Partner Frankreich: Angelika Ivens wirbt für Land und Sprache

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Kreis Düren/Kreis Heinsberg. Die deutsch-französische Freundschaft liegt Angelika Ivens besonders am Herzen. Weil sie sich um die Beziehung zu Frankreich besonders verdient gemacht hat, ist sie am 31. August vom französischen Generalkonsul in Düsseldorf zur Honorarkonsulin für den Bereich Städteregion Aachen, Düren, Kreis Heinsberg und Euskirchen ernannt worden.

Zudem ist sie Geschäftsführerin des deutsch-französischen Kulturinstituts. Über ihre Aufgabe als Interessenvertreterin der Franzosen in ihrem Konsularbezirk hat sie mit unserer Zeitung gesprochen.

Sie kommen aus Gillrath, woher stammt denn Ihre Vorliebe für Frankreich?

Ivens: Die ist ganz normal gewachsen. Ich bin in Geilenkirchen zum Gymnasium gegangen und habe da Französisch gelernt – wie viele andere auch. Dass mir Fremdsprachen immer schon Freude gemacht haben, sieht man auch an der Wahl der Leistungskurse. Ich habe Französisch und Englisch gewählt und fast folgerichtig Französisch und Englisch auf Lehramt studiert an der RWTH in Aachen. Im Studium habe ich das noch ausgeweitet mit Niederländisch und Italientisch. Das Französische hat sich jedoch am meisten ausgeprägt.

Und wie ging es dann weiter?

Ivens: Es war so, dass sich die Möglichkeit ergeben hat, in Romanistik an der Hochschule weiterzuarbeiten. Auch meine Doktorarbeit habe ich über ein französisches Thema geschrieben, über die Schriftstellerin Marguerite Yourcenar, der ersten Frau in der Académie Francaise.

Ihre Begeisterung für die französische Sprache teilen leider nicht mehr so viele Menschen. Im vergangenen Jahr waren es deutschlandweit nur noch 15 Prozent aller Schüler, die Französisch gelernt haben. Tendenz sinkend. Wie kommt das?

Ivens: Ich bin viel in Schulen unterwegs und kann das ein bisschen beobachten. Wenn ich das auf meine eigene Biografie beziehe, gehörte Französische zu meiner Schulzeit noch dazu. Da gab es nicht viele, die das Fach nicht gewählt haben. Das hat sich dazu entwickelt, dass Französisch heute ein Fach ist, das viele Schüler nicht mehr wählen und auch nicht gerne wählen. An den meisten Schulen gibt es keine Leistungskurse Französisch mehr. Das ist eine Feststellung, die mich ein bisschen traurig macht. Dass offenbar so wenige Schüler intensiv lernen wollen. Es sind immer nur eine Handvoll, die den Leistungskurs wählen, so dass der Kurs nicht zustande kommt und am Ende niemand mehr Französisch vertiefen kann.

Warum ist die Sprache so unbeliebt geworden?

Ivens: Einige Schüler, die ich im Rahmen meiner Arbeit kennenlerne, sagen: Französisch habe ich relativ schnell abgewählt. Das war mir zu schwierig. Ich habe ja auch mehrere Sprachen gelernt und kann das nicht nachvollziehen, dass man Französisch als schwieriger empfindet als andere Sprachen. Was allerdings stimmt: Man muss in Fremdsprachen investieren. Man lernt keine Fremdsprache einfach so. Das muss man sich erarbeiten und die Hemmungen verlieren.

Das ist der Hauptknackpunkt.

Ivens: Ja, man muss sich trauen zu sprechen. Viele Menschen, die ein bisschen perfektionistisch sind, trauen sich nicht. Wer das nicht schafft, bei dem wird‘s nicht besser werden. Aber denjenigen, die dem Französischen die Treue halten, kann ich nur sagen, dass sie sehr gute berufliche Chancen haben.

Deutschland und Frankreich sind wichtige Handelspartner.

Ivens: Ja, Frankreich ist unser erster Handelspartner, das darf man nicht vergessen. Es gibt tausende Stellen, die unbesetzt sind und zwar in Deutschland und in Frankreich. Das liegt daran, dass man keine jungen Leute findet, die außer Englisch und Spanisch noch Französisch beherrschen. Also wer das heute macht, ist die Ausnahme.

Ihre Aufgabe als Honorarkonsulin ist es ja auch, für das Land zu werben. Wie wollen Sie das schaffen?

Ivens: Wir wollen in erster Linie Jugendliche, Schüler und junge Menschen in den Blick nehmen, um Freude an der französischen Sprache und am Land zu wecken. Das ist die Haupttriebfeder, denn wer keinen Spaß hat, Fremdsprachen zu lernen oder überhaupt nichts mit Frankreich verbindet, wird das auch nicht weitermachen. Aber ich glaube, es gibt durchaus junge Menschen, die Freude an Französisch hätten und sich die guten Berufsaussichten erarbeiten könnten.

