Neu-Marienberg: Geschwätz von vor acht Jahren?

Von: Jan Mönch
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Der Blick aus der Luft verdeutlicht, dass das Plangebiet eher die Dimensionen eines neuen Ortsteils als einer neuen Siedlung hat. Foto: Derichs / Montage: Heinen
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Was grün ist soll grün bleiben: So lässt sich der Tenor im Bebauungsplan 2009 für den Waubacher Weg zusammenfassen. Foto: Jan Mönch

Übach-Palenberg. Der berühmteste Ausspruch von Konrad Adenauer ist einer, den er nie gesagt haben soll, jedenfalls bestreiten die Verwalter seines geistigen Erbes das. Schön aber ist die rhetorische Frage „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?“ allemal, sie wird immer dann zitiert, wenn es um den (als gering empfundenen) Wert von Zusagen in der Politik geht.

In Marienberg beschleicht einige Einwohner zurzeit der Verdacht, dass der Satz in Wirklichkeit aus Übach-Palenberg stammen könnte, wenn es wirklich nicht der Altkanzler war. Das hat mit der angestrebten Rahmenplanung für das Baugebiet Neu-Marienberg und mit dem Bebauungsplan 109 „Waubacher Weg“ zu tun.

Der Waubacher Weg ist ein kleines Sackgässchen, das zwischen Grenzweg und Marienstraße ins Grüne ragt. Er liegt also da, wo zurzeit noch Übach-Palenberg endet, voraussichtlich mit der Bauausschusssitzung am Mittwoch, 5. April, jedoch Platz für 175 Grundstücke geschaffen werden soll. Am Waubacher Weg, aber auch in anderen Teilen Marienbergs wird jener Bebauungsplan 109 zurzeit eifrig herumgereicht. Er war zwar nicht im Wortsinne „gestern“ Diskussionsgegenstand in den politischen Gremien. Dennoch ist es frappierend, wie schnell viele der damals getroffenen Feststellungen überholt sein sollen. Denn noch 2009 hatte offenbar niemand Zweifel daran, dass die Besiedelung mit dem Waubacher Weg enden soll.

Man muss dazu natürlich sagen, dass sich in Übach-Palenberg seitdem viel verändert hat. Der Lidl-Konzern war damals zwar bereits in die Stadt geholt worden, jedoch dürfte sich die spektakuläre Entwicklung mit allen Begleiterscheinungen für Wirtschaft- und Bevölkerungsentwicklung so kaum absehen lassen haben. Das ist freilich denen gleich, die mittlerweile am Waubacher Weg gebaut haben und behaupten, man habe ihnen damals „in die Hand versprochen“, dass zwischen ihren Häuschen und der Grenze zu den Niederlanden grün bleiben soll, was grün ist.

Im Bebauungsplan 109 steht natürlich nichts von irgendwelchen „Versprechen“, allerdings wird eindeutig unterstrichen, dass damals Einigkeit darüber bestand, dass das Landschaftsschutzgebiet niemals angetastet werden soll. So ist mehrfach die Rede davon, dass das Baugebiet den Ortsteil Marienberg „abrunden“ und „ein fließender Übergang in die Landschaft“ geschaffen werden solle. Würde „Neu-Marienberg“ kommen, wäre der Waubacher Weg allenfalls noch ein „fließender Übergang“ in die nächste Siedlung, und zwar schon mit dem ersten von drei Bauabschnitten. Unter diesem Bauabschnitt würden ironischerweise auch die Ausgleichsflächen liegen, die gemäß dem Bebauungsplan von 2009 entstanden sind. Dabei konnte es damals gar nicht schnell genug gehen. „Die (...) Anlage der Obstflächen und Gehölzwiesen ist unmittelbar nach Rechtskraft des Bebauungsplans umzusetzen, um frühzeitig das Lebensraumangebot“ für die Tierwelt zu erweitern, wird in einem Landschaftspflegerischen Fachbeitrag dringend aufgefordert.

Erstaunlich ist andererseits die Behutsamkeit, mit der das Gebiet „Waubacher Weg“ damals geplant worden ist. So werden ausführlich die Auswirkungen auf die städtebauliche wie die natürliche Umgebung und auch die Tierwelt erörtert. Dabei ist der Waubacher Weg mit seinen damals geplanten 16 Grundstücken im Vergleich zu „Neu-Marienberg“ allenfalls ein Baugebietchen. Die Rigorosität, mit der nun 175 Grundstücke geschaffen werden sollen, steht dazu im krassen Gegensatz. Und auch im Protokoll zur Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt findet sich eine interessante Passage. Demnach erklärte der damalige Beigeordnete Volker Schlüter damals, wie schwierig es gewesen sei, die Bebauung durch die Bezirksregierung genehmigt zu bekommen. Dies sei letztlich „nur unter der klaren Zielsetzung, dass eine städtebauliche Entwicklung an dieser Stelle endet“, geglückt.

Die Bürgerinitiative, die sich gegen das Projekt formiert hat, wird am Montag um 17 Uhr im Rathaus gesammelte Fragen zum Neubaugebiet an Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch übergeben.

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