Neue Orgel: Erstes Konzert in der Friedenskirche

Von: hama
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Die erste Reihe der Besucher lauscht mit geschlossenen Augen dem virtuosen Spiel von Ulrich Peters auf der neuen Orgel in der Friedenskirche in Gangelt. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. „Endlich ist es soweit!“ Pastor Mathias Schoenen begrüßte in der evangelischen Friedenskirche rund 80 Gäste, die dem ersten Konzert auf der neuen Orgel lauschen wollten.

Es war ein denkwürdiger Abend für die Gemeinde, die Präsentation wunderbarer alter Handwerkskunst und eine Demonstration, wie Musik die Menschen in ihren Bann ziehen kann. Der Abend bot aber auch einen außergewöhnlichen Wettstreit dreier Herren.

„Ich bin wirklich sehr nervös“, gestand Pastor Mathias Schoenen der Versammlung, noch bevor der erste Ton erklang. „Bei allem Respekt vor der Geistlichkeit, ich bin auch ziemlich aufgeregt“, konterte Orgelbaumeister Martin Scholz, der im Lauf des Abends die Mechanik und den Werdegang des Instruments erläuterte, kurze Zeit später. „Ja, glauben Sie beide denn, mir geht es besser?“, reihte sich der Dritte im Bunde, der Orgelspieler Ulrich Peters, in das Wehklagen ein.

Johann Gottfried Walther lieferte mit seinem Allegro Concerto F-Dur die Partitur für das erste Stück, das öffentlich auf der neuen Orgel erklang. Walther, ebenso wie die meisten anderen Protagonisten des Abends, komponierte in der Hochzeit des Barock.

Intensive Choralbearbeitungen gab es von Dietrich Buxtehude, „Komm, heilger Geist, Herre Gott“, Johann Sebastian Bach, „Kommst du nun Jesu“, und dem Jüngsten im Reigen, dem 1916 gestorbenen Max Reger, mit „Jesu meine Zuversicht“.

Einblicke in altes Handwerk

Dem verantwortlichen Erbauer der Orgel war anzumerken, dass er anfangs weniger die Musik genießen konnte, sondern die Töne und den Klang analysierte.

Das legte sich mit und mit. Spätestens als ein „typischer Mozart“ mit der konzertanten Kirchensonate in C als letztes Stück erklang, war er glücklich und bar jeder Nervosität. Bei eben diesem Mozart huschte auch erstmals ein freudiges und zufriedenes Lächeln über das Gesicht von Ulrich Peters, der von Ton zu Ton jede Anspannung hinter sich ließ.

Es gab auf der einen Seite eben Martin Scholz, der interessante und spannende Einblicke in sein uraltes Handwerk bot. Er spielte das tiefe C an, das aus einer rund drei Meter hohen Pfeife erklingt. Die kleinste ist ganze sechs Millimeter groß. Dazwischen gibt es 520 andere Pfeifen, die dem Instrument eine große Klangbreite verleiht. „Bisher hat sie gut durchgehalten“, gab sich der Mönchengladbacher trocken nach den ersten vier Stücken.

Die Vielfalt der „Königin der Instrumente“ wurde den Gästen von Ulrich Peters mit einem faszinierenden Tanz seiner Hände und Füße dargeboten. Zusätzlich gab es eine interessante Lehrstunde in Sachen Orgelkunde, was den musiktheoretischen und auch praktischen Teil anging. Die Register nahmen dazu breiten Raum ein. Mit der Erkenntnis, dass es auch ein „kurioses Register mit Blume und Charme“ gib, wurden die Besucher in den geselligen Teil entlassen.

Obwohl der Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Orgel ein Zufall war, freute sich Pastor Schoenen darüber, das die Friedenskirche am Vorabend der Feierlichkeiten zu ihrem 50-jährigen Bestehen ein so wunderbares Geschenk erhalten hatte. Begleitet war diese Freude mit herzlichem Dank an alle Spender, die den Kauf des rund 170.000 Euro teueren Instrumentes ermöglicht hatten.

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