Übach-Palenberg - Neubaugebiet Beyelsfeld: Nachbarn erwägen Rechtsweg

Neubaugebiet Beyelsfeld: Nachbarn erwägen Rechtsweg

Von: Jan Mönch
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Hat sich hier der Feldhamster zu schaffen gemacht? Gleich drei Naturschutzverbände, denen dieses und weitere Fotos vorgelegt wurden, schließen das aus: Die Löcher seien zu klein und lägen zu dicht beieinander.
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Das zukünftige Neubaugebiet vergangene Woche: Es wurden bereits vorbereitende Maßnahmen getroffen, noch diesen Monat soll mit dem Tiefbau losgelegt werden. Foto: Jan Mönch

Übach-Palenberg. Vergangene Woche wurden einige Schrebergärten platt gemacht, spätestens kommenden Monat sollen die Tiefbauarbeiten beginnen. Es spricht wenig dafür, dass am Entstehen des Neubaugebiets Beyelsfeld noch zu rütteln ist. Hinter den Kulissen allerdings rumort es weiter, auch rechtliche Schritte werden nicht ausgeschlossen.

Dabei geht es auch um das angebliche Vorkommen geschützter Arten: den Feldhamster und die Feldlerche. Anwohner der Conneallee erheben gerade in diesem Zusammenhang teils durchaus erhebliche Vorwürfe gegen die Stadt.

Das Baugebiet ist politisch fraktionsübergreifend gewollt, auch und gerade von der CDU. Umso mehr vermag zu überraschen, dass in Person von Günter Weinen ein stadtbekannter Christdemokrat bei der Front gegen das Beyelsfeld ganz vorn mitmischt. Weinen war bis Mai vergangenen Jahres Vorsitzender der CDU Übach-Palenberg.

Dieses Amt hat er bekanntlich an Oliver Walther abgegeben, jedoch ist er nach wie vor Beisitzer im Parteivorstand. Dass Weinen sich hier gegen die Parteilinie stellt, hat mit seiner Adresse zu tun: Er selbst lebt in der Conneallee, und „die Solidarität mit den Anwohnern“ gehe für ihn vor, „da lasse ich mich auch nicht von meiner Partei einfangen“. Er beteilige sich hier wohlgemerkt als Privatmann.

Weinen zählt zu den Urhebern einer Stellungnahme, die in der Sache an die Stadt gerichtet worden ist. Der Rat hat bereits entschieden, dieser nicht zu folgen, und ist damit der Empfehlung der Verwaltung gefolgt. Es ging um Bedenken hinsichtlich verkehrstechnischer und städtebaulicher Aspekte, über die unsere Zeitung bereits häufiger berichtet hat, aber auch um den Artenschutz.

Der Feldhamster zählt wie beispielsweise Borkenkäfer und Birkhuhn zu jenen Arten, deren Auftreten aufgrund des Tierschutzes geeignet sind, Bauvorhaben gravierend zu verzögern oder komplett zu Fall zu bringen. Fotos, die unserer Zeitung von Anwohnern zur Verfügung gestellt worden sind, sollen möglicherweise Zugänge zu seinen Bauen zeigen. Zu sehen sind Löcher im Erdboden, fotografiert unweit von der Conneallee. Experten vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Naturschutzbund (Nabu) sowie von der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz, denen wir die Fotos unabhängig voneinander vorgelegt haben, bezweifeln jedoch entweder stark, dass es sich tatsächlich um das Werk von Feldhamstern handelt, oder schließen dies sogar aus.

Ulrich Haese vom BUND sagt zwar, dass man die Löcher aus Laiensicht tatsächlich für Hamster-Eingänge halten könne. Allerdings seien sie dafür eher zu klein. „Hamster sind immerhin bis zu 30 Zentimeter lang und entsprechend dick“, die Eingänge zu ihren Bauen bis zu zwölf Zentimeter breit. Die gezeigten Löcher aber sind deutlich kleiner, davon abgesehen liegen sie sehr nahe beieinander. Auch dies spricht laut Haese dagegen, dass der Feldhamster sie gegraben hat. Denkbar sei höchstens, dass Ratten als „Nachmieter“ aufgetreten seien und die Spuren des Hamsters verwischt hätten, aber das sei Spekulation.

Noch entschiedener klingen die Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz, die ihren Sitz im Raum Darmstadt hat, sowie der Nabu. „Es handelt sich nicht um einen Hamsterbau, sondern um Mäuse, vermutlich Feldmäuse“, ist Michael Straube sicher. Er ist Vorsitzender des Heinsberger Nabu und gilt in dessen Reihen als Spezialist für Kleinsäuger. Ohnehin, so Straube weiter, sei in Übach-Palenberg nicht mit dem Auftreten des Feldhamsters zu rechnen, es habe bereits seit Jahrzehnten keine gesicherten Beobachtungen mehr gegeben. Und auch bei den Übach-Palenberger Grünen, in deren Zuständigkeit der Artenschutz ja gewissermaßen fiele, glaubt man nicht an den Feldhamster.

All das passt so weit auch in die offizielle Lesart. Stadt und Investor, die S-Bauland GmbH (Sparkasse), verweisen auf ein Gutachten, das ebenfalls zu dem Ergebnis kam, dass weder Feldhamster noch Feldlerche im Bereich Beyelsfeld leben. Dennoch werfen die Anwohner der Stadt vor, unredlich gearbeitet zu haben. Denn kurz nachdem die Sichtung der vermeintlichen Feldhamsterbaue gemeldet worden war, seien die betreffenden Areale urplötzlich umgepflügt worden. „Es drängt sich die Vermutung auf, dass hier gründlich Spuren einer Tierart beseitigt werden mussten, die gegebenenfalls das Baugebiet zumindest eine Zeit lang in Frage gestellt hätten“, heißt es in der besagten Stellungnahme.

Den Hamster gibt es vermutlich nicht – aber wurde sozusagen prophylaktisch umgepflügt?

Günter Weinen bestätigt jedenfalls, dass die Überlegung, den rechtlichen Weg zu gehen, nach wie vor aktuell sei. Selbst wenn es den Feldhamster nicht gebe, seien die städtebaulichen und verkehrstechnischen Aspekte Grund genug hierfür. Zu bedenken sei natürlich ein gewisses „prozessuales Risiko“ für den Fall einer Niederlage.

Sollte man tatsächlich die Rechtsprechung bemühen, müssten die Anwohner den Weg eines sogenannten Normenkontrollverfahrens vor dem Münsteraner Oberverwaltungsgerichts gehen. Damit kennt man sich in Übach-Palenberg aus: Der Bebauungsplan für den Einkaufspark wurde auf genau diesem Wege für ungültig erklärt. Jene Erfahrung hat allerdings auch gezeigt: Die Stadt hat man damit zwar geärgert, nicht aber das Projekt verhindert.

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