Nahversorgung in Dörfern immer noch ein Problem

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
8818916.jpg
Bürgermeister Thomas Fiedler, Wirtschaftsförderin Susanne Köppl und Ortsvorsteher Friedhelm Thelen zählten zu den ersten Kunden von Sergej Zimmer in Immendorf (von links). Foto: Udo Stüßer
8844389.jpg
Leerstände gibt es in vielen Dörfern, wie hier in Teveren. In diesem Ladenlokal war vor Jahren eine gutgehende Bäckerei untergebracht. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Der Anteil der älteren Menschen an der Bevölkerung steigt ständig an. Waren am 1. Januar 2008 in Geilenkirchen 1240 Einwohner zwischen 60 und 65 Jahre alt, so werden es 2020 bereits 2070 und im Jahr 2030 2470 Menschen sein.

Der Anteil der über 65-Jährigen steigt von 4650 im Jahre 2008 auf 5600 im Jahr 2020 und gar auf 7390 im Jahr 2030. Gleichzeitig nimmt der Anteil der jüngeren Bevölkerung ab. So wird beispielsweise der Anteil der 30- bis 40-Jährigen von 3860 im Jahre 2008 auf 2380 in 2030 sinken.

Die Geilenkirchener Bevölkerung, so die Modellrechnung von IT. NRW, wird von 28.270 in 2008 auf 25.330 in 2030 sinken. Angesichts des demografischen Wandels stehen die Kommunen vor dem Problem, den älteren und weniger mobilen Menschen in ihrem Wohnumfeld den Einkauf von Gütern des täglichen Bedarfs zu ermöglichen.

Während in früheren Jahren Dorfläden zur Nahversorgung im ländlichen Raum beigetragen haben, haben diese in vielen Ortschaften geschlossen. Mit den großen Märkten in der Innenstadt konnten sie nicht konkurrieren. Leere Ladenlokale gehören so auch in Geilenkirchen zum Erscheinungsbild der Dörfer. In Immendorf hingegen hat nun Sergej Zimmer unternehmerischen Mut bewiesen und in der seit Jahren leer stehenden ehemaligen Schlecker-Filiale an der Dürener Straße einen kleinen Verbrauchermarkt eröffnet.

Auf einer Verkaufsfläche von 180 Quadratmetern können die Dorfbewohner ihren täglichen Bedarf decken. „Da lacht das Herz. Sie machen uns Mut. Solche Läden brauchen wir auch in den anderen Orten“, erklärte Bürgermeister Thomas Fiedler, als er sich vor Ort über das Angebot informierte.

Er beschäftige sich ständig mit der Frage, wie die Nahversorgung der Menschen gewährleistet werden könne, deren Mobilität eingeschränkt ist. „Auch wir sind mit dem Trend gegangen, große Supermärkte am Rande der Stadt anzusiedeln. Wir haben das Glück, dass wir noch zwei große Märkte in der Innenstadt haben. Aber wie bekommen wir die dringend notwendigen Einzelhandel wieder in die Ortschaften?“, fragte er.

Er bewundere den unternehmerischen Mut von Sergej Zimmer, allerdings sei er nur „eine glückliche Ausnahme“. Man könne nicht nur auf weiteres Engagement warten. „Wir werden versuchen, Fördermittel für die Entwicklung der Dörfer einzuwerben“, sagte Fiedler und betonte, gemeinsam mit den Ortsvorstehern Projekte für die Dörfer zu entwickeln. Beim „Leader-Projekt“ beispielsweise, an dem sich auch die Stadt Geilenkirchen beteiligen wolle, gehe es um die Entwicklung des ländlichen Raumes.

„Da ist auch die Nahversorgung ein Thema“, sagte Fiedler, der auch vor der Frage steht, wie man künftig die Ortskerne wiederbeleben kann. Der in Immendorf eröffnete Verbrauchermarkt müsse aber nicht unbedingt die Lösung für alle Dörfer sein. „Aus der Dorfgemeinschaft heraus muss entwickelt werden, was gebraucht wird. Das kann in einem anderen Ort auch nur ein Kiosk sein. Dann stellt sich aber die Frage, kann man von einem Kiosk leben?“

„Die Zeiten werden schlechter“

Derweil hofft der aus Russland stammende Sergej Zimmer, dass er mit dem Verbrauchermarkt seinen Lebensunterhalt finanzieren kann. 1997 kam er als Spätaussiedler nach Deutschland, seit dem Jahr 2000 lebt er in Immendorf. Nach einer Ausbildung zum Computertechniker machte er sich selbstständig und handelt mit gebrauchtem Computerzubehör.

„Doch die Zeiten werden immer schlechter. Und ich bin nicht nach Deutschland gekommen, um hier Sozialhilfe zu kassieren. Mit dem Geschäft habe ich mir nun ein zweites Standbein geschaffen, denn Rente erhalte ich nur wenig.“ Zimmer kennt natürlich das Risiko. „Aber meine Frau Eugenia hat mich unterstützt“, versichert er. Unterstützung erhielt er auch von Ortsvorsteher Friedhelm Thelen. „Bisher gab es in unserer Pfarre Immendorf, Waurichen, Apweiler kein Geschäft.

Gleiches gilt für Prummern und Floverich“, blickt er über die Ortsgrenze. Jetzt freut sich Thelen, dass durch den neuen Verbrauchermarkt, durch eine Arztpraxis, eine Zahnarztpraxis, eine Bäckerei, durch zwei Geldinstitute und einen Physiotherapeuten die Nahversorgung für die 2200 Einwohner der Dreidörfergemeinschaft gewährleistet ist.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert