Osteoporose: Bewegung gegen Angst vor brechenden Knochen

Von: Ines Kubat
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Leichte Bewegung, insbesondere Gymnastik, helfen Osteoporose-Patienten, den schleichenden Knochenschwund im Zaum zu halten. Foto: dpa
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Karin Kappes ist seit sechs Jahren Mitglied der Selbsthilfegruppe für Osteoporose-Patienten... Foto: Ines Kubat
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...die Rolf Jahns leitet. Foto: Ines Kubat

Geilenkirchen. Lange Zeit klagte Karin Kappes über unerträgliche Rückenschmerzen. Doch kein Arzt nahm sie im Jahr 1990 wirklich ernst, berichtet die heute 77-Jährige. Schließlich hatten weder die Roentgen-Untersuchung noch eine Computer-Tomographie ihres Körpers eine Erklärung liefern können, sagt die Seniorin.

Kein Wunder, sei damals die Knochendichtemessung noch nicht wie heute üblich gewesen. Sie hätte vermutlich gezeigt, dass die Knochen von Karin Kappes porös waren.

Erst als Kappes kurze Zeit später wegen „wahnsinniger Schmerzen“ zusammengebrochen ist, wurde klar, unter welcher Krankheit sie leidet: Denn ihre Wirbelsäule war eingebrochen, die Wirbel konnten sich nicht mehr gegenseitig stützen – eine typische Folge von schwerer Osteoporose.

Es ist eine Krankheit, von der viele Menschen betroffen sind, die aber lange Zeit gar nicht bekannt war. „Am Anfang wurde ich wegen meiner Osteoporose häufig belächelt“, sagt die Rentnerin.

Heute ist das anders, Osteoporose zählt mittlerweile zu den Volkskrankheiten, und Kappes hat andere gefunden, die unter denselben Beschwerden leiden: die Geilenkirchener Selbsthilfegruppe für Osteoporose-Patienten, die sie seit sechs Jahren zwei Mal pro Woche besucht.

Mittlerweile ist klar, dass Osteoporose eine Erkrankung ist, bei der die Knochenmasse abnimmt, wodurch die Knochen an Stabilität verlieren. Besonders Frauen nach der Menopause erkranken daran, im höheren Alter aber auch immer mehr Männer. Und tatsächlich sei der überwiegende Teil der knapp 37 aktiven Mitglieder weiblich, berichtet Rolf Jahns, Leiter der Geilenkirchener Selbsthilfegruppe, die seit 15 Jahren besteht.

„Zu Beginn der Krankheit hat man eigentlich keine Symptome“, erklärt Jahns, der selbst an einer Vorstufe, genannt Osteopanie, leidet. Wirklich bewusst wird vielen die Erkrankung erst, wenn ihre Knochen brechen: Denn während gesunde Menschen einen leichten Sturz meist nur mit blauen Flecken quittierten – für Osteoporose-Patienten kann es fatale Folgen haben: „Ihre Knochen brechen viel leichter – vor allem die im Hüftgelenk, der Schulter oder an den Wirbeln“, sagt Jahns.

Deshalb sei es auch so wichtig, durch Koordinations- und Konzentrationsübungen Sturzprophylaxe zu betreiben.

Eine weitere Folge der Krankheit können Fehlstellungen am Rücken sein, weil die Wirbelsäule langsam in sich zusammen sackt: Auch bei Karin Kappes sei das so gewesen, sie habe mittlerweile einen sogenannten „Rundrücken“: „Ich bin dadurch schon um zwölf Zentimeter geschrumpft“, berichtet die Apweilerin.

Wirklich heilen ließe sich Osteoporose nicht – besonders wenn die Knochendichte, beziehungsweise der Gehalt der Kalziumsalze, schon zu stark abgenommen hat, berichtet Rolf Jahns aus seiner Erfahrung mit dem Thema. Aber man könne die Folgen eindämmen und damit verhindern, dass sich die Krankheit schnell verschlimmert.

Und das geht vor allem mit Bewegung: Deshalb treffen sich die Mitglieder der Osteoporose-Selbsthilfegruppe weniger zum Reden, sondern eher zur gemeinsamen Gymnastik – zwei Mal pro Woche findet die im Wasser statt, zwei Mal „am Land“. „Die Wasser-Gymnastik bieten wir an, damit die Gelenke geschont werden“, erklärt Gruppenleiter Jahns. Durch die Übungen würden nicht nur die umliegenden Muskeln und Sehnen gestärkt, vielmehr rege Bewegung auch die Produktion von neuer Knochenmasse an.

Derzeit werden vier Termine pro Woche angeboten. In Zukunft jedoch sei man auf neue Mitglieder angewiesen, damit die Kosten der Gymnastik, die in den Räumen der Ambulanten Reha stattfindet, gedeckt werden können, sagt Jahns.

Denn das Angebot einstellen zu müssen, wäre für viele Mitglieder ein großer Verlust. Zum Beispiel für Karin Kappes: „Wenn ich mehrere Tage nicht bei der Selbsthilfegruppe war, fühle ich mich immer richtig steif. Danach geht es mir jedes Mal besser.“

Doch nicht nur die Bewegung, auch die Gemeinschaft spiele eine Rolle, weiß auch Jahns: Viele reden in der Gruppe über die Krankheit, manche auch über Sorgen, da einige seit vielen Jahren Erfahrung mit dem Verlauf hätten. Deshalb biete man auch Fachvorträge, die beispielsweise über die richtige (Calcium-reiche) Ernährung informieren, die die Osteoporose-Therapie begleiten sollte.

Und aus noch einem Grund sei es wichtig, die Gruppe am Leben zu halten. „Der Altersdurchschnitt liegt weit über 60 Jahren“, berichtet Jahns, „und die meisten sind alleinstehend. Für sie ist die Grppe ein wichtiger Treffpunkt, damit sie nicht in die Einsamkeit verfallen.“

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