Naziopfer-Gedenkstätte vor der Fertigstellung

Von: mabie
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Der Hügel an der Dammstraße: Hier soll das neue Denkmal bald stehen. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Als Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus in der ehemaligen Zechengemeinde dürfte dem Denkmal „Der Stumme Zeuge“ nichts mehr im Weg stehen. Bei der offiziellen Spendenübergabe im Schloss Zweibrüggen zeigte sich auch der Künstler Hermann Josef Mispelbaum überzeugt davon, dass die mit dem Untertitel „Die Unschuldsbeteuerung“ versehene Kunst ab Frühjahr auf dem kleinen Hügel an der Dammstraße zu sehen sein wird.

Diese Stelle wurde von der Verwaltung bewusst gewählt. „Die kleine Anhöhe zwischen dem Kreisverkehr und dem Übach liegt nicht versteckt, steht aber auch nicht im Mittelpunkt des Geschehens“, so Jutta Gündling von der Stadtverwaltung. So ergebe sich die Chance, trotz der nötigen „sozialen Kontrolle“ des nicht eingezäunten Denkmals durch umliegende Häuser und Spaziergänger einen Ort der Ruhe und des Nachdenkens gefunden zu haben. „Zudem bietet die Stelle genügend Platz für größere Besuchermengen“, schließt Jutta Gündling.

Für Mispelbaum, der selbst aus Übach-Palenberg stammt und dort wohnt, steht dennoch eine spannende Zeit an. Denn das Werk, das er aus einem seit 2010 bestehenden Oeuvre von rund 100 Skulpturen ausgesucht hat, befindet sich derzeit in der Ausarbeitung durch den niederländischen Gießer Jos Boerekamps. Bronze ist das Material der Wahl, und auch bei dem Handwerker hat Mispelbaum nichts dem Zufall überlassen. „Schließlich muss die Chemie stimmen, damit alles klappt“, sagt er augenzwinkernd. Wie die Skulptur in ihrer Gänze letztlich aussehen wird, steht fest: Es wird eine sitzende, große Figur mit übergroßen Händen, die verschränkt liegen und einem überproportional großen Kopf ohne Gesicht. „Es beschreibt die Sprachlosigkeit dieser Zeit, die Empfindsamkeit der Nachkriegszeit, das Schweigen dieser Generation“, sagt Mispelbaum.

Dass er die Skulptur nicht eigens für den Zweck als Denkmal geschaffen hat, ist für ihn ein Vorteil, „denn ich wollte mich nicht verbiegen, um mit aller Gewalt etwas zu schaffen.“ Ihm war die Schwierigkeit einer solchen Thematik von Anfang an bewusst, er wählte aber bewusst keine Illustration von Leid und Qual. „Sie soll nicht anklagen, vielmehr geht es darum, zu zeigen, dass es eine Zeit des Schweigens gab“, so der Künstler weiter.

Für ihn ist es gleichzeitig ein Stück persönlicher Geschichte, denn er als Kind der so genannten „68er“ empfand das Schweigen der Menschen aus der Kriegsgeneration als verbohrt. „Erst allmählich entwickelte sich eine Gegenbewegung gegen dieses Schweigen“, weiß er. Gleichzeitig hat Mispelbaum, Kulturpreisträger seiner Heimatstadt, kein Problem damit, sperrige und herausfordernde Kunst zu schaffen. „Als Künstler habe ich schließlich nur eine Position und das ist meine“, sagt er.

Ausgestaltung des Sockels

Alle Grautöne dazwischen überlässt er seinem Werk, denn das fertige Stück wird noch in Kontrasten bemalt, zeigt so gleichsam die von Schwarz bis Weiß reichenden Schattierungen der Erinnerung und des Umgangs mit einem oft tabuisierten Thema. „Es soll ein Denkmal des Anstoßes sein, denn das Ziel der Auseinandersetzung damit ist, sich schrittweise dem Thema zu nähern“, schließt der Künstler.

Was noch fehlt, ist letztlich die Ausgestaltung des Sockels, auf dem das Denkmal zu sehen sein wird. So wird in enger Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde Aachen ein noch nicht näher festgelegtes Zitat aus der Bibel dort verewigt. „Diese Kunst hätte während der NS-Zeit als entartete Kunst gegolten“, ist sich Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch sicher und freut sich, dass dieses Denkmal dazu beiträgt, vor allem junge Menschen zur Auseinandersetzung mit den Taten aus dem so genannten „Dritten Reich“ zu bringen. „Es soll die heutige Jugend dazu bringen, dass sie die Finger von den Nazis lassen“, unterstrich Jungnitsch. Denn die Auseinandersetzung sei wichtig, um keine Grundlagen für Identifikationen mit Personen oder Handlungen von Nationalsozialisten zu schaffen.

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