Nicht nur Eulen sind hier richtig: Nirm bietet Lebensraum für Mensch und Tier

Von: Jan Mönch
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Zugezogener und Alteingesessener: Axel Harnisch (l.) im Gespräch mit seinem Nachbarn Günter Heinrich. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. Vergangenes Jahr erlebte Nirm eine Bevölkerungsexplosion. Ein Schleiereulenpärchen hatte sich im Gemäuer eines alten Gehöfts eingenistet und Junge bekommen, sechs an der Zahl. Günter Heinrich und seine Frau saßen jeden Abend nebenan vor ihrem Haus und beobachteten, wie die Eltern ausflogen, um Nahrung für den Nachwuchs zu suchen.

„Die haben alle sechs Junge durchgebracht“, freut sich Günter Heinrich bis heute. Würde die Bewertungskommission, die sich ab kommende Woche auf die Suche nach „Golddörfern“ macht, die Schleiereulen nach ihrer Meinung fragen können, dürfte alles klar sein.

Günter Heinrich ist beim Dorfwettbewerb Ansprechpartner für Nirm, und er weiß, dass andere Argumente zählen werden. Nirm ist das größte von den vier Dörfern, die sich gemeinsam beworben haben, rund 200 Menschen leben hier. Richtige Industrie gibt es natürlich keine und auch sonst nur wenige Arbeitgeber. Leben kann man in Nirm aber recht gut. Dafür spricht, dass es einige Zugezogene gibt, Leerstände sind kein großes Problem. Die meisten Wahl-Nirmer brächten sich gut ins Dorfleben ein. Circa ein Drittel hingegen, schätzt Heinrich, „hält sich an nichts auf“. Aber das müsse ja jeder selbst wissen.

Einer der „Neuen“, die immer mittendrin sind, lebt gleich bei Günter Heinrich nebenan. Er heißt Axel Harnisch und lebt seit sechs Jahren in dem alten Gehöft, in dem die Schleiereulen sich so wohl fühlten. Früher war seine Heimat Broichweiden, ein Vorort von Würselen. „Kann man aber nicht Dorf nennen“, sagt Harnisch. Die wegwerfende Handbewegung, die er dabei macht, verdeutlicht: Er wollte es so dörflich wie nur möglich und hat gefunden, was er wollte. „Die Nachbarschaft ist einfach super“, sagt er, „und Verkehr ist praktisch nicht verhanden“. Und das, was doch so durchfließt, spielt sich auf der Hauptstraße ab. Harnisch und Heinrich leben in der einzigen Seitenstraße Nirms.

Der klassische Bauernhof im Wandel

Anders als Harnisch hat Heinrich sein ganzes Leben in Nirm verbracht. Als er jung war, war die heute befestige Seitenstraße noch ein unbefestigter Schotterweg, auf dem man bei schlechtem Wetter im Matsch einsank. Heute liegen unter den Straßen sogar schon Glasfaserkabel, die schnelles Internet bieten. Heinrich hat erlebt, wie das klassische Bauerndorf sich nach und nach wandelte.

„Bis in die 70er Jahre gab es noch sieben, acht Landwirte“, sagt er. Heute seien es nur noch zwei, die hätten aber umso mehr Vieh. Die meisten Nirmer, seien es Zugezogene oder Alteingesessene, fahren zum Arbeiten tagsüber weg. Axel Harnisch zum Beispiel verdient seine Brötchen in Übach-Palenberg.

Günter Heinrich findet, dass Nirm mit Kraudorf zusammenwachsen sollte. Viel Notwendiges sei ja vorhanden: die Nähe, die Straße, der Kanal, die Verbundenheit. Dass das keine leeren Worte sind, merkt man daran, dass er immer wieder auch nach Kraudorf schweift, wenn es um Nirm geht. Kein Wunder: Die Kirche liegt drüben in Kraudorf, die einzige Kneipe hier in Nirm, Sportplatz und Feuerwehrgerätehaus mehr oder weniger genau auf der Grenze. Gleich nebenan soll bald ein Bürgerhaus entstehen, so wünschen es sich die Einwohner beider Orte. „Vielleicht so für 80 Personen, mit Schießstand“, hofft Heinrich.

Er lässt keinen Zweifel aufkommen, dass er auch den Rest seines Lebens in Nirm verbringen will, und ab kommender Woche wird er der Kommission erklären, wieso. „Weil es hier lebenswert und angenehm ist“, sagt Heinrich.

Wenn man es sich recht überleht, kann man eigentlich gar nicht besser argumentieren.

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