„Nikolaus spielen ist ein stressiger Job“

Von: Daniela Martinak
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Karl-Heinz Speuser muss nur noch seinen Bart zurechtzupfen. Jedes Jahr spielt der 55-Jährige den Nikolaus in zahlreichen Kindergärten und auf Adventsfeiern. Foto: Daniela Martinak

Geilenkirchen. 150 Kinder – das macht gleich 150 Wünsche und 300 leuchtende Augen. Voller Erwartung und ein wenig aufgeregt werden diese 150 Kinder morgen auf ihn warten. Gemeint ist natürlich der Nikolaus. Nicht etwa in Engelskirchen wohnt er, dieser Nikolaus. Nein, in Süggerath ist er zu Hause. Jedenfalls dieser ganz bestimmte, auf den die Kinder im städtischen Kindergarten in Alsdorf und im Tripsrather Kindergarten sehnsüchtig warten.

Eigentlich heißt er Karl-Heinz Speuser, ist 55 Jahre alt und als Geschäftsführer einer Kreistagspartei in der Kreisverwaltung tätig. Eigentlich. Aber das vergisst der Mann morgen für ein paar Stunden ganz schnell, wenn er an die leuchtenden Augen der Kinder und deren offenen Münder denkt.

Wenn er mit dem goldenen Buch, den vollen Geschenkesack über die Schulter geworfen, in die Kindertagesstätten geht, ist die Freude nicht nur bei den Kindern groß. Auch der Süggerather fühlt sich wohl in seiner Rolle, streichelt sich über seinen runden Bauch, während er augenzwinkernd sagt: „Ich bin mit meiner Figur nicht immer glücklich, aber für diesen Job könnte ich keine bessere haben.“

Allerdings bekennt er: „Nikolaus spielen ist ein stressiger Job.“ Zwar ist sein Auto um einiges schneller als der traditionelle Rentierschlitten, aber Eile ist dennoch geboten, wenn er von einem Kindergarten zum nächsten düst. „An der Ampel werde ich oft belächelt, aber zum Umziehen ist da keine Zeit.“ Dabei benötigt er keine halbe Stunde für die Prozedur, nach der noch nicht einmal seine Enkelin ihn wiedererkennt.

Viel braucht er nicht: Alte, schwarze, aber geputzte Stiefel, ein weißes Hemd, eine schwarze Hose, die traditionelle Bischofsmütze, einen Umhang, den Bischofsstab, weiße Handschuhe und nicht zu vergessen die Kordel mit den Glocken. „Die habe ich den Rentieren abgenommen, bevor ich zu den Kindern komme, damit sie nicht zu laut läuten, falls sie sich schütteln müssen“, erklärt der 55-Jährige.

Bevor jeder einmal die besagte Kordel in der Hand halten darf, ist erst eine gehörige Portion Ehrfurcht angesagt. Speuser: „Einige Kinder haben Angst, manchmal weint sogar eines.“

Insgesamt sei ihm aber in den vergangenen sieben Jahren – so lange schlüpft er schon in die Rolle des wohl berühmtesten Bischofs – aufgefallen, dass „die Kinder immer weniger Respekt vor dem Nikolaus haben.“ Auch ein bisschen gemotzt werde mal, wenn es ein Säckchen gibt, in dem „nur“ Gesundes ist.

Während die Kinder heute lieber Geschenke hätten, erinnern sich Walburga Wagner, Margarete Wicher und Hans Melchers, die gerade im Franziskusheim beisammen sitzen, daran, dass sie als Kinder froh waren, wenn er überhaupt kam. „Ich bin im Krieg groß geworden und habe den Nikolaus das erste Mal im Alter von 13 Jahren gesehen“, muss die 76-Jährige Margarete Wicher zugeben.

Unersättlich

Der 75-jährige Hans Melchers weiß, „dass der Esel des Nikolaus meist mehr zu futtern bekam, als die Leute, die den Nikolaus willkommen hießen“. Und Walburga Wagner, die 85 Jahre alt ist und in Schlesien groß wurde, sagt: „Uns brachte der Nikolaus Backzutaten, damit wir überhaupt Plätzchen backen konnten.“ Heute seien die Kinder oft unersättlich. Wagner kritisiert: „Die bekommen heute dreimal so viel, wie wir damals zu Weihnachten und zum Geburtstag zusammen bekommen haben.“

Mit dabei war zu dieser Zeit häufig noch Knecht Ruprecht, der Gehilfe des Bischofs, der gerne mit den Ketten rasselte und die Rute schwang. Das ist heutzutage selten geworden. Überhaupt habe sich das Bild des Nikolaus und auch der Sinn dieser Tradition laut den Senioren geändert. Auch Karl-Heinz Speuser weiß das. Eines weiß er aber auch: „Die Freude bei den Kindern bleibt. Auch, wenn sie vielleicht nicht mehr so lange und so fest daran glauben.“

Fakt ist: Froh und munter sind sogar die Großen, wenn der Nikolaus kommt. Und recht von Herzen freuen sich alle, wenn der Stiefel am Nikolausmorgen randvoll gefüllt ist.

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