Neuer Ortsvorsteher: CDU lässt doch den „Roten“ dran

Von: Markus Bienwald
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Bürgermeister Bernhard Tholen (links) war der erste, der dem neuen Ortsvorsteher gratulierte. Foto: Bienwald

Gangelt. Eigentlich hatten es nicht nur die für gewöhnlich gut informierten Kreise geahnt: SPD-Mann Rainer Mansel ist in der jüngsten Ratssitzung in Gangelt von der CDU als Ortsvorsteher vorgeschlagen worden. Und gleich nach der geheimen Wahl, die mit 17 Ja- und fünf Nein-Stimmen bei einer Enthaltung zugunsten des Sozialdemokraten ausging, brandete Applaus auf.

Bei den gut 30 anwesenden Vertretern der Drei-Dörfer-Gemeinschaft Stahe-Niederbusch-Hohenbusch, die Mansel schon seit Monaten gerne auf diesem Posten gesehen hätten, war der Beifall naturgemäß am größten.

Doch auch Bürgermeister Bernhard Tholen war sichtlich erleichtert. „Nun ist alles geregelt in Stahe-Niederbusch-Hohenbusch“, sagte er. „Und ich denke, das wird positiv für den Ort sein.“ Vorausgegangen war der im Normalfall eher am Rande behandelten Wahl zum Ortsvorsteher eine mehrmonatige Vakanz dieses Postens. So hatte der bisherige Ortsvorsteher Josef Rütten, CDU, zum 31. Mai dieses Jahres seinen Rücktritt angekündigt.

Danach gab es zwei Ratssitzungen, bei denen die CDU als vorschlagsberechtigte Mehrheitspartei jedoch keinen Kandidaten vorstellen konnte.

Wie es dazu kommen konnte, das verlas in Vertretung des nicht anwesenden Fraktionsvorsitzenden der Christdemokraten, Karl-Heinz Milthaler, dessen Stellvertreter Günter Dammers. „Zum dritten Mal steht dieser Tagesordnungspunkt heute auf dem Programm und erweckt damit den Eindruck, dass man von Seiten der CDU sich Rainer Mansel nicht als Ortsvorsteher vorstellen konnte. Dass dies nicht so ist, weiß Rainer Mansel am besten selber“, verlas Dammers. So habe es in der CDU-Fraktion „zahlreiche Personen“ gegeben, die für die Wahl von Rainer Mansel waren.

Diesen Eindruck gewannen auch die Menschen in der Drei-Dörfer-Gemeinschaft: Am 21. April gab es eine Versammlung im Staher Pfarrheim, bei dem die Besucher eigentlich sicher waren, dass die dort anwesenden CDU-Vertreter den SPD-Mann aufs Schild des Ortsvorstehers hieven wollten. In der nun abgegebenen Erklärung betont die CDU aber, dass bei der Veranstaltung am 21. April keine 20 Personen anwesend waren, „sodass eine repräsentative Stimmungslage daraus nicht abzuleiten war“. Die Suche der CDU nach einem passenden Ortsvorsteher musste daher weitergehen, später wurde ein Kandidat gefunden, aber die Zusammenarbeit mit ihm gestaltete sich, so die CDU-Erklärung weiter, „nicht harmonisch beziehungsweise zweckmäßig“.

So konnte auch zum eigentlichen Benennungstermin am 5. Juli niemand vorgeschlagen werden, weshalb der Tagesordnungspunkt erneut abgesetzt wurde. Daraufhin formierte sich in der Bevölkerung eine starke Gruppe von Menschen, die in kürzester Zeit eine mehrere hundert Unterschriften starke Liste für Rainer Mansel als Ortsvorsteher auf die Beine stellte. Betont wurde in der Erklärung der CDU nun, dass sie vor der Benennung eines Kandidaten die Meinung ihrer Parteimitglieder in der gesamten Gemeinde anhören und berücksichtigen wollte. Dass es dort eindeutige Stimmen gegen einen SPD-Vertreter gab, auch wenn dieser geeignet erschien, wird nicht in Abrede gestellt. Allerdings stellten sie sich mit ihrem Vorschlag pro Rainer Mansel nun eindeutig hinter den von der Bevölkerung gewünschten Kandidaten.

Für Mansel, der nach der Wahl mit dem strahlenden Lächeln eines erleichterten Menschen ebenfalls eine Erklärung verlas, war seine Wahl zum Ortsvorsteher dennoch einige Kommentare wert. So dankte er den „Verhinderern“, die ihn nicht auf diesem Posten sehen wollten, für den Sympathiezuwachs, der ihm dadurch zuteil geworden sei: „Das hätte ich mit keiner Plakat- oder Flyer-Aktion geschafft.“ Mitleid empfand er für die CDU, denen er einen Sympathieverlust attestierte, was sich aber auch negativ auf die Gesamtstimmung in Sachen Demokratie auswirken könnte. „Dass viele aus Verärgerung über parteitaktisches Verhalten gar nicht mehr zur Wahl gehen wollen, das schmerzt“, so der überzeugte Demokrat.

Schlimm finde er, dass die von den Menschen in Stahe, Niederbusch und Hohenbusch initiierte Unterschriftenaktion für einen Kandidaten Rainer Mansel als undemokratisch und nicht legitim bezeichnet wird. „Ich habe stets versichert, dass ich mit dem bisherigen Zustand gut leben kann und einen CDU-Ortsvorsteher unterstützen werde“, so Mansel, „wenn die Bevölkerung da nicht mit einverstanden ist und ihren Unmut artikuliert, ist das ihr gutes Recht“. Der CDU zollte er seinen höchsten Respekt: „Weil Ihr die Größe habt, einen Nicht-CDU-Kandidaten vorzuschlagen, trotz der Drohung von Heinrich Aretz (Ehrenbürgermeister und CDU-Urgestein in Gangelt, Anm. d. Red.), dann sein Parteibuch zurückzugeben“.

Nicht als Geste des Siegers, sondern als echten Freundschaftsdienst unter Demokraten wollte er schließlich auch seine Worte für den nicht anwesenden Karl-Heinz Milthaler verstanden wissen. „Er war der arme Beutel, der die Verschiebungen begründen musste, die von anderen veranlasst wurden“, so Mansel.

Viel mehr war beinahe nicht zu sagen zur nun vollzogenen Ortsvorsteher-Wahl. Bevor die zufriedenen Menschen aus der Drei-Dörfer-Gemeinschaft unter sich draußen vor den Rathaustüren noch einmal über das in ihren Augen mindestens unglückliche Verhalten der CDU sprachen, gab es noch ein Lob von ihrem neuen Ortsvorsteher. „Ich bin mächtig stolz auf euch“, so Mansel, und mit einem Augenzwinkern fügte er an, „bei euch bedanke ich mich nicht, schließlich habt Ihr mir zusätzliche Arbeit verschafft.“

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