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Oliver Steller ist die Stimme der Lyrik Morgensterns

Von: hama
Letzte Aktualisierung:
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Als Interpret für Morgenstern-Gedichte ist Oliver Steller die ideale Besetzung. Morgensterns Texte sind kurz und deshalb zum Gesang besonders geeignet. Foto (Montage): Hamacher

Gangelt-Langbroich. „Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in den Menschen hineinhuschen kann.“ Das wird auch das Ziel sein, wenn Oliver Steller am 29. März wieder Station im macht und sich mit dem großen Dichter und Schriftsteller beschäftigen wird.

Oliver Steller, der als die Stimme der deutschen Lyrik gefeiert wird, war in den letzten Jahren regelmäßig in Langbroich zu Gast. Diesmal präsentiert er sein neues Morgenstern-Programm aber besonders früh; die große Runde durch den deutschsprachigen Raum startet erst danach.

Als Interpret für Morgenstern-Gedichte ist Oliver Steller die ideale Besetzung. Morgensterns Texte sind kurz und deshalb zum Gesang besonders geeignet.

Die Welt, die Morgenstern mit seinen Gedichten erschaffen hat, ist eine eigene Welt, eine Welt, in der alles lebt und alles spricht – auch die Gegenstände. In dieser Welt leben Wesen wie das Mondschaf oder das Nasobem. Letzteres ist ein Tier, das auf der Nase geht. Um diese Rolle zu spielen, muss Oliver Steller sein schauspielerisches Talent zur Höchstleistung treiben.

Man darf gespannt sein, wie er diese Herausforderung meistern wird. Obwohl das Nasobem ausschließlich in der Fantasie existiert, hat es den Weg in die großen Lexika Meyer und Brockhaus gefunden. Bei Morgenstern gibt es keine unbelebte Welt.

Auch die Gegenstände erfreuen sich bester Gesundheit und reden miteinander. So auch der Stiefel und sein Knecht. Morgenstern zerlegt den Stiefelknecht einfach in den Stiefel und seinen Knecht und schickt sie auf Wanderschaft. Beide wandern „...von Knickebühl gen Entenbrecht“. Plötzlich fordert der Stiefel von dem Knecht: „Zieh mich aus“. Der Knecht ist irritiert und wenige Zeilen später entschuldigt sich der Stiefel. Er sei in Gedanken gewesen, was Morgenstern so ausdrückt: „Ich ging ganz in Gedanken hin...“ Dieses Gedicht Morgenstern überschreibt nicht etwa mit „Der Stiefel und sein Knecht“. Nein, er überschreibt es mit „Der Gingganz“ und rückt das Beiläufige in den Mittelpunkt, macht aus dem Nietzsche-Wort von der „Umwertung der Werte“ ein „Umwortung der Worte“.

Morgenstern deckt das Widersinnige in unserer Sprache auf und die Willkür, mit der Begriffe geschaffen werden. Er gehört zu denjenigen, die der Bedeutung der Sprache als Mittel der Erkenntnis skeptisch gegenüber stehen. Politisch ist er zwar ein Konservativer, weil Monarchist, aber als Lyriker ist er seiner Zeit weit voraus. Er gehört zur die Spitze der Avantgarde. Morgensterns Leben ist durch zwei historische Ereignisse begrenzt. Als er das Licht der Welt erblickt, wird 1871 das Deutsche Kaiserreich geschaffen. Und in dem Jahr, in dem er stirbt, 1914, bricht der Erste Weltkrieg aus.

Es wird spannend werden, wie Oliver Steller dem Publikum Leben, Werk und Wesen dieses an Tuberkulose früh verstorbenen Dichters nahe bringen wird.

„Man muss kein Prophet sein, um einen erlebnisreichen Abend vorher zu sagen, einen Abend, der nachwirken und noch Tage danach ein Schmunzeln auf das Gesicht desjenigen zaubern wird, der an dem Erlebnis teil hatte“, freut sich Kunsthändler Lutz Vorbach, der vor vielen Jahren den ersten Auftritt Stellers in der Gemeinde in seiner Galerie ermöglicht hat. Oliver Steller wird am 29. März um 20 Uhr in der Bürgerhalle Langbroich das Morgenstern-Programm unter dem Motto „Frag nicht lang“ vorstellen. Veranstalter ist der Rotary-Club Heinsberg, der mit dem Erlös die Förderklasse der Jugendmusikschule Heinsberg unterstützen wird. Karten sind nur im Vorverkauf erhältlich: Galerie Vorbach, Gangelt, Telefon 02454/909525, Provinzial Heinsberg, Telefon 02452/95950, Krings, Langbroich, Telefon 02454/9374950.

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