Perspektiven um den blauen Stuhl

Von: Danielle Schippers
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Die zwölf Teilnehmer und ihre Workshop-Leiterin Agnes Bläsen (3.v.l.) erreichten bemerkenswerte Ergebnisse auch im praktischen Teil des künstlerischen Fotokurses mit den Jugendlichen der Gesamtschule aus Übach-Palenberg. Foto: Danielle Schippers

Übach-Palenberg. Zwölf besonders engagierte Schüler aus den fünften Klassen der Willy-Brandt-Gesamtschule haben bei einem besonderen Foto-Workshop mit der erfahrenen Fotografie-Künstlerin Agnes Bläsen Erfahrungen in der Portraitfotografie gesammelt.

Der Workshop ist ein Teil des bundesweiten Kulturprogramms „Kulturagenten für kreative Schulen“. Das Kunst-Projekt, an dem die ganze Schule mit verschiedenen Unterrichtseinheiten und Kursen teilnimmt, soll den Schülern über vier Jahre Kreativität und Grundlagen verschiedener künstlerischer Richtung näherbringen.

Die Teilnehmer des Kunst-Kurses wurden mit einfacheren Übungen an die fotografische Kunst herangeführt. Sie suchten in ihrer Schule Motive mit auffälligen geometrischen Formen und Farben, die sie anschließend aus dem Gedächtnis gezeichnet haben.

Danach schauten sie intensiv in Fotobücher und erlernten so die Grundlagen der Fotografie, etwa Grundbegriffe wie „Close up“, heißt, das Motiv sehr nah abgebildet. Die Leiterin des Workshops hat ihnen auch kleine Tricks mit der Kamera gezeigt, beispielsweise wie Unschärfe und Spiegelungen ein Motiv bereichern können. Der alltägliche Umgang mit Digitalkameras ist für die heutige Jugend zwar wie selbstverständlich geworden, aber Kunstfotografie geht weit darüber hinaus.

Lea-Marie Koschmann (10) fasst zusammen, was sie mitbekommen hat: „Wir haben gelernt, dass man auf kleine Dinge beim Motiv achten und ganz genau hinschauen muss. Und wir haben im Dunkeln mit dem Blitz experimentiert, das war toll.“ Fotos von Menschen sind in der Fotografie eine der größten Herausforderungen.

Noch schwieriger wird es, wenn sich die Schüler der 5. Klasse gegenseitig in Szene setzen sollen, das auch noch in Verbindung mit dem „Blue Chair“, einem einfachen blauen Stuhl, den Agnes Bläsen als Leitmotiv eingesetzt hat.

Sich bewusst mit dem eigenen Aussehen und dadurch unweigerlich mit der Identität auseinanderzusetzen, ist für Jugendliche in diesem Alter häufig problematisch. „Das Fotografiertwerden, also Modell sein, war am Anfang ziemlich komisch. Man weiß nicht wie man reagieren soll, aber nachher hat alles Spaß gemacht“, resümiert die elfjährige Louisa Arnold.

Mit dem blauen Stuhl und der professionellen Kamera konnten sich die Schüler in der Natur oder in der Schule eigene Motive und Hintergründe suchen. Abschließend hatten sie sich sogar ein eigenes Studio eingerichtet.

„Das Fotografieren im Studio mit dem blauen Stuhl hat mir am besten gefallen, da konnte man sich richtig viel einfallen lassen“, sagt Helin Semen (10) dazu. Und Ece Kocabey (11) ergänzt: „Manchmal war es schwer, weil wir ja nicht den gleichen Geschmack haben. Dann haben wir unsere Meinungen gemischt, und nachher war jeder zufrieden.“

Mit dem Ziel, sich selbst wie auch andere und dazu auch noch einen passenden Hintergrund zu sehen und zu fotografieren, fanden die Schüler gemeinsam mit der erfahrenen Künstlerin schnell in einen kreativen Dialog. Am Kursende sollten sie ihre eigenen Arbeiten analysieren, darin auch begleitet von der Künstlerin und von Linda Killen, Kunstlehrerin an der Gesamtschule, die die Kinder bei dem Workshop unterstützt hatte.

In diesem Zusammenhang hatten sich die Kinder zudem gegenseitig interviewt und sich so mit ihrer Identität wie auch wichtigen Fragen auseinandergesetzt, beispielsweise „Was bedeutet für Dich Glück?“ oder „Was ich immer schon mal sagen wollte.“

Dass sich die Jugendlichen in diesem Workshop recht tiefgründig mit ihrem noch jungen Ich beschäftigten, lassen Antworten erkennen wie die von Jennifer Wolter (10): „Das größte Glück ist, wenn ein Elternteil sehr krank war und dann wieder gesund wird.“

Dieser medienpädagogische Kurs mit Schülern aus der fünften Klasse ist trotzdem eine Herausforderung für sie. „Es ging hier vor allem um das Sehen. Alle Menschen haben Bilder im Kopf. Natürlich sind die Teilnehmer hier jung, aber wir hatten ja viel Zeit, und mit etwas Anleitung haben wir hier wirklich gute Ergebnisse bekommen. Ich bin positiv überrascht. Besonders im Studio hat alles super funktioniert“, fasst sie ihre positiven Erfahrungen zusammen.

Die Teilnehmer wurden, anders als in den anderen Kursen des Kultur-Projekts, aus ihrem normalen Unterricht genommen, als Belohnung für herausragende Leistungen.

Die kreativen fotografischen Arbeiten der Schüler rund um den „Blue Chair“ werden im Sommer, gemeinsam mit den Ergebnissen der anderen Kurse aus dem Projekt „Kulturagenten“ auf dem großen Kulturfest am Freitag, 21. Juni, präsentiert. Außerdem plant Agnes Bläsen, die gelungenen Fotografien auch im Soziokulturellen Zentrum „Klösterchen“ in Herzogenrath auszustellen.

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