Neue Registrierung: Flüchtlinge packen und beten

Von: st
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Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge will, dass in der kommenden Woche 1400 Flüchtlinge im Kreis Heinsberg registriert werden. Foto: dpa

Geilenkirchen/Gangelt. Anton Kolaj, Sozialarbeiter bei der Stadt Geilenkirchen, und die beiden Hausmeister Peter Rodenbücher und Thomas Devrine werden in diesen Tagen immer wieder mit den Ängsten hier lebender Flüchtlinge konfrontiert. Aus Furcht vor einer möglichen Abschiebung stoßen so manche hier lebenden Asylbewerber beim Besuch der städtischen Bediensteten in deren Unterkünften sogar laute Gebete aus.

Hintergrund ist die Tatsache, dass rund 1400 dem Kreis Heinsberg zugewiesene, aber noch nicht umfassend registrierte Flüchtlinge in den kommenden Tagen zur Registrierung in die Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Mönchengladbach gebracht werden.

„Wir haben erst am Mittwoch von dieser Aktion erfahren“, erklärt Wilfried Schulz, Leiter des Geilenkirchener Jugend- und Sozialamtes. 280 Flüchtlinge leben derzeit in der Stadt Geilenkirchen, rund ein Drittel von ihnen ist noch nicht registriert.

Am Mittwoch kam dann kurzfristig der Bescheid, dass 87 der in der Stadt untergebrachten Flüchtlinge zum Interview in Mönchengladbach abgeholt werden. „Wir sind schon zufrieden, dass das Ausländeramt den Busverkehr organisiert“, sagt Schulz. Dennoch stehen er, Sozialarbeiter und Hausmeister vor einer großen Herausforderung. Denn die in Geilenkirchen 87 betroffenen Menschen müssen kurzfristig informiert werden.

Sind es am Sonntag lediglich zwei Asylbewerber, die sich in Mönchengladbach einfinden müssen, so sind es dann am Montag 66. Weitere folgen dann fast täglich. Seit Mittwoch sind Kolaj, Rodenbücher und Devrine deshalb in der Stadt unterwegs, um die betroffenen Flüchtlinge zu informieren.

Zwar spricht der Sozialarbeiter Albanisch, Kroatisch, Serbo-Kroatisch, Englisch und Französisch: dennoch machen so manche Sprachbarrieren eine Verständigung recht problematisch. „Deshalb können wir nicht dafür garantieren, dass die Menschen pünktlich am Treffpunkt erscheinen“, erklärt Schulz, der ebenfalls auf die Ängste der Menschen hinweist.

„Sie sollen ihre Sachen packen und zum Bus kommen und dann Vertrauen haben“, beschreibt der Sozialamtsleiter das Dilemma. Allerdings ist die Maßnahme laut Kreis Heinsberg nötig, damit die Flüchtlinge einen Asylantrag stellen können – für die ist die Einhaltung des Termins nach dem aktuellen Asylgesetz verpflichtend.

Auch aus der Gemeinde Gangelt müssen sich in den kommenden Tagen einige Flüchtlinge auf den Weg nach Mönchengladbach machen: Derzeit seien insgesamt 190 in der Gemeinde untergebracht, 124 von ihnen sollen Montag beziehungsweise Dienstag registriert werden, berichtet Patrick Houben vom Sozialamt.

Warum das bei so vielen von ihnen bislang noch nicht geschehen ist, dafür gebe es eine einfach Erklärung: Die Außenstelle des Bundesamts in Mönchengladbach sei durch den großen Zustrom von Flüchtlingen in den vergangen Monaten einfach nicht mit dem Bearbeiten der einzelnen Fälle hinterhergekommen.

Nun versucht man also, in einer für die Kommunen überraschenden Sammelaktion die versäumten Registrierungen aufzuholen.

Und das bedeutet nicht nur einen logistischen Aufwand im Kreis Heinsberg, sondern auch in Mönchengladbach, wo die Flüchtlinge in Landeseinrichtungen ein bis zwei Tage untergebracht und verpflegt werden sollen, bis sie wieder die Heimreise antreten können.

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