Neuordnung der Schullandschaft: Noch nicht alle Fragen geklärt

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Die Entlassschüler werden in Gangelt auch weiterhin Luftballons mit ihren Wünschen in den Himmel schicken. Jedoch wird die Gemeinschaftshauptschule Gangelt dann Geschichte sein und die Schule Selfkantschule heißen. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Die Gemeinschaftshauptschule Gangelt wird aufgelöst und mit Beginn des nächsten Schuljahres 2014 mit der Hauptschule Höngen zusammengelegt. Das Gebäude in Gangelt bleibt den Schülern erhalten, der Name kommt von der Schule aus Höngen, Selfkantschule.

„Das klingt alles schlimmer als es ist“, begrüßte Bürgermeister Bernhard Tholen die Mitglieder des Schulausschusses. So könne man dann in Gangelt insgesamt neun Klassen bilden, für die Schüler besser differenzieren und die gesamte Lehrerschaft dann besser einsetzen.

Formell muss die Gemeinde Selfkant bei der Bezirksregierung einen Antrag auf Erweiterung der Selfkantschule stellen. Die ist nämlich im Gegensatz zu Gangelt eine Ganztagsschule, was für die Schüler ebensolche Vorteile hat, wie auch für die Gemeinden. Für diese Schulform gibt es eine höhere finanzielle Zuwendung seitens des Landes. Der frei werdende Schulteil in Höngen wird dringend für die Erweiterung der Gesamtschule, die dort mit ihrem Sekundarbereich untergebracht ist, gebraucht.

Aktuell präsentiert sich die Gesamtschule mit rund 140 Schülern fünfzügig. „Damit ist aktuell eine Grenze erreicht“, so Tholen. Langfristig geht man davon aus, dass bei sinkenden Schülerzahlen diese Schule vierzügig geführt werden kann. Die Grundschulen in Breberen, die Nikolausschule, hat knapp 200 Schüler, die Schule der Begegnung in Birgden 191. Einer Prognose folgend werden beide Schulen bis 2018 um die 200 Schüler haben und zweizügig sein. In Breberen nehmen aktuell 41 Kinder das offene Ganztagsangebot an, in Birgden 75.

Überhaupt nicht absehbar ist die Entwicklung der Gangelter Förderschule, der Mercatorschule. „Wie es in Sachen Inklusion weiter geht, wissen wir derzeit nicht“, erläuterte der Bürgermeister. Das entsprechende Landesgesetz fehle immer noch, man streite darüber, wer für die Kosten aufkommt und vor allem darüber, wie die Inklusion von statten zu gehen hat.

„Aktuell wüsste ich nicht wohin mit den Schülern“, erinnerte Tholen daran, dass die Hauptschule das größte Auffangbecken für diese Schüler war. „Dort wurde das auch gut praktiziert!“ Aber die Hauptschule bricht weg und die Gesamtschule braucht nach Aussage von Bernhard Tholen noch Zeit, ehe sie sich an der Inklusion beteiligen kann. Das alles sei aber nicht übers Knie zu brechen, denn es gebe Bundesländer, wo dieser Weg 20 Jahre gedauert habe.

„Abenteuer Hauptschule“

Mit Beginn des Schuljahres 1970/71 begann in Gangelt das „Abenteuer Hauptschule” an den Standorten Breberen und Birgden. Hans-Otto Leonards war der erste Schulleiter. 511 Schüler wurden in 14 Klassen unterrichtet. Hauptschulen waren von Beginn an als weiterführende Schule gleichberechtigt und gleichermaßen qualifizierend neben Realschule und Gymnasium gedacht.

Hauptschüler konnten ebenso die Fachoberschulreife erreichen und bei einem qualifizierten Abschluss zum Gymnasium wechseln. In den Anfangsjahren war in allen Grundschulen eine deutliche Tendenz zur Hauptschule zu verzeichnen. 24 gab es anfangs im Kreis Heinsberg. Wie auch in Gangelt waren Schulen mit über 500 Schülern keine Seltenheit.

Auf die steigenden Schülerzahlen, die zusätzliche und größere Klassenräume sowie neue Fach- und Differenzierungsräume benötigten, reagierte man in Gangelt mit dem Bau einer neuen Hauptschule, die am 10. Oktober 1974 eingeweiht wurde. Ein Jahr später folgte die große Sporthalle. 1991 übernahm Franz Oschmann die Schulleitung bei rund 200 Schülern und zwölf Lehrern.

In den 80er Jahren kamen die geburtenschwachen Jahrgänge und ein geänderter Elternwille, der die Schülerzahlen drastisch sinken ließ. Lange Jahre retteten dann die „Fahrschüler“ aus Geilenkirchen den Bestand der Schule. Als Oschmann die Schule 2006 verließ, gab es 575 Schüler mit 15 verschiedenen Nationalitäten sowie rund 40 Lehrer. Nach der Fusion mit der Selfkantschule ist die Gemeinschaftshauptschule Gangelt Geschichte.

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