Neues Factbook von Toni Stumpf zeigt: „Geilenkirchen ist eine reiche Stadt“

Von: Udo Stüßer
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Factbook
Politische Entscheidungen will Toni Stumpf nur auf der Grundlage von Fakten fällen. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. „Geilenkirchen ist richtig gut. Vieles wird hier nur kaputt geredet.“ Der Mann, der das sagt, muss es wissen: Toni Stumpf, ehemaliger Verkaufsleiter und Prokurist bei SLV in Übach-Palenberg, Großkonzern in der Lichtbranche und Global Player, hat ein Factbook Geilenkirchen erstellt.

Auf 66 Seiten hat er alle die Stadt betreffenden Daten aus den Bereichen Bevölkerung, Arbeitsmarkt, Einkommen privater Haushalte, kommunale Beschäftigte, Schulen, Finanzen, Schlüsselzuweisungen, Schulden, Gebühren, Wohnungsbauentwicklung, Handel und Gewerbe und Kriminalität zusammengestellt.

An vielen Stellen hat er sein gesammeltes Datenmaterial im Vergleich zu den Nachbarkommunen gestellt. Als Quellen für seine Sammlung und eigenen Berechnungen hat er die IT NRW, die Bertelsmann Stiftung, die Zensus Datenbank, die Bundesagentur für Arbeit und das Ministerium für inneres und Kommunales genutzt. Das Factbook ist ein Buch voll mit Grafiken und Analysen. „Ich liebe Diskussionen auf Faktenlage, auf deren Grundlage kann ich die richtigen Entscheidungen treffen, die dann nicht mit rhetorischem Bullshit verwässert sind“, sagt er. 32 Jahre lang war Stumpf bei SLV beschäftigt, in den letzten Jahren war er als Prokurist für die Produkte und den Vertrieb zuständig. Im Jahre 2015 schied er aus der Firma, die übrigens deutschlandweit als erste Firma LED-Lampen verkauft hat, aus. Seitdem ist er Privatier.

Toni Stumpf war immer schon ein politisch interessierter Mensch. In Übach-Palenberg war er sechs Jahre lang Vorsitzender der Jungen Union, auch war er Mitglied der CDU. Im Jahre 2006 ist er aus der Partei ausgeschieden. „Von meiner Grundeinstellung her bin ich schwarz. Der ehemalige Übach-Palenberger SPD-Fraktionsvorsitzende Heiner Weißborn sagte einmal über mich: Der Stumpf ist so schwarz, der wirft sogar im Keller Schatten“, erinnert er sich.

Als „politisch interessierter Mensch ohne Parteizugehörigkeit“, wie er sich gerne bezeichnet, besuchte er im Juni 2016 eine Ratssitzung in Geilenkirchen. „Ich habe die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als ich gesehen habe, wie sie geführt wurde“, blickt er zurück. „Und in der folgenden Sitzung, als es um geheime Abstimmungen über das Bürgerhaus Bauchem und den Nierstraßer Weg ging, gab es Verfahrensfehler. Ich habe sie gleich erkannt, weil ich die Gemeindeordnung im Kopf habe.“ Nun stand sein Entschluss fest. Er wollte in der Politik aktiv mitwirken und schloss sich der Fraktion „Geilenkirchen bewegen!“ an. „Bei der CDU muss man sich zu sehr drehen und wenden. Da muss man erst einmal drei Jahre lang Bier holen“, kritisiert er. „Deshalb habe ich Leo Kuhn von ‚Geilenkirchen bewegen! gefragt, ob seine Fraktion noch Verstärkung braucht. Leo Kuhn hat mir sofort seinen Platz im Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung angeboten. Bei ‚Geilenkirchen bewegen‘ gibt es keine Grabenkämpfe. Und mir gefällt, dass es keinen Fraktionszwang gibt.“

Unprofessionelle Sitzungen

Bald darauf entstand bei Stumpf der Gedanke, für seine politische Arbeit ein Faktenbuch zu schaffen: „In den Sitzungen habe ich gemerkt, dass da mit Zahlen rumgeworfen wurde, die ich nicht nachvollziehen konnte. Und bei der Diskussion um Steuerhebesätze hörte ich vom Verwaltungstisch die Aussage: ‚Wir müssen mal in Baesweiler nachfragen, wie dort die Hebesätze sind‘.“ Stumpf weiter. „So etwas ist unprofessionell. Ich begann, für mich selbst eine Faktensammlung zu machen.“

Zunächst brachte er in seinen Bestand Struktur, die bereits vorliegenden Daten wurden aktualisiert. „Und dann sind die Pferde mit mir durchgegangen“, sagt er. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit, auch in den Werbepausen eines Fernsehfilms, nahm er eines seiner sieben im Haus befindlichen I-Pads zur Hand, um neue Daten abzurufen. „Bei politischen Entscheidungen muss ich doch wissen, ob Geilenkirchen eine Wohnstadt oder gewerbelastig ist. Geilenkirchen ist eine Wohnstadt, die Schaffung von mehr Wohnraum ist deshalb die richtige Entscheidung“, sagt er. Blickt der Privatier auf die Einkommensentwicklung der Geilenkirchener Bürger, so stellt er fest. „Geilenkirchen ist eine reiche Stadt.“ Auch dem Geilenkirchener Einzelhandel gehe es gut. „In Geilenkirchen geht es nicht so schlecht wie manche sagen. Und Baesweiler ist nur ein Mythos.“ Stumpf hat mit seinen Berechnungen und Analysen einiges ans Tageslicht gebracht: „Geilenkirchen leistet sich im Vergleich zu anderen Kommunen eine extrem teure Stadtverwaltung. Hier gibt es zwar nicht mehr Personal, aber die Mitarbeiter in Geilenkirchen verdienen besser.“

Nicht nur seine Fraktionskollegen, auch Franz-Michael Jansen, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Geilenkirchen, ist von dem Factbook sehr angetan. Deshalb hat er Toni Stumpf kürzlich um einen Vortrag gebeten. Als Buch will Stumpf seine umfangreiche Faktensammlung nicht auf den Markt bringen. Allerdings hat er unserer Zeitung ein Exemplar zur Verfügung gestellt.

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