Geilenkirchen-Süggerath - Nah dran an den Krisenherden der Welt

Nah dran an den Krisenherden der Welt

Von: Jan Mönch
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„Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum es so gut läuft“: Ortsvorsteher Lars Speuser am Limitenweg. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen-Süggerath. Probleme? Na klar gibt es die. Wobei man im Singular bleiben muss. Ein Problem gab es mal, sagt Lars Speuser. Abends, nach Einbruch der Dunkelheit, da gingen wiederholt Bewohner des Limitenwegs draußen auf der Straße mit ihrem Handy telefonierend auf und ab. Auf Dauer störte das verständlicherweise die Anwohner. Und sonst? Nein, da sei ihm nichts zu Ohren gekommen, versichert der Ortsvorsteher von Süggerath.

Der Limitenweg liegt am südlichen Rand von Süggerath, so weit südlich, dass viele Alteingesessene ihn vom Gefühl her zu Geilenkirchen rechnen. Richtig ist, dass er, bildlich gesprochen, nah an die Krisenherde dieser Welt herangerückt ist. Denn am Limitenweg ist in der früheren Obdachlosenunterkunft Platz für 68 Flüchtlinge, überwiegend sind diese aus dem arabischen, dem afrikanischen und dem südosteuropäischen Raum. Zwar ist das Gebäude nicht bis auf den letzten Platz ausgelastet, aber dennoch leben hier deutlich mehr als die Hälfte der zurzeit 111 in Geilenkirchen untergebrachten Flüchtlinge. Falls die Gesamtzahl im kommenden Jahr tatsächlich auf 160 ansteigt, wovon die Stadt ausgeht, sind es immer noch mehr als ein Drittel. Und wenn einmal wirklich jeder Platz am Limitenweg belegt ist, bedeutet dies, dass knapp neun Prozent der Einwohner von Süggerath Flüchtlinge sind. Und doch: Das einzige Problem ist, dass mal zu laut telefoniert wurde. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum es so gut läuft“, sagt Lars Speuser, und vielleicht ist das Warum an dieser Stelle ja auch gar nicht so wesentlich.

Lars Speuser ist bekanntlich ein sehr junger Ortsvorsteher, geboren ist er 1990. Als in den Jahren 1999 und 2000 Kogenbroich für Schlagzeilen sorgte, weil dort ein Asylbewerberheim mehrfach angegriffen wurde und der damalige Bürgermeister Franz Beemelmanns dies mit den Worten bagatellisierte, er würde auch nicht gern in solch einer Nachbarschaft leben, ging Speuser zur Grundschule. Die Vorfälle von damals hallen bis heute nach, wer irgendwo auf dem Erdball „Kogenbroich“ in die Suchmaschine eingibt, der landet schnell bei den Vorfällen von damals.

Lars Speuser will nicht, dass es mit seinem Ort genauso läuft. Es scheint aber nicht so zu sein, als ob seine Wähler ihm diese Aufgabe besonders schwer machen. Das Gegenteil ist der Fall. Im Wahlkampf hat Speuser sämtliche Haushalte von Süggerath besucht. Nur ein einziger seiner potenziellen Wähler habe damals Bedenken hinsichtlich des Limitenwegs geäußert, erinnert sich der Ortsvorsteher.

Als Teil des Programms „Toleranz fördern, Kompetenz stärken“ hat er nun einige Termine ins Leben gerufen, in deren Rahmen sich die Süggerather und ihre Gäste kennenlernen können. Das Schöne daran ist, dass sämtliche Vereine, die Speuser gefragt hat, „ohne Wenn und Aber“ zugesagt haben. Und wenn man auf dem Dorf Schützen, Fußballer und so weiter im Boot hat, dann hat man bekanntlich fast alle im Boot. Das Programm beginnt diesen Freitag mit einem Fußballturnier und am 27. November mit einer Veranstaltung mit der Freiwilligen Feuerwehr. „Sehr gern wollen wir Ihnen uns und das Leben in unserem Ort vorstellen“, heißt es in einer Einladung, die für die Bewohner des Limitenwegs ausgehängt ist. Um eine komplette Integration könne es dabei nicht gehen, sagt Lars Speuser. Schließlich sind die allermeisten ja nur vorübergehend hier. Aber die Zeit, die die Süggerather und die Flüchtlinge gemeinsam in einem Ort verbringen, soll keiner von beiden Seiten in schlechter Erinnerung bleiben. Darum geht es – nicht um mehr, nicht um weniger.

Und auch eine Gegeneinladung ist schon terminiert: Am Samstag, 15. November, werden die Bewohner sich und die Kulturen ihrer Heimatländer den Süggerathern vorstellen. Hier lag die Organisation bei Birgit Gerhards, die bei der Stadt das Programm „Toleranz fördern, Kompetenz stärken“ koordiniert. „In unserem Partnerschaftsprojekt geht es darum, mit den Bewohnern gemeinsam deren Traditionen und Gebräuche zu präsentieren und einen Einblick in deren Lebenswelt für Süggerather und alle anderen Bürger Geilenkirchens zu gewähren“, sagt die Mitarbeiterin des Jugend- und Sozialamts.

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