Outbaix: Die Grooovemen spielen Funny van Dannen

Von: Stefan Reiners
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Die Grooovemen Jakob Schönleber (l.) und Heinz Quix beim Konzert in Übach-Palenberg.

Übach-Palenberg. „Ich bin nicht mehr jung und ich brauche das Geld.“ Das war die nicht ganz ernst gemeinte Erklärung der Grooovemen für ihr Konzert gegenüber den zahlreich erschienenen und restlos begeisterten Zuschauern in der Kneipe des Outbaix in Übach Palenberg.

Nicht ganz ernst gemeint schon deshalb, weil der Eintritt frei war, obwohl die musikalische Leistung der Grooovemen, bestehend aus dem Gitarristen und Sänger Heinz Quix (Zweibrüggen) sowie Jakob Schönleber (Frelenberg) an der Cajon, einen Eintritt in jedem Falle gerechtfertigt hätte.

Dieses Zitat war, ebenso wie schon der Bandname, einem der insgesamt 27 vorgetragenen Lieder („Nennt mich einfach Groooveman, Groooveman mit drei O“) des ursprünglich aus Tüddern stammenden, seit 1978 aber bereits in Berlin lebenden Liedermachers Funny van Dannen entliehen, aus dessen musikalischem Werk Quix und Schönleber ein abendfüllendes, abwechslungsreiches Programm mit dem Titel „Seine vielleicht besten Lieder“ zusammengestellt hatten.

Da gab es viel Ironie und Satire, wie zum Beispiel im auch von Udo Lindenberg gecoverten „Nana Mouskouri“ oder „Gutes tun“ und dem schon vom Titel her aussagekräftigen „Saufen“, aber auch Kritisches, wie beim im Anschluss an die Reaktorkatastrophe von Fukushima entstandenen „Abschalten“ oder „Vaterland“ und „Was Krieg ist“.

Eines der bekanntesten Lieder ist wohl sicher „Als Willy Brandt noch Bundeskanzler war“, in dem van Dannen seine (und auch die der meisten Anwesenden) Jugendzeit knapp und treffend skizziert: „Damals war Video noch Latein und bei CD wusste jeder, das kann nur Seife sein.“ Bei diesen Vergleichen wird jedem Zuhörer bewusst, welche Tragweite und Bedeutung es hat, wenn es im Lied heißt „Seitdem hat sich so manches getan.“

In jedem Falle nicht „Abschalten“ durfte also der Zuhörer, wurde dafür aber auch mit viel Wortwitz und Redegewandtheit in den Liedtexten belohnt, die vom Duo Grooovemen musikalisch absolut überzeugend und ansprechend umgesetzt wurden.

Das Tüpfelchen auf dem i zum stilsicheren Gitarrenspiel und Gesang von Heinz Quix war das dem Ganzen die nötige Fülle und Rhythmus gebende Spiel von Jakob Schönleber auf der Cajon. Diese sieht zwar wie eine normale Holzkiste aus, klingt aber mindestens wie ein kleines Schlagzeug, wenn man sie richtig spielt. Und das hat Schönleber weiß Gott getan, spielt er doch auch in der Alternative-, Punk,- Rock-, und Pop Coverband Boris from the Basement das Schlagzeug.

Frontmann Quix hat gar eine persönliche Beziehung zu Funny van Dannen. Die beiden waren seinerzeit Schulkameraden, bevor van Dannen, der mit bürgerlichem Namen Franz-Josef Hagmanns-Dajka heißt, drei Monate vor dem Abitur Richtung Berlin „von dannen“ zog, wo er heute noch lebt, verheiratet und Vater von vier Kindern ist sowie außerdem, wie Quix voller Anerkennung sagt, „…das, was er immer schon sein wollte, nämlich Künstler.“

Er spielt dabei auf die zahlreichen Bücher van Dannens an („Neues von Gott“ oder „Zurück im Paradies“), aber auch und nicht zuletzt auf seine Tätigkeit als Kunstmaler. Aufgrund dieser Nähe zum Liedermacher konnte Heinz Quix in seiner Anmoderation zum deklarierten Schlusslied „Gwendolyn Kucharsky“ auch aus dem Nähkästchen plaudern und sagen, dass es diese besungene „Liebe in Nordrhein-Westfalen“ wirklich gab, wenn sie auch etwas anders hieß.

Danach wollten die Zuhörer die Grooovemen nicht so einfach entlassen. Den vehementen Forderungen nach Zugaben gaben die seit gut zwei Jahren zusammen spielenden Musiker auch gerne nach. Beim letzten Stück, dem bereits angesprochenen „Saufen“ sang das Publikum tatsächlich mit, wozu der im Refrain für van Dannen‘sche Verhältnisse eher einfache und nicht ganz jugendfreie Text durchaus einlud.

Überhaupt nimmt der Liedermacher streckenweise kein Blatt vor den Mund. So handelt es sich bei „Posex und Poesie“ keineswegs um Bildsprache, sondern exakt um das, was gemeinhin darunter verstanden wird. In der Sprache eines van Dannen wird aber auch daraus eine anrührende Liebesgeschichte.

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