Geilenkirchen - Nach jahrelanger Verhandlung: Süggerather Brücke wird 2018 gebaut

Nach jahrelanger Verhandlung: Süggerather Brücke wird 2018 gebaut

Von: Udo Stüßer
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Im nächsten Jahr werden die Bahnübergänge vor und in Süggerath beseitigt. Eine Brücke soll dann die Menschen „Am alten Wasserwerk“ mit dem Rest von Süggerath verbinden. Foto: Udo Stüßer
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In den nächsten 20 Jahren wir laut Jansen in der Stadt eine Unterführung gebaut. Denn auch bei geöffneten Schranken herrscht oft Stau. Foto: Udo Stüßer
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Franz-Michael Jansen ist als Mitglied des Regionalrates bei der Bezirksregierung Köln bestens über die Pläne der Bahn informiert. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Die vor Jahren heftig diskutierte Brücke in Süggerath wird im nächsten Jahr gebaut, die Verlegung der Landstraße 364 aus Richtung Geilenkirchen gesehen von der rechten auf die linke Seite der Bahngleise wird realisiert. Dies erklärt im Gespräch mit unserer Zeitung der Geilenkirchener CDU-Kreistagsabgeordnete Franz-Michael Jansen.

Der Geilenkirchener CDU-Ortsverbandsvorsitzende Jansen ist auch Vorsitzender des Kreisausschusses für Umwelt und Verkehr, der sich mit der Infrastruktur im Kreis Heinsberg beschäftigt, Mitglied des Regionalrates bei der Bezirksregierung in Köln und Sprecher der CDU in der Kommission für Regionalplanung und Strukturfragen des Regionalrates.

Zur Erinnerung: Jahrzehntelang gab es zähe Verhandlungen mit Bund, Land und Bahn über den Neubau der L 364, damit Autofahrer nicht mehr die beiden Bahnübergänge „Gut Tichelen“ und „Am Wasserwerk“ queren müssen. Die Bereiche südlich der Bahnstrecke, also die Anwohner „Am alten Wasserwerk“ und Limitenweg, sollten durch ein Brückenbauwerk mit der neuen L 364 verbunden werden. Lange Wartezeiten an zwei Bahnübergängen sollten der Vergangenheit angehören.

Seit Ende der 90er Jahre wurde diese Planung vorangetrieben, es gab heftige Diskussionen und Proteste, Befürworter und Kritiker. Die Meinung in der Bevölkerung war geteilt. Im November 2011 teilte der damalige Beigeordnete Hans Hausmann in einer Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses mit, dass die L 364 in 2012 verlegt werde. Und dann hörte man nichts mehr. „In den vergangenen Jahren wurden Grundstücke für das Projekt erworben und Baurecht geschaffen. Land und Bahn sollten sich die Kosten teilen. Es hat allerdings lange gedauert, bis die Bahn bereit war, ihren Anteil an der Finanzierung bereitzustellen. Seit dem vergangenen Jahr ist das der Fall“, sagt Jansen.

Bahnstrecke gesperrt

Um die Brücke errichten zu können, müsse allerdings die Bahnstrecke Geilenkirchen – Lindern in der Bauphase gesperrt werden. Da die Bahn auf der Strecke noch weitere Baustellen hatte, hätte diese zusätzliche Maßnahme für Probleme gesorgt. Im nächsten Jahr allerdings scheint die Zeit günstig zu sein: Da auf der Bahnstrecke Aachen – Mönchengladbach der Rhein-Ruhr-Express seinen Betrieb aufnehmen soll, müssen die Bahnhöfe Übach-Palenberg, Geilenkirchen, Lindern, Brachelen, Baal und Erkelenz ausgebaut werden. „Die Umbauten sind notwendig, damit die neuen Doppelstockfahrzeuge die Haltepunkte anfahren können und ein für unsere Fahrgäste ebenerdiger und barrierefreier Einstieg in die Fahrzeuge sichergestellt werden kann“, hatte kürzlich Heiko Sedlaczek, Geschäftsführer beim Nahverkehr Rheinland (NVR), erklärt.

