Obergerichtsvollzieher Peter Welter geht in den Ruhestand

Von: Renate Kolodzey
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In Handschellen „abgeführt“ wird Obergerichtsvollzieher Peter Welter (r.) von seinen Kollegen Stefan Landkammer und Vanessa Schindler sowie Corinna Waßmuth, Direktorin des Amtsgerichts (v. l.). Foto: R. Kolodzey

Geilenkirchen. „Wir lassen ihn nicht gerne gehen – er war ein super Kollege“, gesteht Gerichtsvollzieher Stefan Landkammer und erzählt: „Obergerichtsvollzieher Peter Welter hat mich und viele meiner Kollegen ausgebildet. Bei Problemen war er immer für uns da, auch privat. Ich betrachte ihn nicht als Kollegen, sondern als Freund!“

Nach genau 51 Jahren und drei Monaten verabschiedete sich dieser „super Kollege“ nun in den Ruhestand und erklärte: „Ich freue mich auf den neuen Lebensabschnitt und darauf, das tun zu können, was ich möchte – besonders, wenn die Sonne scheint!“

Dienstausweis abgegeben

Im Hof des Amtsgerichts Geilenkirchen hatten sich zum feierlichen Abschied Kollegen und zahlreiche Wegbegleiter seines Berufslebens versammelt. Corinna Waßmuth, Direktorin des Amtsgerichts, stellte fest: „Er hat heute Morgen Dienstausweis, Dienstsiegel und die Eintrittskarte für das Gericht abgegeben. Es scheint ihm also ernst zu sein – wir können ihn nicht halten!“

Jedoch, bemerkte sie verschmitzt, habe sie noch einen Haftbefehl gefunden – ausgestellt auf Peter Welter! Er habe einen Termin zur Vermögensauskunft unentschuldigt versäumt, daher müsse diese nun mit Haft erzwungen werden.

Schon klickten die Handschellen um die Armgelenke des verdutzten angehenden Ruheständlers, und die Landkammer begann mit der obligatorischen Befragung. Zwar versuchte Welter, sich aus der Affäre zu ziehen: „Ich hab‘ nichts – alles gehört meiner Frau!“, doch es nützte nichts – unerbittlich begann das „Verhör“, das die Anwesenden immer wieder vor Lachen laut herausprusten ließ:

„Wann und wo geboren? Etwa in einem gallischen Dorf? Mit dem Schnäuzer sehen Sie ja aus wie Asterix!“ Alles musste Welter peinlich genau darlegen: Ob er Wertpapiere besitze „außer die in Ihrem Alter üblichen Lottoscheine“? Ob es Taschengeldansprüche gegenüber seiner Frau Angelika gebe, die ja, wie man munkele, sein Vermögen verwalte. Und welchen Wert sein Weinkeller habe. Dies würde demnächst von ehemaligen Kollegen überprüft.

Eine Kiste voll edler Weine als Abschiedspräsent wollte man ihm nun überreichen, doch Welter konnte sie nicht entgegennehmen, da er immer noch gefesselt war. Gnädig befreite man ihn. Zudem erhielt er einen Gutschein für eine Heißluftballonfahrt.

Als Krönung schmetterten alle ein Lied seiner Lieblingsband Höhner – lustig auf ihn umgedichtet, wobei sich jeder einen Papp-Schnäuzer über die Oberlippe hielt. Gerichtsvollzieherin Vanessa Schindler verriet dazu augenzwinkernd: „Der Bart war immer sein Markenzeichen!“ Strahlend bedankte sich der Geehrte und lud zu Umtrunk und Imbiss ein. Hierbei ließ er in sein Leben blicken:

1952 geboren, fing er 1966 als Kanzlei-Lehrling beim Amtsgericht (AG) Aachen an, arbeitet danach anderthalb Jahre beim Landgericht Aachen, ehe er eine zweijährige Ausbildung im Mittleren Dienst begann. Danach hieß es: 18 Monate Bundeswehr. 1973 heiratete er, bekam einen Sohn und eine Tochter. 1977 startete seine anderthalbjährige Gerichtsvollzieher-Ausbildung bei den AGs Heinsberg und Aachen.

Ende 1977 versetzte man ihn zum AG Köln, 1980 als Gerichtsvollzieher zum AG Aachen und 1984 zum AG Geilenkirchen. Später wurde er Obergerichtsvollzieher. Darüber hinaus bildete er 20 Jahre lang Gerichtsvollzieher aus. „Mein Beruf hat mir großen Spaß gemacht!“, plauderte er, „doch er ist auch gefährlich.“ Bis auf eine lebensbedrohliche Begebenheit habe es jedoch nur kleinere Probleme gegeben.

Wohnhaft in Birgden engagiert Welter sich seit jeher im Dorfleben. So war er 23 Jahre Vorsitzender des Tambourcorps Birgden, heute Ehrenvorsitzender, und elf Jahre Vorsitzender der Dorfbühne Birgden.

Da Ende Januar sein erstes Enkelkind Lisanne geboren wurde, darf er sich darauf freuen, demnächst nicht nur seinen wohlverdienten Ruhestand, sondern auch Großvaterfreuden genießen zu können.

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