Oliver Steller: Ein Mutmacher im literarischen Sinne

Von: Markus Bienwald
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Oliver Steller bot bei seinem Gastspiel auf Einladung des Rotary Clubs Heinsberg im Bürgertreff in Langbroich einen denkwürdigen Abend mit ausgezeichnet und vielfältig präsentierter Lyrik. Foto: Markus Bienwald

Gangelt. Lyrik-Profi Oliver Steller tritt mit Poesie-Mix im Bürgertreff Langbroich auf. Der Erlös des Abends kommt Flüchtlingshilfe zugute.

Wer sich auf eine Reise in vielleicht noch unbekannte Welten begeben will oder einfach schon einmal besuchte Orte der Gedanken wiedersehen will, für den kann Lyrik ein guter Reiseführer sein. Zwar, so konstatierte Lyrik-Profi Oliver Steller bei seinem vom Rotary-Club Heinsberg organisierten Gastspiel am Samstagabend im Bürgertreff Langbroich, interessierten sich nur ein Prozent der Deutschen überhaupt für das Universum der Verse. Doch sicherlich schaffte es Steller mit seiner unglaublichen Präsenz, hier und da einige Lyrikfans neu zu infizieren.

Sein Rezept war dabei erfreulich abwechslungsreich abgeschmeckt: Er nahm Klassiker, Kinderverse und erotische Gedichte, schmeckte sie mit einer präzise in Form gegossenen Portion Musik ab, und garnierte das Ganze mit Anekdoten. Das so servierte Menü mundete den Gästen im bestens gefüllten Bürgertreff ganz vorzüglich. Steller gelang dabei vom Fleck weg, Begeisterung für jegliche Form des Reims zu wecken, und das bei allen Themen, die er aufgriff.

Ein literarischer Mutmacher

So wurde er ohne Zweifel zum von Organisator Lutz Vorbach angekündigten „Mutmacher“ im literarischen Sinne.

Vorbach hatte im Prolog zum lyrischen Abend auf die aktuelle innere Verfassung Deutschlands abgehoben und dabei schwierige Zeiten ausgemacht. „So mancher Landsmann droht daran zu verzagen“, so Vorbach, und da tat die rundum reife Leistung Vorbachs gleich doppelt gut.

Ob auf dem Stuhl thronend als „Zauberlehrling“ im Sinne Goethes, mit der Gitarre in der Hand und dabei singend rezitierend wie ein Großmeister des Jazz, oder ganz einfach mit Text und Intonation spielend, zeigte Steller, was Lyrik alles kann.

Besonders der alte Tibetteppich aus dem gleichnamigen Gedicht von Else Lasker-Schüler kam so gleich zwei Mal zu Ehren. Ein Mal trug Steller es vor, als ginge es ihn wenig an, so als könne er mit dem sinnlichen Bild, das die Autorin zu Ehren ihres geliebten Gottfried Benn wob, nichts anfangen.

Beim zweiten Vortrag direkt hintenan nahm Oliver Steller einen großen Schluck Leidenschaft und spülte den ausgefeilten Text über innige Liebe und Zuneigung, die sich im Sinnbild des miteinander verwobenen Teppichstücks widerspiegelte, mit Inbrunst in die Gehörgänge der begeistert lauschenden Gäste. Die verstanden so auch die Dramatik, die Lyrik im Menschen auslösen kann.

Die Leistung hat ihren Preis

Dabei waren die Worte dieselben, Steller gelang es mit seinem außergewöhnlichen Talent, allein durch Rhythmik, Tonfall und Tempo dem Gedicht seine ganz andere, intime, lustvolle Ausstrahlung zu verpassen. Dass das nicht aus dem Ärmel zu schütteln war, fiel gleich zu Beginn auf.

Und Steller selbst, der eigentlich für den März angesagt war, aber aus gesundheitlichen Gründen sein viertes Gastspiel beim Rotary-Club Heinsberg auf den Juni verlegen musste, durfte sich zwischendurch den wohlverdienten Schweiß von der Stirn tupfen.

„Es wird warm hier oben, sehr warm“, konstatierte er, „das muss wohl am Juni liegen, ich muss wohl im März wiederkommen“, meinte er selbst fast lyrisch und entlockte so den Gästen ein weiteres Lächeln an diesem gelungenen Abend.

Erlös geht an Flüchtlingshilfe

Ein Lächeln dürfte aber auch über den hervorragenden Lyrikgenuss in Langbroich hinaus in mehrfacher Hinsicht gesichert sein. Zum einen kommt Steller wahrscheinlich im nächsten März, wenn es wieder kühler sein dürfte, zurück. Zum anderen wird der Erlös des gesamten Abends, 3200 Euro, an die Flüchtlingshilfe in der Region gehen.

Und das dürfte dann auch diejenigen erfreuen, die sich gezwungenermaßen auf eine Reise machen mussten, die ihr Leben durch die Flucht aus der Heimat nachhaltig veränderte.

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