Nur noch geringes Interesse an Hitlers Hetzschrift

Von: Jan Mönch
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Geilenkirchen. Selten riefen die deutschen Gesetze zum Urheberrecht einen so großen Medienrummel hervor, wie zum 1. Januar des vergangenen Jahres.

Die sogenannte Regelschutzfrist besagt, dass das Urheberrecht 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers verfäät. Vor nunmehr einem Jahr war dies bei Adolf Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ der Fall.

Seitdem ist eine kommentierte Fassung des Münchener Insituts für Zeitgeschichte (IfZ) auf dem Markt. Buchhändler Franz-Josef Fürkötter aus Übach-Palenberg war anfangs überrascht über die recht hohe Nachfrage. „Das kam sicher auch durch das große Medienecho“, schätzt er.

Der Verlag schickte einen ganzen Karton mit Exemplaren, die sich in Fürkötters beiden gleichnamigen Buchhandlungen in Palenberg und Geilenkirchen auch rasch verkauften. Dann aber habe das Interesse schnell wieder nachgelassen, Nachfrage gebe es praktisch nicht mehr. Auch er selbst habe nicht reingesehen, sagt Fürkötter. „Muss ja auch eine ziemliche Zumutung sein.“

Anders als häufig angenommen, war „Mein Kampf“ nie im eigentlichen Sinne verboten. Nach dem Krieg zog der Freistaat Bayern Hitlers Nachlass ein, denn der Diktator war zum Zeitpunkt seines Selbstmords am Münchener Prinzregentenplatz gemeldet.

Das Land hielt damit die Urheberrechte an „Mein Kampf“, und es ging gegen die Verletzung dieser Rechte auch aktiv vor, machte aber zugleich natürlich keine Anstalten, selbst eine neue Auflage auf den Markt zu bringen. Die Frage, wie mit dem Machwerk umgegangen werden soll, konnte also bequem über das Urheberrecht geregelt werden – bis vor einem Jahr.

Nach Ablauf der Urheberrechte brachte das Münchener Institut für Zeitgeschichte nach einiger Diskussion schließlich die kommentierte Neufassung heraus. Sie verkaufte sich 85.000 Mal, was relativ viel ist, Ende dieses Monats wird die sechste Auflage erhältlich sein. Die hiesigen Buchhändler rechnen aber nicht damit, dass sie viele Exemplare abstoßen werden.

Das denkt auch Peter Lyne von de Berg aus Geilenkirchen. Die Schilderungen des Buchhändlers aus Geilenkirchen gleichen denen von Franz-Josef Fürkötter praktisch bis ins Detail: „Zunächst war das Interesse sehr groß, dann plötzlich überhaupt nicht mehr“, sagt er. Die Medien hätten das Thema hochgeschrieben. Viele potenzielle Leser hätten sich dann aber vielleicht durch den enormen Umfang abschrecken lassen, immerhin hätten die Historiker des IfZ 3000 Anmerkungen formuliert.

Das ein oder andere Exemplar sei aber natürlich dennoch verkauft worden. Die Interessenten seien zum größten Teil jenseits der 70 gewesen, ein anderer größerer Teil geschätzt zwischen 35 und 45.

Zu Hitlers Lebzeiten kam es der Auflage entgegen, dass die Schrift oft gratis unter die Leute gebracht wurde, beispielsweise durch die Standesämter bei Hochzeiten. Heute läuft das natürlich anders: Die Historiker haben das Buch auf einen knapp 2000 Seiten und zwei Bände fassenden Wälzer aufgepumpt, der satte 59 Euro kostet.

Aufgrund dieses recht hohen Preises ist „Mein Kampf“ auch in der Geilenkirchener Stadtbücherei nicht erhältlich. „Das war jenseits der Schmerzgrenze“, sagt Leiterin Antonia Zaharanski. „Darum haben wir damals entschieden, es nur zu bestellen, falls es angefragt wird.“ Dazu sei es aber nicht gekommen.

Nur ein einziges Mal habe ein Kunde der Bibliothek von dem Buch gesprochen, er habe angekündigt, der Einrichtung ein Exemplar schenken zu wollen. „Er hat sich dann aber leider nicht mehr gemeldet“, sagt Zaharanski.

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