„Während des Umbaus der Bahnhöfe in den Sommerferien 2018 muss die Bahnstrecke gesperrt werden. Und da die Bahnstrecke ohnehin gesperrt ist, kann man auch die Brücke in Süggerath bauen“, sagt Jansen. Die Sperrung müsse sich dann wahrscheinlich nur über einen längeren Zeitraum erstrecken. Den Bau habe ihm Christoph Jansen, Niederlassungsleiter von Straßen.NRW in Mönchengladbach, bestätigt. Sobald die Brücke fertig sei, könnten die beiden Bahnübergänge geschlossen werden. Im Jahre 2019 solle das Projekt fertiggestellt sein.

Mindestens zehn Millionen Euro

Auch alte Pläne, die eine Unterführung der Bahnlinie in der Geilenkirchener Innenstadt vorsehen, hat man nun wieder aus der Schublade gezogen. Lange Zeit hatte man in Geilenkirchen über den Bau einer Brücke oder einer Unterführung diskutiert. Im Jahre 2013 hatte man allerdings einen vorläufigen Schlussstrich gezogen. Rat und Verwaltung wollten das Projekt so lange nicht verfolgen, wie sich die Stadt in der Haushaltssicherung befindet. Nach damaligem Stand wäre das bis 2023 gewesen. An dem nach damaligen Berechnungen mindestens zehn Millionen Euro teuren Projekt hätte sich die Stadt mit mindestens 1,5 Millionen Euro beteiligen müssen.

Zwei oder gar 2,5 Millionen Euro waren aus damaliger Sicht sogar noch realistischer. Deshalb hatte man die Pläne in der Schublade verschwinden lassen. „Prognosen zufolge sollen in den nächsten 20 Jahren 50 Prozent mehr Güterverkehr von den Häfen Rotterdam und Antwerpen ins Inland stattfinden. Derzeit ist schon Chaos auf den Straßen. Man bemüht sich, den Schienenverkehr zu verbessern, um dann die Frequenz auf den Strecken Aachen – Köln und Aachen – Mönchengladbach zu erhöhen“, erklärt Jansen. Aber: „Die Kapazitäten auf beiden Strecken stoßen an ihre Grenzen. Dabei hat der überregionale Güterverkehr Vorrang vor dem Personennahverkehr.“

In der Diskussion sei ein drittes Gleis auf der Bahnstrecke Aachen – Köln gewesen, diese Pläne habe man aus Kostengründen fallengelassen. Dann habe man über Ausweichgleise auf der Strecke nachgedacht, damit Güter- und Personennahverkehr aneinander vorbeikommen. „Aber der Knotenpunkt Köln stößt an die Grenzen seiner Belastbarkeit, deshalb wird man auf die Bahnstrecke Aachen – Mönchengladbach ausweichen müssen“, sagt Jansen. In Herzogenrath und Übach-Palenberg sollen nach derzeitigen Plänen Ausweichgleise gelegt werden, die Anzahl der Züge werde dann steigen. „Und dann steht man in Geilenkirchen nur noch vor den Schranken“, befürchtet Jansen.

Ungeklärte Finanzierung

Alle – die Bahn, der Aachener Verkehrsverbund, der NVR und die Industrie- und Handelskammer Aachen – hätten erkannt: Die Situation in Geilenkirchen ist dann nicht mehr tragbar. „Die Pläne für eine Bahnunterführung liegen wieder auf dem Tisch. Ungeklärt ist allerdings die Frage der Finanzierung. Denn die Stadt, die sich an den Kosten beteiligen müsste, hat kein Geld“, sagt Jansen. Trotzdem steht für ihn fest: „Bahnübergänge sind nicht mehr zeitgemäß. Geilenkirchen steht im Gesamtkonzept Aachen – Mönchengladbach wieder auf der Agenda. Es kann aber noch 15 bis 20 Jahre dauern.“

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