Pfandbrief von 1486 entdeckt: Verbleib von drei Malter Roggen offen

Von: Karl-Heinz Hamacher
Letzte Aktualisierung:
6238791.jpg
Jo Gielen (links) überreicht Friedel Geraads die nun zweitälteste Urkunde im Gemeindearchiv. Was aus dem Inhalt des Pfandbriefs herauszulesen ist, kann kaum noch zugeordnet werden. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. „Columbus hatte Amerika noch nicht entdeckt, von Gerhard Mercator oder gar unserem Chronisten Kritzraedt war noch gar nicht die Rede, da wurde diese Urkunde schon verfasst“, staunt Friedel Geraads, der bei der Gemeinde Gangelt unter anderem für das Archiv des Hauses zuständig ist.

Es geht um ein Schriftstück, das Jo Gielen von einer über 90-jährigen Tante erhalten hat. Sie wiederum hat es aus dem Besitz ihres Vaters übernommen. 1486, vor 527 Jahren, wurde vor den Schöffen von Gangelt ein Schuldschein erstellt.

„Wir (Namen der Schöffen) Scepen gemeintlick der Stat Gangelt, don kont ind over mitz dyssen openen Brieff, dat vor ons komen ist…“, beginnt der Text in der Originalschrift. Die Schuld, um die es hier geht, beläuft sich auf die Erbpacht von drei Malter Roggen und Pachtkorn der Stadt Gangelt, die am St. Andreastag (30. November) oder spätestens 14 Tage später frei und ungehindert zu zahlen gewesen sind.

Gattin einverstanden

Es muss sich dabei um einen verhältnismäßig erklecklichen Wert gehandelt haben, denn als Unterpfand stellte der Schuldner ein ganzes Haus und diverse Grundstücke zur Verfügung.

Der Schuldner, Sebastian Dyrcks, schien damals schon eine ziemlich emanzipierte Ehefrau zu haben, denn sicherheitshalber brachte er das Einverständnis seiner Gattin Elisabeth mit vor die Schöffen. So ist es zumindest schriftlich festgehalten.

Gläubiger in dieser Angelegenheit waren Simon und Barbara Engelkens aus Geilenkirchen. Interessant ein Blick auf die Namen der Beteiligten. Ob nun Schuldner oder Gläubiger oder auch die Schöffen Nikolaus Clewen, Johannes Dyck, Johannes Brabender, Arnold Domen, Arnold Bomers, Heinrich van den Dyck und Mathäus Wogelken – keinen der Namen findet man heute mehr im Gangelter Bereich.

Auch den Ganderbacher Weg, an dem eines der Pfand-Grundstücke lag, ist nicht überliefert. Einen Ganderbach gibt es wohl nahe dem österreichischen Arlberg.

Auch Jo Gielen und seine Tante können mit keinem der Namen etwas anfangen, geschweige denn eine Verbindung zu ihrer Familie herstellen. Vermutlich kam die Urkunde einfach als Sammlerstück in die Familie. So weiß man auch nicht, wie die Geschichte ausgegangen ist. Wurden die Schulden beglichen oder mussten die Pfänder eingelöst werden?

Hilfe beim Übersetzen

Bedenkt man das Alter des Schriftstücks, ist erstaunlich, wie gut Pergament und Schrift, aber auch das Siegel der Stadt Gangelt, das damals wie heute den zweischwänzigen Löwen zeigt, erhalten sind. Allerdings bedurfte es einer Fachfrau, um den klein geschriebenen Text zu übersetzen. Hier fand Jo Gielen in Anja Mülders beim Kreis Heinsberg eine überaus kompetente Hilfe.

Aus dem Kirchenwesen gibt es im Gangelter Keller eine Urkunde, die auf das Jahr 1301 datiert ist. Die Herren von Heinsberg haben hier etwas zum St.-Georg-Altar schriftlich festhalten lassen. Dann kommt schon die Gielen-Urkunde. Das nächste Stück stammt aus dem Jahre 1492 und regelt Grenzstreitigkeiten.

Die jetzt der Gemeinde überlassene Urkunde wird im Forum des Rathauses ausgestellt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert