Geilenkirchen - Niederländer Marc Housen rettet verwahrloste Tiere

Niederländer Marc Housen rettet verwahrloste Tiere

Von: Udo Stüßer
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Daisy Claessen aus Landgraaf liebt die Pferde. Einmal in der Woche hilft sie in Grotenrath mit.
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Zunächst waren es Pferde, denen Marc Housen ein neues Zuhause gab. Aber auch die 50 Hühner fühlen sich in Grotenrath sehr wohl. Foto: Udo Stüßer
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DSchwein Tön sollte zum Schlachthof. Seine vorherigen Besitzer wollten es als Haustier halten, was nicht gelang. Foto: Udo Stüßer
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Fast täglich hilft der 18-jährige Ronnie Kraay bei der Tierpflege mit. Foto: Stüßer

Geilenkirchen. Fritz, das belgische Reitpferd, hat Zeit seines Lebens als Therapiepferd für behinderte Menschen gearbeitet. Als Fritz im Alter von neun Jahren plötzlich nicht mehr für die Menschen arbeiten konnte, weil er unter Arthrose im Vorderbein litt, sollte der Hengst auf dem Schlachthof enden.

„Das hat das Tier nicht verdient“, sagte sich der Niederländer Marc Housen und rettete den Belgier vor dem sicheren Tod. Heute fristet das Pferd auf einer Wiese an der Grotenrather Corneliusstraße sein Dasein. Fritz ist nur eines von elf Pferden, die Marc Housen vor dem Schlachthof oder aus der Verwahrlosung gerettet hat und jetzt in Grotenrath leben. Aber es sind nicht nur alte und kranke Pferde, die sich auf der Wiese tummeln. 50 Hühner hat Housen aus einer Legebatterie gekauft, die heute überglücklich und gackernd hier in Freiheit leben. Und dann sind da noch die 15 Kaninchen, zwei Ziegenböcke, eine Ziege, fünf Gänse, 16 Enten und die beiden Schweine Gerd und Tön, die hier bestens versorgt werden. „Ein Tier retten, kann nicht die ganze Welt ändern, aber für das eine Tier ändert sich die Welt“, erklärte er seine Maxime. Und er schimpft. „Es ist schlimm zu sehen, was die Menschen mit Tieren anstellen.“

Eigentlich sind Motoren die Welt des 44-Jährigen. Bis vor vier Jahren fuhr der Mann aus Landgraaf noch Kart- und Autorennen. Beim Kart-Winterpokal in Kerpen waren auch Schumacher und Vettel seine Gegner. Doch mit 40 Jahren war seine Karriere vorbei. Aber auch heute noch ist Housen hauptberuflich im Kartgeschäft.

Von Kind an liebte Marc Housen Tiere. Und die waren reichlich in seinem Elternhaus vertreten. Auch wenn es nicht gerade groß war, nahmen seine Eltern Marianne und Bert verwahrloste oder vom Tod bedrohte Tiere auf. Damals handelte es sich noch um kleine Geschöpfe, um Hunde, Katzen und Kaninchen.

Klein und billig

Er selbst und seine Frau Peggy nahmen 1997 das erste Pferd auf, einen zwei Jahre alten Haflinger. „Das Tier war total verwahrlost und hatte sogar rostige Nägel im Fuß“, blickt Marc Housen zurück. Er meldete damals den Vorfall der Polizei und gab dem Pony ein neues Zuhause. Da er selbst in Landgraaf nur ein kleines Haus mit wenig Garten bewohnt, mietete er im niederländischen Waubach für 250 Gulden im Monat eine kleine Wiese mit Stall. Elf Jahre lebte dieses Pferd, erkrankte schließlich an Krebs und musste eingeschläfert werden. „Ich werde niemals die großen Augen von Savanah, so hieß mein erstes Pferd, vergessen“, sagt Housen heute. In alle den Jahren entwickelte sich eine wahre Liebe besonders zu den Haflinger. „Sie genießen kein besonders hohes Ansehen. Sie sind klein und billig. Sie sind schon für ein paar hundert Euro zu haben. Leider werden sie dementsprechend behandelt“, sagt der Pferdefreund, der auch erklärt: „Der Haflinger ist ein Superpferd, lernt gerne, ist aber auch stur.“ Housen kaufte nach dem Tod von Savanah einen Haflinger, der aber nicht lange alleine blieb. Im Jahre 2009 erfuhr er von zwei 23 und 26 Jahre alten Haflinger, die aufgrund von Arthrose zum Schlachthof geführt werden sollten. Dies ließ der Niederländer nicht zu und nahm die Tiere bei sich auf. Die Wiese in Waubach bot bald schon keinen ausreichenden Platz, und er erhielt von der niederländischen Naturschutzorganisation „Naturmonumenten“ in Schinveld eine größere Wiese.

Die drei Haflinger blieben hier nicht lange alleine. „Ich hörte von einem Haflinger, der nur deshalb zum Schlachthof sollte, weil er sich nicht reiten ließ. Das konnte ich nicht zulassen“, erzählt Housen. „Das Pferd hatte einfach kein Vertrauen zu seinen Besitzern. Man muss nur Zeit und Liebe investieren, dann gewinnt man auch das Vertrauen des Pferdes. Ich kann das Tier heute reiten, weil es meine Zuneigung spürt.“ Zu den vier Haflinger gesellte sich bald darauf ein Shetland Pony. Es hatte Probleme mit dem Kniegelenk, das Halfter war bereits in die Nase eingewachsen. „Solch ein Pony wird auf dem Markt mit 150 Euro gehandelt. Da sparen sich manche Pferdebesitzer die Tierarztkosten und kaufen ein neues Pferd.“ Überhaupt, so klagt Housen, seien nicht alle Pferdebesitzer Tierliebhaber. „Sie lassen ihr Pferd 23 Stunden am Tag im Stall stehen. Und wenn sie dann eine Stunde beim Pferd sind, muss es machen, was der Besitzer will.“

Vernachlässigt und abgemagert

Seine Sorgenkinder waren lange Zeit die beiden Reitpferde Pinky und Flame. Er sah sie in schwer vernachlässigtem Zustand, abgemagert bis auf die Rippen, ungepflegte Zähne und Hufe. Doch die Besitzer wollten sie zunächst nicht hergeben. Erst als einige seiner mittlerweile 10.000 Facebook-Freunde protestierten und die Polizei die Pferde beschlagnahmen wollte, übergab der Besitzer ihm die Tiere. „Die normalerweise etwa 500 Kilogramm schweren Pferde wogen nur noch 250 Kilogramm. Jede Rippe zeichnete sich durch das Fell ab. Die hätten höchstens noch ein bis zwei Wochen gelebt“, berichtet Housen. 150 Kilogramm haben die beiden 28 Jahre alten Pferde in einem Jahr zugenommen.

Die Pflege dieser beiden Tiere ist besonders schwierig: „Da Flame keine Zähne mehr hat, muss er 15 Stunden am Tag stündlich mit ganz kleinen Portionen gefüttert werden“, sagt der Pferdefreund. Oft fragt sich Housen, wie Menschen Tieren so etwas antun können. „Ich habe geweint wie ein kleines Kind, wenn ich die Tiere in einem erbärmlichen Zustand vorgefunden habe.“ Seit fünf Jahren pflegt er seine Schützlinge in Grotenrath. Die Wiese in Schinveld konnten die Naturschützer ihm nicht mehr zur Verfügung stellen, weil sie sie wieder an die Gemeinde abgeben mussten. Eine weitere Wiese nutzt Housen in Teveren.

„Jeden Monat werden mir etwa zehn bis 15 Pferde angeboten, die ich pflegen soll. Das kann ich aber nicht leisten. Ich versuche dann, ihnen über Facebook ein neues Zuhause zu vermitteln“, sagt er.

Die Pflege der Tiere kann er nicht mehr alleine übernehmen. Da steht ihm die ganze Familie zur Seite. Neben seinen Eltern sind es hauptsächlich Ehefrau Peggy (41) und Tochter Kelsey (17) die tatkräftig mit anpacken.

Unterstützt wird er auch von vielen jungen Leuten, die ihre Liebe zu Tieren entdeckt haben und hier eine wichtige Aufgabe sehen. Während beispielsweise die 27-jährige Daisy Claessen aus Landgraaf einmal in der Woche einen Tag für die Tiere opfert, ist der 18-jährige Ronnie Kraay aus Landgraaf mittlerweile fast täglich eine große Hilfe. Außerdem lobt Marc Housen die große Hilfsbereitschaft, die er in Grotenrath erfahren hat.

Aber auch Geld spielt eine große Rolle: Zwischen 3000 und 3500 kostet ihn die Pflege der Tiere im Monat. Deshalb hat er die Stiftung „Dierenopvang Savanah“, benannt nach seinem ersten Pferd, gegründet. Hier ist natürlich jede Spende willkommen.

Bei Fragen per Mail (marc.housen@home.nl) gibt Marc Housen, Vorsitzender der Stiftung, gerne Auskunft.

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