Netzwerk Cittaslow: Gangelt bewirbt sich um die Schnecke

Von: Dettmar Fischer
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Ein Leerstandsmanagement ist Teil des „Interkommunalen Entwicklungskonzeptes Westzipfelregion“, das der Rat der Gemeinde Gangelt beschloss. Foto: Dettmar Fischer
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Die ehemalige Hauptschule Gangelt, heute Teilstandort der Gesamtschule Gangelt-Selfkant, wird in 2017 saniert und erhält einen Aufzug.

Gangelt. Die Gemeinde Gangelt wird sich um die Schnecke bewerben. Der Gemeinderat stimmte mit klarer Mehrheit (21 Ja-, drei Nein-Stimmen, fünf Enthaltungen) dafür, sich um eine Mitgliedschaft im Netzwerk Cittaslow zu bewerben.

Wie berichtet hatte sich der Haupt- und Finanzausschuss bereits dieses Themas angenommen. Die Stärkung des Ortskerns sei den Grünen wichtig, erklärte Ingrid Heim für die grün-liberale Fraktion. Und wenn dieses Ziel durch den Beitritt zu Cittaslow in den „Fokus der Verwaltung“ gerate, stimme ihre Fraktion für eine Mitgliedschaft. Ingrid Heim äußerte aber Bedenken, ob die Gemeinde Gangelt die Kriterien erfüllt, die an eine Mitgliedschaft bei Cittaslow geknüpft sind.

Ratsmitglied Gerd Schütz (CDU) hatte im Internet schon einmal im Fragenkatalog geblättert. Diesen Katalog hat der Antragsteller bei seiner Bewerbung um eine Mitgliedschaft selber auszufüllen. Schütz war zu der Erkenntnis gelangt, dass die tatsächlich verbindlich zu beantwortenden Fragen für Gangelt gut zu beantworten seien.

Im Cittaslow-Manifest heißt es: „Wir sind auf der Suche nach Städten, in denen Menschen leben, die neugierig auf die wiedergefundene Zeit sind, die reich sind an Plätzen, Theatern, Geschäften, Cafés, Restaurants, Orten voller Geist, ursprünglichen Landschaften, faszinierender Handwerkskunst, wo der Mensch noch das Langsame anerkennt, den wohltuenden Rhythmus der Jahreszeiten, die Echtheit der Produkte und die Spontanität der Bräuche genießt, den Geschmack und die Gesundheit achtet...“

Als Symbol der Langsamkeit hat sich Cittaslow die Schnecke auserkoren, die jedem Mitglied der „Internationalen Vereinigung der lebenswerten Städte“ auch zu Werbezwecken verliehen wird. Ingrid Heim hatte noch darauf hingewiesen, dass sie davon ausgehe, dass der Gemeinde Gangelt durch den Beitritt keine Kosten entstehen würden.

Die Mitgliedsbeiträge, so ihre Hoffnung, sollten ja über den Zweckverband „Der Selfkant“ beglichen werden. Bürgermeister Bernhard Tholen sprach sich ebenfalls für eine Mitgliedschaft bei Cittaslow aus: „Wir wollen damit etwas Emotionales auf den Weg bringen.“

Stärkung des Ortskerns

Auf die Stärkung des Ortskerns zielt auch das Sanierungsgebiet „Ortslage Gangelt“ ab. Im Gemeinderat wurde bei einer Gegenstimme die Erweiterung des Sanierungsgebietes um den Bereich „Hauptschule“ beschlossen. Die Neufassung der entsprechenden Satzung fußt auf einem vor gut 15 Jahren gefassten Satzungsbeschluss. Die nun beschlossene Erweiterung der Fläche ging Ratsmitglied Hans-Günter Heinen aber nicht weit genug.

„Ich hätte lieber eine Schicksalsgemeinschaft“, meinte er in Bezug auf einige Häuser, die nicht im Sanierungsgebiet lägen. Bürgermeister Tholen sah kein Problem, bei Bedarf die Fläche zu erweitern. Für die aktuelle Fläche sei allerdings das Beteiligungsverfahren abgeschlossen. Das Trojanische Pferd, das Heinen auf den Bürger in Bezug auf etwaige Erschließungsbeiträge zukommen sah, entdeckten die übrigen Ratsmitglieder nicht.

Auch die Freien Wähler zeigten sich gespalten und stimmten nur mit 50 Prozent ihrer zwei Stimmen gegen die neue Festlegung des Sanierungsgebietes.

Die ehemalige Gangelter Hauptschule (heute Gesamtschule), die nun in das Sanierungsgebiet aufgenommen ist, wird im Rahmen städtebaulicher Erneuerungsmaßnahmen bereits 2017 saniert werden und erhält zur Sicherstellung der Barrierefreiheit einen Aufzug. Diese Sanierung ist Teil des vom Rat der Gemeinde Gangelt beschlossenen Gesamtkonzeptes „Interkommunales Entwicklungskonzept Westzipfelregion“.

Die erste Phase dieses Landesprogramms zur Städtebauförderung kostet zehn Millionen Euro, die in den Schulkomplex und die Sporthallen investiert werden. Zudem werden Interkommunale Maßnahmen umgesetzt, die den Kommunen Selfkant, Heinsberg, Waldfeucht und Gangelt zugute kommen werden. Unter anderem ist eine Interkommunale Bauberatung vorgesehen, die auch ein Leerstandsmanagement beinhaltet.

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