Heinsberg - Neue Palliativstation am Heinsberger Krankenhaus eingeweiht

Neue Palliativstation am Heinsberger Krankenhaus eingeweiht

Von: Rainer Herwartz
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Dr. Jürgen Minartz, Bürgerme
Dr. Jürgen Minartz, Bürgermeister Wolfgang Dieder, Stationsleiter Thomas Böcker, Geschäftsführer Heinz-Gerd Schröders und Dr. Georg Troschke in einem der komfortablen Zimmer der Palliativstation. Foto: Herwartz

Heinsberg. Zwei Jahre lang seien „dicke Bretter gebohrt” worden, sagte Bürgermeister Wolfgang Dieder. Eine Baubeschreibung zur neuen Palliativstation, die am Sonntag am Heinsberger Krankenhaus offiziell eingeweiht wurde, war dies allerdings nicht.

Die Bezirksregierung Köln hatte im September letzten Jahres zwar dem kooperativen Antrag des Hermann-Josef-Krankenhauses Erkelenz und des Städtischen Krankenhauses Heinsberg auf Einrichtung von Palliativstationen in Erkelenz und Heinsberg entsprochen, doch der Weg dorthin war steinig. „Vor allem die Kostenträger sahen einen Bedarf an Palliativbetten in unserer Region nicht. Letztlich war unser Konzept dann doch erfolgreich und das Landesgesundheitsministerium befürwortete die Einrichtung.” Das Ergebnis, von dem sich zahlreiche Gäste überzeugen durften, könne sich „mehr als sehen lassen”.

Auf einer Fläche von 550 qm wurde eine optisch wie funktionell ansprechende Pflegestation für schwerstkranke Menschen geschaffen. „Wir verfügen hier ausschließlich über Einzelzimmer, die allesamt einen direkten Zugang zu einem Außenbalkon und natürlich zu einem recht großzügigen Badezimmer haben”, beschrieb Dieder. Alles sei schwellenfrei gestaltet, die Patientenzimmer so groß angelegt, dass auch ein Angehöriger mit darin übernachten könne. „Daneben gibt es zusätzlich ein separates Angehörigenzimmer inklusive Dusche und WC, in welches sich Angehörige bei Bedarf zurückziehen können.” Das Kernstück der Palliativstation sei der zentral gelegene Pflegedienstplatz. Von hier aus ist der gesamte Pflegezimmerbereich einsehbar, so dass Patienten und Angehörigen eine ständige Servicepräsenz geboten werde. „In unmittelbarer Nähe des zentralen Pflegestützpunktes befindet sich die weitere Besonderheit der Palliativstation: die großzügige Wohnküche.”

Auf den schönen Dachgarten seien die Initiatoren besonders stolz. Patienten könnten sogar im Krankenbett darauf gefahren werden. „Schließlich ist noch das zentrale Patientenbad erwähnenswert. Hier können wir in einer frei im Raum platzierbaren Hubwanne vielfältige Bäderanwendungen für die Patienten realisieren”, schwärmte der Bürgermeister - nicht ohne die Anstrengungen der Mitarbeiter des Hauses in Sachen Fortbildung zu vergessen.

„Obwohl in diesem Krankenhaus bereits seit fast 100 Jahren schwerstkranke und auch sterbende Patienten gepflegt und medizinisch betreut werden, schütteln wir uns die besondere palliativmedizinische Versorgung natürlich nicht aus dem Ärmel.” So hätten allein die ärztlichen Leiter der Palliativstation, die Chefärzte Dr. Jürgen Minartz und Dr. Georg Troschke, in den vergangenen Jahren berufsbegleitend die ärztliche Weiterbildung Palliativmedizin absolviert. Thomas Böcker, der neue pflegerische Leiter der Station, durchlief zusammen mit nahezu allen anderen Krankenschwestern und Krankenpflegern seines Teams die Fachweiterbildung Palliativmedizin für Pflegekräfte. Dazu kämen Mitarbeiter aus der Physiotherapie, aus dem Sozialdienst und von der Krankenhausseelsorge, die ebenfalls spezielle Fortbildungen durchlaufen hätten.

Kein Wunder, gehen doch die Anforderungen an das Personal weit über eine normale medizinische Versorgung hinaus, wie Dr. Georg Troschke erläuterte. „Palliativmedizin bedeutet zu versuchen, Leiden zu lindern, nicht mehr zu heilen.” Passend hierzu zitierte er Dietrich Bonhoeffer: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.” Mit dem Leben sei es wie mit einem Theaterstück. Es komme nicht darauf an, wie lang es sei, sondern wie bunt. „Also lasst uns die Farbeimer nehmen und noch ein paar Farbtupfer in das Leben unserer Patienten setzen. Und die umher spritzende Farbe wird auch unser Leben bunter machen!”

„Wer hier arbeitet, muss die richtige Mischung aus Professionalität und Herzblut mitbringen und Teamgeist, denn Palliativmedizin heißt Teamarbeit”, ergänzte sein Kollege Dr. Jürgen Minartz. Die Palliativbewegung mit einer Abkehr von der hoch technisierten Medizin in der letzten Lebensphase hin zu mehr Mitmenschlichkeit und Gesprächskompetenz habe für ihn mit zunehmendem Alter immer mehr an Bedeutung gewonnen. „Und dennoch hätte ich nie gedacht, als ich Herrn Schröders vor etwa vier Jahren erstmals auf dieses Thema ansprach, dass wir heute auf einer neuen Palliativstation in Heinsberg stehen würden.”

Damit die Station auch eine schöne bleibe, will sich der Förderkreis Palliativstation unter dem Vorsitzenden Ludwig Florack engagieren. So sollen unter anderem Kunst- und Musiktherapien stattfinden und die Weiterbildung der Krankenhausmitarbeiter ermöglicht werden. „Wesentlicher Punkt unserer Arbeit ist auch, den Palliativgedanken der Bevölkerung nahe zu bringen, indem wir Infoveranstaltungen anbieten. Aber auch der einen oder anderen Einzelmaßnahme, die unsere Fachleute empfehlen, sollten wir uns annehmen.” Im richtigen Moment des Lebens da zu sein, Geborgenheit zu bieten und Kraft zu geben - dies zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung und bestimmt eine zentrale Aufgabe der neuen Palliativstation.

Voraussetzungen für die stationäre Aufnahme

Für die Behandlung auf dieser Station sollten mehrere Voraussetzungen erfüllt sein: Die Patienten müssen an einer nicht-heilbaren Erkrankung leiden, die in absehbarer Zeit zum Tode führt, wobei das Zeitfenster nicht scharf definiert ist.

Die Patienten, bzw. deren Betreuer, müssen über die Erkrankung und deren Verlauf aufgeklärt sein und sie müssen der Behandlung auf einer Palliativstation zustimmen.

Die Patienten müssen Symptome oder Probleme haben, die zu Hause oder auf Normalstation im Krankenhaus nicht lösbar sind.
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