Nun doch der Verkauf: Wenig Arbeit für die Abrissbirne in der Fliegerhorstsiedlung

Von: Renate Kolodzey
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Es ging um die Zukunft der Fliegerhorstsiedlung Teveren: Rund 140 Bürger waren der Einladung zur Einwohnerversammlung gefolgt. Foto: Renate Kolodzey
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Bürgermeister Georg Schmitz (stehend) eröffnete die Einwohnerversammlung in der Grundschule Teveren.

Geilenkirchen. „Zunächst möchte ich auf eine brandneue Entwicklung hinweisen“, eröffnete Bürgermeister Georg Schmitz die Einwohnerversammlung in der Turnhalle der Katholischen Grundschule Teveren und berichtete: „In den letzten Tagen hat uns die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mitgeteilt, dass sie sich aus Teilen des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes zurückziehen und lieber den Verkauf der Häuser forcieren will.“

„Jetzt heißt es, weiterhin nach gemeinsamen Lösungen zu suchen“, sagt er weiter. Von einem ursprünglich geplanten Abriss von Häusern weiche die Bima jetzt ab. Rund 140 Anwohner waren der Einladung gefolgt. Markus Mönter, Technischer Beigeordneter, begrüßte die Gäste, darunter Ratsmitglieder, und stellte die weiteren Anwesenden auf dem Podium vor: Bernd Niedermeier, Geschäftsführer Planungsgruppe MWM aus Aachen, Julian Ueckert, Planungsgruppe MWM, sowie Bernd Grotefeld, Leiter Portfoliomanagement NRW der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).

Mönter betonte, dass an diesem Tag keine Beschlüsse gefasst, sondern das Entwicklungskonzept nur vorgestellt und Anregungen aufgenommen werden sollten.

Ueckert erläuterte anhand von auf eine Leinwand projizierten Plänen und Texten, was in den vergangenen beiden Jahren passiert ist, zum Beispiel die Auswertung vorhandener Unterlagen, Anwohnerbefragung, Wohnraum-Bedarfsanalyse, Strategie- und Programmentwicklung, Gebietskulisse, Bürgerinformation und -beteiligung. „Wir wurden begleitet von Experten“, hob er hervor, „auch von Mitarbeitern des Nato-Stützpunktes.“ In der Bestandsanalyse habe sich gezeigt, dass meist kleine Wohnungen vor Ort seien.

Die Auswertung der Quartiersbefragung habe eine hohe Teilnehmerquote mit 115 ausgefüllten Fragebögen und 53 Prozent Beteiligung ergeben. Bei Sicherheit und Lärmwerten habe die Siedlung recht gut abgeschnitten. 25 Prozent der Bewohner seien aus beruflichen Gründen hergezogen. Gärten wurden positiv bewertet, der Zustand der Häuser negativ.

Die Wohnraumbedarfsanalyse zeige, so Ueckert, dass es zukünftig Bedarf für Ein- bis Zwei-Personen-Haushalte gäbe, solch kleine Wohnungen seien vorhanden. Man habe die SWOT-Analyse durchgeführt – eine Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken-Analyse. Stärken seien die ruhige Wohnsituation und der gute soziale Zusammenhalt. Eine Schwäche sei der schlechte Zustand der Häuser, eine Chance die Privatisierungsabsicht der BImA, Risiken wären die Kanalsanierungskosten, die auch die Stadt mittragen müsse, und die Parkplätze.

Niedermeier ergriff nun das Wort und stellte die Leitziele als Basis der Entwicklungsszenarien vor: Man müsse durch Abstimmungsgespräche Bund und Land bezüglich Förderung mit ins Boot holen, denn langfristig mache es Sinn, die Siedlung zu renovieren und nicht abzureißen. Sie habe einen weitläufigen Charakter, keine engen Straßen wie andere Viertel. Überlegungen zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und Verbesserung der Infrastruktur-Auslastung müssten angestellt werden. Auch die Schaffung einer neuen Mitte für die Siedlung sowie eine Neuordnung und Aufwertung des Grünraumes seien wichtig.

Das „Kombi-Szenario“ sei wie folgt: Der westliche Teil der Siedlung solle weitestgehend unverändert bleiben, eventuell solle der Spielplatz verlegt werden. Im östlichen Teil könnten kleinere Anbauten für zusätzliche Zimmer entstehen. Im nördlichen Teil der Stauffenbergstraße solle ein Abriss der Häuser erfolgen, auch Neubauten seien geplant. Begrünte Carportanlagen seien gut, um das grüne Image weiterzuentwickeln.

Ein Quartiersplatz und Begegnungsräume könnten geschaffen werden. Straßen und Parkplätze würden eventuell Kommunalabgaben erfordern, und die Sanierung des Kanalsystems stehe an. Weiterhin solle es einen Gestaltungsleitfaden mit Hinweisen für private Eigentümer sowie ein Quartiers- und Sanierungsmanagement zur Beratung der Bewohner bei Umbauten geben.

Mönter gab einen Ausblick auf den Zeitplan: 2017 würden Anregungen und Bedenken der Bürger geprüft und ausgearbeitet, danach alles im Rat mit den Politikern besprochen und der Beschluss zum Konzept gefasst. Anschließend würden die Einzelmaßnahmen ausgearbeitet sowie Finanzierung und Förderzugänge geprüft. 2018 starte die Realisierung, unter anderem die Sanierung der Infrastruktur.

Grotefeld von der BImA erklärte, man werde keinem Mieter wegen Abriss kündigen. Die BimA möchte keinen Abriss, da sie die Wirtschaftlichkeit dieser Maßnahme derzeit nicht sehe. Modernisierung und Wärmedämmung lohne sich für die Öffentliche Hand nicht. Die Treureal habe renoviert und die BImA vermiete diese Einheiten momentan. Die Bima möchte weiter verkaufen, demnächst sechs Häuser in der Gneisenaustraße in Abstimmung mit der Stadt. Mönter ergänzte: „Die Stadt will ebenfalls niemandem sein Häuschen wegnehmen. Wir als Stadt werden in Gremien diskutieren, wie es weitergeht.“

In der anschließenden Diskussion ging es immer wieder um den Abriss von Häusern, wobei die vertreter der BImA versicherten, es würden nur die Häuser abgerissen, deren Instandsetzung sich nicht lohne. Es würden nur Häuser abgerissen, die nicht vermietet seien. „25 Jahre nach Errichtung der Siedlung wurden Teile marode, und nichts wurde von der BImA gemacht.

Ich bitte den Bürgermeister, an das Finanzministerium zu schreiben, denn die BImA als deren untere Behörde ist scheinbar nicht in der Lage, Probleme zu lösen“, ärgerte sich Ortsvorsteher Josef Paulus. Und auch der Grünen-Fraktionschef Jürgen Benden schimpfte: „Wir benötigen ein Städtebaukonzept, um die Fliegerhorstsiedlung zu gestalten. Dämpfer wie die BImA brauchen wir nicht, die sagt: Das können wir nicht mittragen.“

Bürgermeister Georg Schmitz versprach zum Abschluss: „Ich hoffe, dass sich die Entwicklung in der Fliegerhorstsiedlung so gestaltet, dass alle damit leben können. Wir als Stadt werden uns anstrengen, dies zu Ihrer Zufriedenheit zu erledigen. Der Beginn 2018 ist ein Ziel!“

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