Darüber machen sich viele möglicherweise keine Gedanken.

Ivens: Genau, es wird meiner Meinung nach in Schulen und im privaten Umfeld viel zu selten darauf hingewiesen. Institutionen, Schulen und Elternhäuser sollten noch mehr darauf hinweisen, dass Französisch im beruflichen Umfeld durchaus wichtig ist.

Sie sind ein richtiger Frankreich-Fan. Haben Sie jemals überlegt, selbst dorthin zu ziehen?

Ivens: Ja, auf alle Fälle. Klar, wenn man Fremdsprachen studiert, versucht man natürlich so viel Zeit wie man kann, in dem Ausland zu verbringen, dessen Sprache man lernt. Jetzt war das bei mir immer so, dass ich auch hin und hergerissen war zwischen den verschiedenen Ländern, aber Frankreich war auf alle Fälle eine Option. Es hat sich aber trotzdem nicht ergeben. Es kam immer etwas Interessantes in Aachen oder in der Umgebung auf mich zu, so dass ich das Glück hatte, auch hier zu Hause die Internationalität nutzen zu können.

Belgien und die Niederlande in der direkten Nachbarschaft zu haben, ist schon etwas Besonderes.

Ivens: Ich sehe das auch immer so, dass die Region Euregio Maas-Rhein viel Internationalität mitbringt, die wir unbedingt nutzen sollten. Nicht nur, was die Fremdsprachen betrifft.

Wo sehen Sie noch Potenzial, die Vorteile der Grenznähe zu Belgien und Frankreich zu nutzen?

Ivens: Wir haben hier Möglichkeiten, ganz schnell über die Grenze zu fahren, was ich sehr häufig tue. Eigentlich so oft ich kann. Ich fahre auch sehr häufig nach Paris. Das sind inzwischen mit dem Thalys zweieinhalb Stunden. Das ist ein Privileg, das nicht viele haben. Außerdem bin ich auch häufiger in London mit dem Thalys und dem Eurostar. Also ich finde, dass wir hier eine gute Position haben.

Wie wirkt sich die Grenznähe auf die Beziehung zwischen Frankreich und Deutschland aus?

Ivens: Da spielt natürlich die Nähe zum frankophonen Belgien eine Rolle. Was wir machen können, ist den Aspekt der Frankophonie zu nutzen. Wir informieren zum Beispiel darüber, dass man nach Lüttich fahren kann, um dort eine Oper oder ein Theaterstück in französischer Sprache anzusehen.

Ist die deutsch-französische Freundschaft noch so gut?

Ivens: Das deutsch-französische Verhältnis ist ein gutes. Deutsche und Franzosen nehmen in Europa eine sehr wichtige Rolle ein. Aber natürlich gibt es immer Zeiten, in denen es intensiver ist und Zeiten, in denen es nicht ganz so gut klappt. Vielleicht sind wir im Moment nicht ganz auf dem Höhepunkt, weil die Finanzkrise und die Flüchtlingskrise dazu geführt haben, dass es viele Probleme zu bewältigen gab und noch gibt. Das hat auch man auch im deutsch-französischen Verhältnis bemerkt. Aber das heißt nicht, dass es nicht in wenigen Jahren wieder besser sein kann. Für Europa ist es wichtig, dass Deutschland und Frankreich gut zusammenarbeiten und man kann nur hoffen, dass es demnächst wieder Themen und Projekte geben wird, in denen wir sehr eng zusammenarbeiten.

Können Deutsche und Franzosen gut zusammenarbeiten?

Ivens: Wir haben ganz unterschiedliche Arten zu arbeiten. Das darf man nicht unterschätzen, weil wir uns darin nicht ähnlich sind. Die Schulsysteme sind schon ganz unterschiedlich. Aber ich finde trotzdem, dass wir uns sehr gut ergänzen, wenn wir uns aufeinander einlassen.

Dieses Aufeinandereinlassen, wird ja auch durch viele Städtepartnerschaften immer wieder auf‘s Neue gelebt. Eine davon ist die Partnerschaft zwischen Geilenkirchen und Quimperlé, die in diesem Jahr seit 50 Jahren besteht.

Ivens: Die halte ich auch für sehr wichtig. Insgesamt gibt es 2200 Städtepartnerschaften zwischen Deutschland und Frankreich. Die gehen zum großen Teil aus dem Geist der Versöhnung hervor, als man gesagt hat: Nach diesen vielen Kriegen muss endlich Schluss sein. Meist werden sie von Personen geleitet, die älter sind als ich, aber auch sie können sehr viel für junge Leute tun, zum Beispiel in Sportvereinen oder Musikvereinen, die sich austauschen. Das geht quer durch die Bevölkerung und das finde ich sehr wichtig.

Hand auf‘s Herz: Welches Land mögen Sie lieber?

Ivens: Ich mag beide natürlich.

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