Obdachlosenhilfe: Gemeinsam für Menschen in großer Not

Von: Markus Bienwald
Letzte Aktualisierung:
10458646.jpg
Wenn Tina Richter (l.) und Uschi Hartmann mit ihrem Bollerwagen losziehen, sind sie im Dienst für obdachlose Menschen in und um Übach-Palenberg unterwegs. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Der Bollerwagen ist für Uschi Hartmann und Tina Richter so etwas wie ein Symbol. „Damit sammeln wir Sachen ein, wir verteilen damit dann alles an unsere Obdachlosen“, sagt Uschi Hartmann. Und während Tina Richter fleißig nickt, freut sich Hartmann darüber, dass die Hilfe für diejenigen, die aus verschiedensten Gründen keinen festen Wohnsitz haben, nun auch offiziell erfolgen kann.

„Es hat ein wenig gedauert, aber jetzt sind wir als Verein anerkannt und anerkannt gemeinnützig“, sagt die freudestrahlende Uschi Hartmann. Bei ihr Zuhause hat das allerdings nichts verändert, nur, dass nun noch ein Schriftstück mehr in die ohnehin dicken Ordner wandert, die sie für die Hilfe für die Menschen angelegt hat, die wohl die kleinste Lobby überall haben.

Wie zum Beweis führt sie den Besuch gerne in ihre private Küche. Die dortigen Kühlgerätschaften wurden eigens und natürlich auf eigene Kosten aufgestockt, um Spenden, aber auch das benötigte Material für die Suppenküche und die Essen für die Obdachlosen optimal aufbewahren zu können. Und damit kommt sie auch zurück zu den Wurzeln der Hilfsidee. „Begonnen hat alles eigentlich mit der Suppenküche“, sagt die gelernte Hotelfachfrau Hartmann. Aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit in Mönchengladbach kam sie erstmals mit der dortigen Obdachlosenhilfe in Berührung. Im Bruno-Lelieveld-Haus war das, dort werden die Menschen, die auf der Straße leben, mindestens einmal im Monat mit einer Suppe versorgt. „Nicht so ne dünne Plörre, sondern mit allem“, beschreibt Uschi sehr lebendig die mit Fleisch und Gemüse frisch zubereiteten Köstlichkeiten.

„Auch bei uns gibt es Obdachlose“, weiß Uschi Hartmann, aktuell sind es 13, die ohne Wohnsitz verzeichnet sind. Dazu gibt es noch viele Familien, die sich aus unterschiedlichen Gründen am Ende des Monats über jede Hilfe freuen. „Im sozialen Bereich gibt es zudem eine hohe Dunkelziffer“, ergänzt Tina Richter. Da greift das Team vom nun offiziell „Obdachlosenhilfe – Gemeinsam für Menschen in Not“ genannten Verein gerne ein.

Wenn die Ehrenamtler Probleme erkennen, helfen sie, wo sie können und dürfen. Denn Obdachlose müssen sich Tag für Tag viel anhören. „Die haben ein dickes Fell“, weiß Uschi Hartmann, die schon seit vielen Jahren Menschen in Not hilft. Den Satz „die sollen doch froh sein, dass sie überhaupt was haben“, hat sie im Zusammenhang mit ihrer Arbeit schon mehr als einmal hören müssen. Und darum appelliert sie an die Menschen, die helfen und geben wollen, nicht irgendetwas zu spenden, sondern das ganz gezielt zu machen. Was da meist nachgefragt wird, sind Gebisskleber als Nummer eins, generell Hygieneartikel und alles, was man selbst auch in seinen eigenen vier Wänden benutzen würde, um sich gut zu fühlen.

„Menschenwürde ist ein ganz großes Thema für uns“, so Hartmann weiter, „denn nur, weil sie obdachlos sind, bedeutet das nicht, dass diese Menschen weniger wert sind. Ganz im Gegenteil.“ So bittet sie auch darum, den Menschen auf der Straße auch mit Würde zu begegnen. Es gebe nichts Schlimmeres, als wenn die Menschen wortlos an fragenden Obdachlosen oder Bettlern vorbeigehen, das wissen die Helfer ganz genau. „Geben Sie den Menschen eine Antwort, denn ein höfliches Nein ist immer noch besser als das Gefühl, nicht wahrgenommen zu werden“, sagt Hartmann.

Leuten, die ihr mit dem Misstrauen begegnen, dass sie die Hilfe auch für sich alleine macht, begegnet Hartmann übrigens mit einem entwaffnenden Lächeln und ein paar Worten.

„Ich mache es nicht für mich, sondern für die Obdachlosen und für die eigene Stadt“, sagt sie. Und wenn sie dann mit ihrem Bollerwagen loszieht, um nützliche Dinge zu sammeln, kann sie nun auch das Schreiben vorzeigen, das ihr offiziell bestätigt, für die gute Sache unterwegs zu sein. „Ein tolles Gefühl“, sagt sie, und schon ziehen sie los, mit dem kleinen vierrädrigen Gefährt. Letzteres könnte übrigens bald schon in einer eigenen Garage stehen. Denn die Chance auf ein eigenes Haus besteht.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert