Neue Heimat für den Bürgertreff: Erfolgsstory geht weiter

Von: Thorsten Pracht
Letzte Aktualisierung:
bürgertreff
So ist das beim Bürgertreff Geilenkirchen: Jeder kann reinschauen, niemand wird weggeschickt. Kaffee und Kekse gibt es gegen freiwillige Spende.

Geilenkirchen. Es riecht nach Farbe, an der Wand lehnt noch eine Leiter. Die Toilettentür ist nicht eingehängt – „frisch gestrichen“, warnt ein handgeschriebener Zettel. Auch wenn die neuen Räume des Geilenkirchener Bürgertreffs mit seinen beiden Eingängen an der Gerbergasse 21 und dem Friedlandplatz 4 schon im Betrieb sind, deutet hier noch vieles auf Umbau hin.

Und bis zur offiziellen Neueröffnung am 4. März um 13 Uhr sind ja auch noch ein paar Tage Zeit.

Donnerstag, später Vormittag. Am großen Tisch sitzen Günter, Willi, Rosi und weitere „Stammgäste“. Es gibt Kaffee und Kekse, die Menschen unterhalten sich angeregt. „Hätte ich gewusst, dass sie heute ein Foto machen, hätte ich mir eine frische Unterhose angezogen“, scherzt einer. Es dauert nicht lange, bis der Reporter verstanden hat, welche Funktion dieser Treffpunkt für die Leute hat. Sich austauschen, Sorgen teilen, nicht allein sein. Dabei sei es heute gar nicht so voll. „Kommen Sie mal am Freitag, was dann hier los ist“, schwärmt einer.

135 Quadratmeter

Schon beachtlich, was aus der anfänglich vagen Idee aus dem Jahr 2011 geworden ist. Erst der „Testbetrieb“ des Bürgertreffs in einem ehemaligen Friseursalon, dann der Umzug in die Alte Poststraße, jetzt folgt die nächste Evolutionsstufe. „Der Bürgertreff ist aus Geilenkirchen nicht mehr wegzudenken“, stellt Nicole Abels fest, die gleichberechtigt mit Jürgen Benden den Vorsitz des Vereins Bürgertreff innehat. „Es ist größer, es ist günstiger, der Zuschnitt ist besser“, begründet Benden den Wechsel in die 135 Quadratmeter große ehemalige Boutique. Rund zwei Jahre hätten die Räume leergestanden. Jetzt werden sie, auch dank der tatkräftigen Unterstützung des Vermieters und einiger Handwerksbetriebe aus der Stadt, wieder mit Leben gefüllt.

Und zwar im wörtlichen Sinne. „Hier passiert viel Zwischenmenschliches“, sagt Nicole Abels, hauptberuflich Gemeindesozialarbeiterin bei der Caritas. Fünfmal wöchentlich wird beim offenen Treff geredet, zugehört und Kaffee getrunken. Oft ist es so: Fehlt in einer Kommune ein Angebot wie der Bürgertreff, wird danach gerufen. Ist es dann da, wird es vielerorts nicht angenommen. Solche Sorgen gibt es in Geilenkirchen nicht. „Der Bedarf ist groß“, weiß Abels. Und würde der Bürgertreff nicht auf ziemlich solidem Fundament stehen, dann hätten die beiden Vorsitzenden wohl kaum einen Mietvertrag über zwei Jahre unterschrieben. „Das ging nur dank der festen Zusagen einiger Sponsoren.“

Rund 1000 Euro Kosten – Miete, Strom, Heizung, Versicherungen und Getränke – fallen monatlich an. Preise oder Eintrittsgelder gibt es nicht. „Es kostet nie etwas. Alles gegen Spende“, erläutert Benden das einfache Prinzip. „Wer abends freiwillig zehn Euro für eine Lesung bezahlt, finanziert damit am nächsten Morgen den Kaffee für andere, die sich das eigentlich nicht leisten könnten“, sagt Nicole Abels. Über allem stehe das Konzept: Von Bürgern für Bürger. Warum das gerade in Geilenkirchen so gut funktioniert, lässt sich gar nicht so genau benennen.

Wer gerne einen Vortrag über seine Briefmarkensammlung halten will, kann das ebenso tun wie der Hobbydichter, der seine Werke endlich mal vor Publikum präsentieren möchte. Das sonntägliche Bingo ist längst ein Renner. „Was angenommen wird, führen wir fort“, sagt Benden. Einen Druck, das Angebot zu erweitern, gibt es durch den Umzug nicht. Im Gegenteil: „Vielleicht würde uns das auch überfordern, unsere Ehrenamtler müssen das auch leisten können.“ Apropos Ehrenamtler: Der Verein hat mehr Sponsoren als Mitglieder. „Wir sind ein tolles Team, aber wir würden uns über Zuwachs freuen“, wirbt Benden. Der Beitrag ist mit einem Euro pro Monat überschaubar.

Ein Sprachcafé, ein Hörspielabend im Dunkeln – solche Ideen wollen sie im Bürgertreff demnächst verwirklichen. Auch ein freies W-Lan wird es in Kürze geben. Für Willi und Rosi ist das alles nicht so wichtig. Sie kommen weiter zum Offenen Treff und trinken einen Kaffee. Und jeder gibt, so viel er kann.

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