Neue Kultur des Umgangs mit dem Baum

Von: Jan Mönch
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Kleinholz: Plötzlich erinnerten nur noch Stümpfe und Sägespäne an die das Stadtbild prägenden Bäume.
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Sie kritisieren schon lange den Umgang der Stadtverwaltung mit der Straßenbepflanzung und sind nun optimistisch, dass sich endlich etwas tut. Dr. Stephan Evertz (links) und Jürgen Benden, Grüne. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. Zunächst mal sollte man über den Wert der Bäume sprechen, denn der ist beachtlich. Nachdem am Johann-Plum-Platz in Bauchem drei Bergahorne und zwei Buchen gefällt worden waren, und zwar mit den Worten der Grünen in einer „Nacht- und Nebel-Aktion“, hatte die Partei ja einen Gutachter eingeschaltet, und dessen Expertise liegt nun vor.

Jeder der Bäume sei genau 4739 Euro wert gewesen, schreibt der Baumsachverständige mit dem schönen Namen Michael Birke nun, mal fünf macht 23.695. Birke beruft sich dabei auf die sogenannte Methode Koch zur Ermittlung von Gehölzwerten, die seit 40 Jahren durch den Bundesgerichtshof anerkannt wird. So viel also dazu.

Das Stadtbild prägende Bäume

Die Stellungnahme von Birke werden die Grünen für zukünftige vergleichbare Fälle sicher gut aufheben, zumindest vorsichtshalber. Allerdings sind Partei und Fraktion zurzeit guter Dinge, dass es dazu vorläufig gar nicht mehr kommt. Mit diesem positiven Grundgefühl sind Jürgen Benden und Dr. Stephan Evertz aus Gesprächen mit der Stadt gekommen. Unter Bürgermeister Georg Schmitz, so die Hoffnung, könnte endlich ein gewisser Kulturwandel im Umgang mit dem städtischen Grün einsetzen, auf den man bei seinen Vorgängern vergeblich gedrängt habe. Benden: „Bäume werden in Geilenkirchen immer nur als Kostenfaktor und Belastung gesehen. Andere Städte wünschen sich große, das Stadtbild prägende Bäume, und wir rasieren sie einfach so weg.“

So war es ja offenbar auch am Johann-Plum-Platz. Die Stadt hatte die völlig unvermittelte Fällung zunächst damit begründet, dass die Bäume krank gewesen seien. Das war offenbar eher eine Schutzbehauptung. Zwar hat Gutachter Birke „Mängel und Vorschäden“ festgestellt. Aber: „Schwerwiegende Schäden, die eine Entfernung der Bäume erforderlich machen würden, konnten unter Zugrundelegung des vorliegenden Fotomaterials nicht festgestellt werden.“

In den Gesprächen zwischen Grünen und Stadt ging es auch darum, wie es zu der Fällung kam. Offenbar wurde die Entscheidung von einem Mitarbeiter des Bauhofs im Rahmen des laufenden Geschäfts getroffen, ohne dass dies verwaltungsintern nach oben hin abgestimmt wurde. Es sei aber Sache der führenden Verwaltungsmitarbeiter, dafür zu sorgen, dass sie informiert werden, finden Evertz und Benden. Außerdem habe man wohl versäumt, den Mitarbeiter des Bauhofs darüber zu informieren, dass die Bäume stehen bleiben sollen. Das aber war eines der Ergebnisse einer Bürgerversammlung zur Neugestaltung des Johann-Plum-Platzes im August vergangenen Jahres.

Die Stadt gibt zu, dass „die Informationskette nicht in allen Teilen fehlerfrei funktioniert“ habe. „Man hat das eben bisher einfach so laufen lassen“, stellt Benden fest. „Der richtige Informationsfluss hätte schon vor Jahren eingeführt werden müssen.“ Die Stadt hat nun zugesagt, am Johann-Plum-Platz selbst und auch andernorts Ersatzpflanzungen vorzunehmen.

Natürlich kann auch in Zukunft nicht jeder Baum erhalten werden, oft sprechen dagegen schon Sicherheitsgründe. Es soll aber auch nicht mehr an Politik und Öffentlichkeit vorbei entschieden und im Zweifel eben ein bisschen mehr gefällt und geschnitten werden als nötig. So hat die Stadtverwaltung zugesagt, jedes Jahr vor Beginn der Winterpflegeperiode den Bau- und Umweltausschuss über die geplanten Grünpflegemaßnahmen zu unterrichten. So können die Politiker sich ein Bild davon machen, was der Bauhof vorhat.

Die Grünen, die unmittelbar nach den Fällungen noch den Rechtsweg erwogen hatten, sind mit diesen Zusagen vorläufig zufrieden. „Aber wir werden die Stadt beim Wort nehmen“, sagt Jürgen Benden. „In Zukunft muss die Kommunikation funktionieren.“

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