man es ja auch aus vielen seiner Symphonien kennt.

Das Brausen der Stürme, Regen, Schnee und die aufgehende Sonne konnte man sich bei dieser Musik geradezu bildlich vorstellen. Großen Anteil nahmen im ersten und zweiten Teil die Rezitative und Arien ein. Hier konnten sich die Solisten voll entfalten, zumal sie die Rollen der Erzengel Raphael, Gabriel und Uriel übernahmen, die gewissermaßen als Erzähler fungieren.

Den Löwenanteil hatte zweifellos Immo Schröder, dessen Stimme sich als überaus flexibel und farbig erwies und der durchaus auch in den baritonalen Bereich hinuntersteigen konnte. Auch Claudia Couwenbergh bot eine überzeugende Leistung, verfügte aber über weniger Klangvolumen und hatte es demzufolge stellenweise schwer, gegen das volle Orchester anzukommen, zumal Bernd Godemann Pauken und Blech ausgesprochen kraftvoll musizieren ließ. Richard Logiewa kam vor allem bei den Terzetten zum Einsatz, wobei er mit seinen Partnern bestens harmonierte.

Die Chöre traten zunächst eher selten in Erscheinung, mussten aber dennoch, etwa bei der großen Fuge über „Denn er hat Himmel und Erde bekleidet in himmlischer Pracht“, ihr ganzes Können aufbieten. Hier spürte man besonders den Einfluss Händels, von dem Haydn zweifellos wichtige Anregungen erhalten hat. Dies galt auch für das antiphonal gehaltene „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“, dass wohl zur bekanntesten Nummer des ganzen Oratoriums geworden ist.

Im dritten und letzten Teil des Werkes werden schließlich mit Adam und Eva die ersten Menschen geschaffen. Der Sündenfall hat noch nicht stattgefunden, sie leben im Paradies. Erst hier war der Chor in größerem Umfang beteiligt und hatte dann auch mit dem gewaltigen Schlussgesang „Singt dem Herrn alle Stimmen“ das letzte Wort. Mit stürmischem Beifall und stehenden Ovationen bedankten sich die Zuhörer für diese prachtvolle Aufführung, die dem Kulturleben der Stadt Geilenkirchen ein neues Glanzlicht hinzugefügt hat.

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