Neubaugebiet: Fast doppelt so groß wie das Beyelsfeld

Von: Jan Mönch
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Blick aus dem Wäldchen in Richtung Grenzweg: Wenn alles so läuft, wie die Stadt und der Investor S-Bauland es sich vorstellen, wird in diesem Gebiet der erste Bauabschnitt entstehen. Foto: Jan Mönch

Übach-Palenberg-Marienberg. Das Bauland wurde der Stadt zuletzt förmlich aus den Händen gerissen, und wenn man so will, steht Übach-Palenberg vor einem Luxusproblem, wenn es darum geht, das entsprechende Angebot zu schaffen. Das Ganze soll nun mit einem Neubaugebiet gelöst werden, dessen Ausmaße zumindest für die Verhältnisse des beschaulichen Marienberg mit „gigantisch“ recht gut beschrieben sind.

175 Grundstücke sollen in drei Bauabschnitten westlich des Grenzwegs und südlich der Marienstraße entstehen. Das sind fast doppelt so viele wie im Beyelsfeld.

Das Thema wurde nun erstmals im Bauausschuss vorgestellt, die entsprechenden Unterlagen waren erst seit einer Woche verfügbar. Dennoch sollte die Politik nach Willen der Verwaltung den Rahmenplan beschließen. Und Heiner Weißborn, Fraktionsvorsitzender der SPD, glaubte zu wissen, warum: „Der Rahmenplan dient einzig dazu, bei der Bezirksregierung durchzusetzen, dass hier ein allgemeines Siedlungsgebiet ausgewiesen wird.“ Damit gebe der Rat das Heft des Handelns aus der Hand.

Dass die SPD sich über die aus ihrer Sicht mangelhafte Information durch die Verwaltung beklagt, gehört in Übach-Palenberg ebenso zum schlechten Ton wie die Reaktion der CDU, dies als „Unverschämtheit“ abzutun. Im vorliegenden Fall war aber wohl auch der CDU mulmig zumute. So beantragte Josef Fröschen, eine Entscheidung auf das kommende Jahr zu vertagen: „Das Thema ist so groß und so komplex, dass wir das heute nicht entscheiden können.“ Die anderen Fraktionen sahen das genauso. Heiner Weißborn wollte außerdem, dass eine Einwohnerversammlung veranstaltet wird, bevor irgendeine Entscheidung getroffen wird. Auch dem stimmte der Ausschuss geschlossen zu.

Zuvor hatte Uwe Schnuis vom Aachener Büro Raumplan vorgestellt, wie der Investor S-Bauland und sein eigenes Haus das Gebiet gestalten wollen. Es würde in drei Bauabschnitten erschlossen, wobei der erste (68 Grundstücke) zwischen Grenzweg und Wald läge, der zweite (73 Grundstücke) nordwestlich und der dritte (34 Grundstücke) westlich des Waldes. Ein Abstand von 25 Metern zum Grün wäre dabei aus jeder Richtung einzuhalten. „Uns ist wichtig, dass das Gebiet durch Fuß- und Radwege vernetzt ist“, sagte Schnuis – diese würden auch durch das Wäldchen führen.

Zwei Varianten liegen bei Raumplan und S-Bauland in der Schublade, die sich jedoch eher durch Feinheiten als durch Grundlegendes unterscheiden: Beide kommen auf ein Plangebiet von rund 19 Hektar, wovon knapp fünf auf den zu erhaltenden Wald entfallen und der Rest auf Bruttobauland. Für den Standort spräche auch die Nähe zum Palenberger Bahnhof, führte Schnuis aus.

Dass die Politik sich schlecht informiert fühlte, war das eine. Der Inhalt des Vortrags war das andere. Alf-Ingo Pickartz (SPD) etwa wollte wissen, wie das Neubaugebiet in die Regionalplanung und eine weitsichtige Stadtentwicklung passe. Und besonders Wolfgang Bien von der UWG, selbst Architekt und somit vom Fach, nahm die Planung förmlich auseinander, beispielsweise wegen des Schattenwurfs durch den Wald.

Doch Bien erinnerte auch daran, dass den Anwohnern des Waubacher Weges, gelegen im Nordosten des Plangebiets, erst vor fünf Jahren hoch und heilig versprochen worden sei, dass sie zentrumsnahe und doch im Grünen wohnen würden. Als Kronzeuge benannte Bien sich selbst, denn auch er hatte sich seinerzeit für eines der Grundstücke interessiert. „Ich mache das niemals mit und kämpfe darum, dass es nicht so kommt“, lautete das Fazit von Biens emotionalem Vortrag.

Dabei lässt es sich kaum seriös bezweifeln, dass die Stadt Bauland braucht. Das wurde gerade mit dem in der Nachbarschaft ebenfalls ungeliebten Baugebiet Beyelsfeld unter Beweis gestellt. 75 der 93 Grundstücke sind nach Darstellung der Stadtverwaltung bereits verkauft. Und auch die Gründe sind erfreulich: Neben der anhaltenden Niedrigzinsphase liegen sie im wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt.

Gar nicht zur Sprache kam im Bauausschuss eine ganz andere noch unbekannte Größe: die Frage nämlich, ob die derzeitigen Besitzer der Ländereien zum Verkauf bereit sind. Es wurden noch keine Gespräche geführt.

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