Übach-Palenberg - Outbaix: Rückkehr als soziales Projekt?

Outbaix: Rückkehr als soziales Projekt?

Von: Markus Bienwald
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Ein Teil der Aktivisten, die sich für den Erhalt des Outbaix als Kulturstätte in Übach-Palenberg einsetzen, traf sich nun erstmalig im „Altertümchen“ in Boscheln. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Wenn das mal kein Ergebnis einer wirklich viralen Verbreitung ist: kaum wurde bekannt, dass die Stadt Übach-Palenberg den früheren Musikclub Outbaix im Übacher Hinterland ersteigert hat, gründete sich schon eine Gemeinschaft, die für den Erhalt oder die Wiederbelebung plädiert.

Mehr als 560 Mal wurde auf der eigens errichteten Facebookseite „Das Outbaix darf nicht sterben“ schon der „Gefällt mir“-Button gedrückt. Täglich werden es mehr.

Da die frühere Outbaix- und noch frühere Tatort-Gemeinde schon immer netzwerkte, dies aber damals wie heute lieber von Angesicht zu Angesicht tut, gab es nun ein erstes Treffen von rund 30 der Aktivisten, die sich für einen Erhalt der Kultgaststätte einsetzen. Im Boschelner „Altertümchen“ an der Roermonder Straße wurden dabei neben vielen Erinnerungen und Sätzen, die mit „weißte noch“ anfangen, erste handfeste Ideen verbreitet, wie das Outbaix erhalten oder wiederbelebt werden könnte.

Die Gemeinschaft weiß, dass die Stadtverwaltung den Bau wohl kaum mit der Absicht erworben hat, ins Gastronomiegeschäft einzusteigen. Und sie weiß auch, wie schwer es sein dürfte, aus der früheren Pilgerstätte für Musik- und Kneipenfreunde nochmal so etwas wie Kneipenkultur entstehen zu lassen. „Dabei ist es genau das Wohnzimmergefühl, das wir immer so am Outbaix geschätzt haben“, sagt Heike Rahn.

Sie will nicht Sprecherin sein, war aber diejenige, die nach Bekanntwerden des Ausgangs der Zwangsversteigerung die Facebook-Seite ins Leben rief und vom Zuspruch geradezu überwältigt wurde. „Ins Outbaix konnte man immer gehen, denn da traf man immer einen“, sagt sie über das Lebensgefühl der „Generation Outbaix“.

Diese Generation fühlt sich übrigens mit dem regionalen Ausgehangebot nicht gut bedient, wie Rahn weiß. „Aktuell ist es so, dass man zu einem Konzert geht und danach direkt wieder verschwindet, weil die Atmosphäre einfach fehlt“, sagt sie.

Von einigen Leuten, die sich früher im Outbaix wohlgefühlt haben und sich heute an anderen Lokalitäten von Jüngeren anhören müssen, ob sie denn zum Sterben hierhergekommen seien, spricht Heike auch. Im Outbaix habe es so etwas nicht gegeben, hier waren alle Altersschichten friedlich unter einem Dach vereint. Nachdem sich die Aktivisten den Ist-Zustand also ziemlich genau angesehen haben, wollen sie es dabei aber nicht belassen. “

Vielmehr wollen sie nun einen Verein gründen. Letzterer wird sich zum Ziel setzen, das Outbaix zu erhalten, vor einem Verfall zu bewahren und in einen „für gastronomische Zwecke geeigneten Zustand“ zu versetzen. Das soll überwiegend in Eigenleistung und durch Sponsorengelder geschehen.

Als Gegenleistung will ein möglicher Förderverein für das Outbaix die Stadt dann die ehrenamtliche Zusammenarbeit bei verschiedenen Projekten anbieten. „Eine Kleiderkammer, kostenloser Musikunterricht für traumatisierte Flüchtlingskinder und Kinder bedürftiger Familien aus dem Stadtgebiet, Kochkurse, bei denen Asylbewerber ihre nationale Küche vorstellen oder auch der Betrieb als Begegnungsstätte außerhalb des Gaststättenbetriebes, das alles ist doch vorstellbar“, so Heike Rahn.

Integrationsarbeit an der Basis wäre das, eben eine Weiterführung des gesellschaftlich-integrativen Empfindens, dass die früheren Nutzer und auch Betreiber des Outbaix schon immer hatten.

Pachtfrei überlassen

„Außerdem ergibt sich so eine Wertsteigerung des Gebäudes und ein Abriss könnte vermieden werden“, so Heike Rahn weiter. Die möglichen künftigen Outbaix-Macher hoffen, dass die Stadt ihnen das Gebäude bis zur Inbetriebnahme pachtfrei überlässt.

Das sind aber nur die Punkte, die einem ersten Entwurf nach bei Erhalt des bisherigen Gebäudes infrage kämen. Sollte die Stadt aber, was bei derzeitiger Sachlage auch den Aktivisten nicht unrealistisch erscheint, auf die Vorschläge des noch zu gründenden Outbaix-Vereins nicht eingehen, dann kommt vielleicht der zweite Teil der Ideen zum Tragen.

„Dass das Outbaix nicht sterben soll, bedeutet auch, dass wir uns auch einen alternativen Standort vorstellen könnten“, so Heike Rahn. So könnte die Idee, die anscheinend an vielen Stellen auf fruchtbaren Boden fällt, schnell keimen und das Outbaix vielleicht auch an anderer Stelle im Ort wiederkommen. Und vielleicht kann die Stadt, sollten ihr eventuell auch über finanzielle Verpflichtungen bei der Ersteigerung des Gebäudes im Fall der Stadionstraße die Hände gebunden sein, im Fall eines Neustarts an anderer Stelle ja dann helfen.

Sicher ist zumindest, dass sich das Team derer, die sich ein aktives Leben des Outbaix zurückwünschen, heute um 19.30 Uhr wieder im „Altertümchen“ trifft und dann vielleicht zumindest dort für eine volle Hütte sorgt.

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