Nahversorgung in Palenberg: Planung auf Butter gebaut

Von: Jan Mönch und Georg Schmitz
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Für kontroversen Gesprächsstoff sorgt er jedenfalls: Der Einkaufspark Magnus. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Wer juristisch alles richtig gemacht hat, kann das nicht immer auch in moralischer Hinsicht für sich in Anspruch nehmen. Eine altbekannte Erkenntnis, die sich eventuell auch aus dem Ärger rund um die Schließung des Rewe-Markts in Palenberg gewinnen lässt.

Die Rewe-Pressestelle ließ am Donnerstag bereits verlauten, dass „keine Absichtserklärung erteilt“ worden sei, die Filiale am Mühlenhof zu halten. Man habe vor dem Bau des Einkaufsparks lediglich bekundet, dass „derzeit“ keine gegenteiligen Absichten verfolgt würden. Die Absichtserklärung, datiert auf den 27. Januar 2011 und unterschrieben von den in leitenden Funktionen tätigen Rewe-Mitarbeitern Werner Bieler und Bernd Thierling, liegt unserer Zeitung nun vor.

Das Szenario ist bekannt: Der Palenberger Rewe-Markt wird in Kürze schließen, übernächste Woche wird dafür ein größerer Rewe-Markt im Einkaufspark Magnus eröffnen. Viele Palenberger sehen den kläglichen Rest an Nahversorgung dahinschwinden. Vor allen Dingen Wilfried Dohmen, dessen Mutter Besitzerin der Palenberger Rewe-Immobilie ist, sowie Manfred Latour von der Werbegemeinschaft Palenberg erhoben ihre Stimme.

Dohmen sprach vom „letzten Sargnagel für Palenberg“, Latour schimpfte: „Demnächst gibt es an jedem dicken Baum im Stadtgebiet eine Nahversorgung, nur im Zentrum Palenbergs nicht.“ Immer wieder stand in den vergangenen zwei Wochen jene ominöse Zusicherung von Rewe im Raum, den Markt halten zu wollen. Das komplette Schreiben, gerichtet an Stephan Raida vom Düsseldorfer Investor ITG, können Sie nun selbst nachlesen und sich eine Meinung darüber bilden.

Wohl entscheidend ist die folgende, sicher bewusst butterweich gehaltene Formulierung: „Wir werden im Falle einer Realisierung des Rewe-Marktes im neuen Einkaufszentrum [...] den bestehenden Markt in Palenberg auch weiterhin betreiben wollen.“ Wollen kann man bekanntlich vieles, fliegen zum Beispiel oder Stroh zu Gold spinnen. Oder, schon naheliegender: Man kann einen Supermarkt erst behalten wollen und dann lieber doch nicht mehr, sobald man sich erst einmal erfolgreich in den Einkaufspark Magnus eingemietet hat. Genau darauf drängen die Verfasser nämlich im Schlussteil des Schreibens. Die Zusicherung ist das Papier nicht wert, auf das sie gedruckt wurde.

Folgenreich war sie dennoch: Bürgermeister Jungnitsch jedenfalls verließ sich darauf und stellt nun zerknirscht fest, dass man Rewe halt nicht zwingen könne, sich an das Geschriebene auch zu halten. Und selbst Vertreter der ITG, die den Einkaufspark umgesetzt hat, beriefen sich bei der Podiumsdiskussion unserer Zeitung im Carolus Magnus Centrum vergangene Woche darauf. Eine auf Butter gebaute Stadtplanung – waren die Verantwortlichen wirklich so blauäugig? Oder wollte der eine oder andere es vielleicht nicht allzu genau wissen?

Von Bürgermeister Jungnitsch jedenfalls ist Wilfried Dohmen zutiefst enttäuscht: „Ich hätte erwartet, dass er Rewe herzitiert und Klartext spricht. Wir sind ins offene Messer gelaufen.“ Der Unternehmer, der als Vermieter neben dem Rewe-Markt auch eine dm-Filiale ans Einkaufszentrum verlieren wird, sieht sich durch die Vorgänge nicht nur wirtschaftlich geschädigt, sondern fürchtet auch um seinen guten Ruf. Der Grund: Mit seinem Bauunternehmen erledigte er selbst zahlreiche Erschließungsarbeiten für das Großprojekt.

Auch für Dohmen mit seinen 240 Mitarbeitern war das kein kleiner Auftrag. Ein halbes Jahr lang gingen seine Leute ihren Gewerken am Wasserturm nach, mitunter mehrere Kolonnen zugleich. „Und nach dem harten vorletzten Winter sind wir über diesen Auftrag auch froh gewesen.“ In der Bevölkerung wird nun allerdings der Vorwurf laut, Dohmen habe sich die rechte Hosentasche vollgemacht und jammere nun, dass das Geld aus der anderen flöten geht.

Dohmen stellt fest, dass sein Unternehmen sich an der öffentlichen Ausschreibung – als günstigster Interessent erfolgreich – beteiligt habe. Allerdings unter der Maßgabe, dass Rewe Palenberg erhalten bleibt. Als Besitzer mehrerer Nachbarimmobilien hätte er Einspruch erheben können. Völlig falsch sei das Gerücht, dass er selbst als Investor oder gar Bauherr in Erscheinung getreten sei. „Wir haben Arbeiten erledigt, die sonst jemand anderes gemacht hätte, sonst nichts.“ Sein Verhältnis zur Stadt darf man nun getrost als angespannt charakterisieren: „Ich werde so schnell in Übach-Palenberg nicht mehr investieren.“

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