Nicht angeleinte Hunde eine Gefahr für brütende Heidelerche

Letzte Aktualisierung:
anleinen-foto
Die Heidelerche, eine streng geschützte Vogelart, brütet derzeit. Deshalb sollen Hundebesitzer ihre Vierbeiner an der Leine führen. Foto: Kreis Heinsberg

Geilenkirchen. Die Heidelerche, jene in Deutschland sehr selten gewordene und daher streng geschützte Vogelart, hat momentan viel zu tun. In der Teverener Heide, wo es noch eine Reihe von Brutpaaren gibt, wird das Nest am Boden versteckt angelegt.

Zum Nestbau benutzt die Heidelerche feines pflanzliches Material. Frühestens um den 20. März, meist Ende März bis Anfang April kommt es dann zur Eiablage. Das Gelege besteht meist aus drei bis sechs Eiern.

Zweiwöchige Brutzeit

Die Brutzeit dauert rund zwei Wochen. Weitere drei Wochen verbringen die gerade geschlüpften kleinen Lerchen in und um das Nest, bis sie dann flügge werden. Diese Periode bis Anfang Mai ist eine gefährliche Zeit für die vom Aussterben bedrohte Heidelerche. Denn in der Teverener Heide kommt der größte Feind nicht aus der Natur direkt, sondern der Mensch bringt ihn mit: den Hund.

„Es ist traurig, wie viele zerstörte und aufgegebene Nester der Heidelerche auf freilaufende Hunde zurückzuführen sind”, stellen Biologen immer wieder entsetzt fest. Es würde deutlich mehr Heidelerchen geben, wenn Hundehalter ihre Tiere in der Heide angeleint lassen würden. Und die Heidelerche ist nur eine von vielen am Boden brütenden Vogelarten in der Heide, wie Ziegenmelker, Baumpieper, Waldlaubsänger, Waldschnepfe oder Schwarzkehlchen.

Der Schutz seltener Tierarten und freilaufende Hunde vertragen sich einfach nicht. Aus diesem Grund wendet sich der Kreis Heinsberg als zuständige Naturschutzbehörde nun direkt an die Hundebesitzer: „Haben Sie Ihren Hund angeleint?” Mit dieser Frage werden seit wenigen Tagen alle Besucher in Form einer Hinweistafel an den Parkplätzen der Teverener Heide empfangen. In allen Naturschutzgebieten, so auch in der Teverener Heide, gelten besondere Verhaltensvorschriften.

„Wir wollen Wanderer und Spaziergänger mit Hund, Jogger, Radfahrer oder Reiter nicht abschrecken, sondern sie sensibilisieren, die im Bestand gefährdeten Lebensräume in ihrer Eigenart, Vielfalt und Schönheit mit ihren vielen Rote-Liste-Arten zu schützen”, sagt der in der Teverener Heide tätige Diplom-Landespfleger Lars Delling von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Heinsberg und fährt fort: „Aktiver Natur- und Artenschutz beginnt schon mit dem Anleinen des Hundes.”

Dabei ist die Teverener Heide nicht nur „einfaches” Naturschutzgebiet, vielmehr seit 2001 auch Fauna-Flora-Habitat-Gebiet und mit seinen seltenen Heidelebensräumen, Moorflächen, bewaldeten Dünen, zahlreichen Heideweihern und Sandtrockenrasen eingebunden in das europäische Netzwerk „Natura 2000”.

Okölogische wertvolle Flächen

Ein wesentliches Ziel ist dabei die Erhaltung, Entwicklung und Wiederherstellung von ökologisch wertvollen Flächen mit ihren wild lebenden Tieren und Pflanzen. Dies gilt insbesondere für Arten, deren Population hinsichtlich der Brut-, Nahrungssuch-, Rast- und Überwinterungsbestände im europäischen Maßstab bedeutend sind. Insgesamt wurden in den letzten Jahren über 700 Tier- und annähernd 400 Pflanzenarten kartiert. Beispielhaft für die Tierpopulation sind hier rund 130 Vogelarten, darunter 80 Brutvögel zu nennen. Darüber hinaus leben in den Biotopen zahlreiche Libellen- und Heuschreckenarten, Wildbienen und Laufkäfer sowie Tag- und Nachtschmetterlingsarten.

Die für die Teverener Heide zuständige Forst- und Landschaftsbehörde nehmen die beginnende Brutzeit zum Anlass, eindringlich an die Besucher zu appellieren, die Wege nicht zu verlassen und ihre Hunde im Naturschutzgebiet stets anzuleinen.

Selbst sehr friedfertige Hunde können zu einem lebensbedrohenden Störfaktor werden. Manche Vogelarten haben große Fluchtdistanzen und verlassen in Anwesenheit von Hunden ihre Gelege oder Jungvögel, wodurch eine ganze Generation von jungen Vögeln elend ums Leben kommt.

Lediglich vier Prozent beträgt der Anteil der Naturschutzflächen im Kreis Heinsberg. In diesem kleinen Flächenanteil hat der Fortbestand der seltenen und empfindlichen Lebensräume mit ihren wild lebenden Tieren und Pflanzen absolute Priorität.

Andere reizvolle Stellen

Ausgedehnte Spaziermöglichkeiten, ohne Anleinzwang, bieten sich an zahlreichen, landschaftlich reizvollen Stellen an, die außerhalb der Naturschutzgebiete liegen. Wer in den wenigen Naturschutzgebieten mit Hund wandern möchte, sollte die Anleinpflicht ernst nehmen und unbedingt einhalten.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert