Peter Märkert liest im Amtsgericht Geschichten von jungen Straftätern

Von: Markus Bienwald
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Peter Märkert schafft bei seiner intensiven Lesung im Geilenkirchener Amtsgericht den Spagat zwischen dem skizzierten Innenleben von Straftätern und dem Berufsalltag von Bewährungshelfern. Foto: mabie

Geilenkirchen. Tiefgründig, ergreifend und aus einer ganz anderen Perspektive beschrieb Peter Märkert bei seiner Lesung Biografien von Straftätern. Dass dabei das Amtsgericht Geilenkirchen die bestens passende Kulisse war, bestätigte nicht nur Amtsgerichtsdirektorin Corinna Waßmuth. Sie outete sich als Krimi-Liebhaberin, „ich kenne aber keine Krimis, in denen Bewährungshelfer eine Rolle spielen“, sagte sie.

Das ist beim Autor ganz anders, denn er ist seit mehr als drei Jahrzehnten als Bewährungshelfer im Einsatz. Vor seinen intensiven Auszügen aus dem Buch „Unter die Räder gekommen“, unternahm der in Bochum lebende und arbeitende Mann noch ein paar gedankliche Ausflüge in seine Lebens- und Arbeitswelt: „Ich schreibe immer sehr reale Sachen.“ Er verschwieg nicht, dass die Arbeit der Bewährungshelfer sich gewandelt habe. „Wir werden ein bisschen mehr zu Polizisten, und die Polizisten mehr zu Sozialarbeitern.“

Die Klienten, die Märkert begleitete, hatten nicht immer typische, aber sehr intensive Lebensläufe. Das ließ schon seine natürlich fiktive Geschichte durchscheinen, die auf realen Erlebnissen basierte: Märkert beschrieb die Situation des jungen Fabian, der im Alter von zwölf Jahren erstmals von seinem Onkel sexuell missbraucht wurde. Das hatte Konsequenzen für den Lebens- und Leidensweg des Kindes.

Der Autor umschrieb in einfachen, aber beklemmenden Szenen, wie sich der Junge immer mehr selbst verloren hat und kriminell wurde: Es beginnt mit der sozialen Isolation zu Hause, weil die Mama nichts vom Missbrauch merken soll. Es setzt sich fort in der Schule, wo der intelligente junge Mann sich absondert, dann Älteren zuwendet, die ihn in kriminelle Machenschaften einbinden. Und die Isolation endet auch nicht, als er aus seiner ersten Haft entlassen wird, obwohl der Junge wieder ein normales Leben führen wollte.

Mit seinen eindringlichen Worten, die bei den Gästen sichtlich Eindruck hinterließen, öffnete Märkert nicht nur den Vorhang in die Seele mancher Straftäter. Er erlaubte auch einen Einblick in die Arbeit von Menschen, die sich in der manchmal größer werdenden Schere zwischen Sozialarbeit und reiner Überwachung wiedergefunden haben. Diese Mischung ergab viel Applaus am Ende der Veranstaltung – übrigens eine Zusammenarbeit zwischen dem Amtsgericht und der Buchhandlung Gollenstede in Heinsberg – zu der auch die gleichzeitige Ausstellungseröffnung von Horst Helmut Zocher gehörte.

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