Neuer Bücherschrank ausgerechnet vor Buchladen errichtet

Von: Markus Bienwald
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Sie finden den Bücherschrank an sich gut, aber den Stellplatz ausgesprochen schlecht gewählt: Die Buchhändlerin Anneliese Esser, Maria Röhlen, die für den Erhalt der Stadtbücherei kämpft, und Buchhändlerin Stephanie Löschner (v.l.). Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Das erste Kapitel in Sachen Bücherschrank auf dem Übacher Rathausplatz fing so gut an: Der „Klappentext“ an der Seite versprach eine öffentliche Bibliothek im Miniaturformat, an der sich jeder nach Lust und Laune bedienen kann oder auch zum Buchspender wird. Und tatsächlich: Wer die Tür zum neuen Bücherschrank auf dem Übacher Rathausplatz öffnet, kann aus dem Vollen Schöpfen.

In dem zweiteiligen Kasten mit zwölf gläsernen Klappen sammelt sich derzeit vor allem ein ansehnliches Buch-Antiquariat.Sportereignisse aus den 1980er-Jahren, Politik und auch Belletristik von Welt- wie Kommunalformat stehen hier direkt nebeneinander in schmalen Reihen. Reingucken, sich ein Buch herausnehmen, gleich lesen oder auch mitnehmen – so funktioniert das Prinzip, das die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) beim Aufstellen kurz vor der Kommunalwahl vorgesehen hatte.

„Es soll eine kleine Tauschbörse sein, aber auch spontanen Buchgenuss ermöglichen“, sagte Corinna Weinhold von der UWG bei der Übergabe des durch Sponsoren finanzierten Möbelstücks.

Doch ein paar Kalenderseiten weiter wendet sich das Blatt. „Der Bücherschrank ist eine sinnvolle Einrichtung“, findet zwar auch Buchhändlerin Stephanie Löschner. Das Problem ist nur, dass der Schrank schlanke 15 Meter vom Eingang zu ihrem Buchladen steht. „Es gibt Menschen, die denken, der Schrank sei von mir“, sagt die seit 20 Jahren im Buchhandel engagierte Frau. Nicht, dass sie es schlecht findet, wenn jemand so etwas denkt oder auch den Schrank bestimmungsgemäß verwendet. „Aber der Standort ist schlecht gewählt“, sagt sie.

Die UWG sah das bei der offiziellen Installation anders. Sie lobte die soziale Kontrolle, die Überwachungsmöglichkeiten mit Kameras und Nachtwächter vom benachbarten Biergarten. Auch der Effekt, dass sich hier viele Menschen treffen, war Corinna Weinhold wichtig. „Es ist ein zentraler Platz in der Stadt“, sagte sie.

Stephanie Löschner glaubt trotzdem, dass Mehrgenerationenhaus, Schwimmbad oder Naherholungsgebiet sich besser eignen.

Aber auch ein anderer Punkt macht ihr genau wie Kollegin Anneliese Esser, die wenige hundert Meter weiter ebenfalls eine Buchhandlung betreibt, zu schaffen. „Der Buchhandel hat in letzter Zeit ohnehin schon stark gelitten“, weiß Esser. Lokale Geschäfte müssten stark um ihre Existenz kämpfen.

So spielt plötzlich auch das Sterben der Innenstädte eine Rolle. Esser: „Die Menschen ordern die Sachen im Netz und lassen sie sich liefern, auch wenn wir nur ein paar Schritte entfernt sind.“ So trügen Einzelhändler schließlich auch zu einer belebten Innenstadt bei, die sich alle wünschen, auch die Internet-Besteller. Auch der Punkt der UWG, mit dem Schrank werde ein wichtiger Beitrag zur Leseförderung geschaffen, sticht für die Damen nicht bedingungslos.

„Jeder soll unabhängig vom Einkommen Zugang zu Büchern haben“, bestätigt Löschner. Sie glaubt jedoch, dass hierzu der Erhalt der bedrohten Bücherei sichergestellt werden sollte. Denn dort gäbe es noch die Chance, sich nicht nur mit einer begrenzten Anzahl von Büchern einzudecken, sondern auch gezielt etwas zu finden, was interessiert. „Das ist Leseförderung, dazu kommen noch die übers Jahr verteilten Aktionen, beispielsweise zum Tag des Buches“, weiß Löschner.

Ein Punkt, bei dem sich auch Maria Röhlen sehr angesprochen fühlt. Sie steht hinter der immer noch laufenden Unterschriftenaktion für die Stadtbücherei, sie will auch mit einem noch zu gründenden Förderverein gegen die drohende Schließung kämpfen. „Dort haben alle Menschen in Übach-Palenberg Zugang zu Büchern“, sagt sie.

Auch zu aktuellen Titeln, wie die beiden Buchhändlerinnen ergänzen, nicht nur zu eher historisch wertvollem Material, wie es sich vornehmlich im Bücherschrank findet. Auch ein Büchersponsoring für einen solchen Schrank mit natürlich aktuellen Titeln hält sie für keine schlechte Idee. „Man hätte vorab wenigstens mal mit mir sprechen können“, bemängelt Stephanie Löschner.

Sie weist mittlerweile mit einem Gehwegaufsteller vor ihrem Geschäft und in Sichtweite zum Bücherschrank auf das Problem hin. Und sie könne auch schon einen Teilerfolg verbuchen: „Ich habe mit der Stadt gesprochen, die sich um einen alternativen Standort kümmern will.“

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