Nachbarn, die sich viel zu wenig kennen

Von: mabie
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Ein gutes Beispiel für grenzüberschreitendes Zusammenleben: Das Römerfest in Rumburg, bei dem es schon im Sommer 2008 hoch her ging. Foto: Markus Bienwald
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Honorarkonsulin Christiane Vaeßen trug sich im Beisein von Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch in das Goldene Buch ein.

Übach-Palenberg. „Es wird zu viel geplaudert und zu wenig gemacht“: Da ist sich die niederländische Honorarkonsulin Professor Christiane Vaeßen sicher. Bei ihrem Besuch in Übach-Palenberg trug sie sich aber nicht nur in das dicke goldene Buch der Stadt ein.

Die Frau, die auf deutscher Seite für die Begegnung zwischen Deutschen und Niederländern in der Region Aachen steht, stand auch im Zentrum eines Austausches über die Grenzen hinweg.

Zwar lobte sie – wie auch Landgraafs Bürgermeister Raymond Vlecken – dass Niederländisch zumindest an der Real- und Gesamtschule der Stadt eine große Rolle spielt. „Das größte Problem ist aber, dass die Leute sich nicht kennen“, bemängelte sie. In ihren zwei Jahren als Honorarkonsulin habe sie immer wieder festgestellt, dass die Begegnungen mit unseren westlichen Nachbarn immer mehr an Bedeutung verlören, je höher sie in Sachen Bundespolitik wandern.

„Dabei sind die deutsche und die niederländische Geschichte an vielen Punkten miteinander verknüpft“, unterstrich sie. Viele Gemeinsamkeiten, aber auch viele Ehen über die Grenze hinweg könnten dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade bei jungen Menschen, die in Schule oder Ausbildung stehen, die Grenze immer noch da sei. „Wir müssen die Begegnungen auch wirtschaftlich angehen“, fand auch Raymond Vlecken. Er ist nicht nur Bürgermeister der niederländischen Partnergemeente Landgraaf, sondern auch frisch gebackener CDA-Provinzvorsitzender von ganz Limburg.

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und einer auch auf niederländischer Seite zu verzeichnenden Landflucht gerade der jungen Menschen will er die Menschen dafür begeistern, in der Region zu bleiben. Ein Weg dorthin könnte eine von Vaeßen angestoßene Aktion sein, jeweils zehn deutsche und zehn niederländische Schulen für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu gewinnen.

„Bei 70 interessierten Schulen aus der Region, sollte das kein Problem sein“, wie die Konsulin meinte. „Das gegenseitige Kennenlernen ist wichtig, denn alle leben in unserer Region nebeneinander“, ergänzte Übach-Palenbergs Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch.

Zwar sei kulturell damit begonnen worden, die Grenzlinie zu verwischen, doch müssten auch junge Menschen die Möglichkeiten jenseits der Grenze kennenlernen können. Praktische Wirtschaftsförderung beginne da bei den Schulen, denn beispielsweise ein Studium an der Uni in Maastricht sei für junge Menschen, die grenznah leben, durch die geringere Entfernung viel leichter umsetzbar. „Bis vor Kurzem war es so, dass Köln näher war als Kerkrade“, sagte Schulleiter Dr. Hans Münstermann vom Carolus-Magnus-Gymnasium (CMG) dazu.

Dennoch gebe es auch auf niederländischer Seite ähnliche Strukturen. „So ist beispielsweise der Gaia Zoo als unser Kooperationspartner nicht auf deutsche Schüler eingestellt“, ergänzt SV-Lehrer Holger Heß vom CMG. Er will in einer ersten Aktion gemeinsam mit dem Gaia Zoo und freiwilligen Schülern das vorhandene Unterrichtsmaterial des Zoos ins Deutsche übertragen.

Gleichzeitig formulierte Vaeßen den Wunsch, grenzüberschreitende wirtschaftliche und politische Arbeit zu stärken. Und schließlich formulierte Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch noch seinen Wunsch für das voraussichtlich im Sommer 2015 anstehende Römerfest in Rimburg. Dort ist die Grenze mit nur wenigen Schritten in beide Richtungen schnell überschritten.

Schon beim ersten gemeinsamen deutsch-niederländischen Römerfest 2008 waren dort viele tausend Menschen zu Gast, um die länderübergreifenden Spuren römischer Geschichte nachzuempfinden. „Bei der Neuauflage 2015 könnten aber beispielsweise Schüler aus Übach-Palenberg auch einen Part der Organisation übernehmen“, so Jungnitsch. Dann könnten die vielen Worte vielleicht auch Früchte tragen und die nur noch auf dem Papier existierende Grenze auch durch Taten verwischt werden.

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