Gangelt - Nach Flucht in der Fremde eine neue Heimat gefunden

Nach Flucht in der Fremde eine neue Heimat gefunden

Von: Markus Bienwald
Letzte Aktualisierung:
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Ein eindrucksvolles Plädoyer, warum Menschen aus ihrer Heimat flüchten, und sich in ihrer neuen Heimat sicher fühlen sollten, kam von Johannes Mossa, Flüchtling aus Syrien,. Foto: Markus Bienwald

Gangelt. Es war beeindruckend offen, ehrlich und ungeschönt, was Johnny Mossa in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Gangelt sagte. „Ich fühle mich wie Zuhause bei Ihnen“, sagte er den Besuchern, die zum Abend mit Mundartgedichten und -geschichten gekommen waren.

An diesem Abend ging es aber nicht nur darum, sich mit Mundart und Musik auf Weihnachten zu freuen. Es ging auch um das Gefühl von Heimat, das man wie Johannes Mossa, wie er eigentlich heißt, auch in der Fremde finden kann. Übersetzt von Gerd Schütz, berichtete der 24-jährige Syrer nicht nur von seiner Flucht aus seiner Heimat.

Er floh über den Libanon in die Türkei, machte sich im Schlauchboot auf dieselbe gefährliche Passage über das Mittelmeer, wie jenes gestorbene Kind, dessen Bild am Strand um die Welt ging, um schließlich über das griechische Samos nach Deutschland, nach Gangelt zu kommen.

„Warum verlasse ich meine Familie, meine Freunde, meinen Job“, fragte der ausgebildete Zahnarzt. Er hatte wie viele andere genug gesehen von den Köpfungen der Isis-Kämpfer, von der Angst, selbst ums Leben zu kommen, nur, weil er nicht für die Werte von Isis einstehen wollte.

„Wir suchen nach einem Leben in Sicherheit für uns und unsere Kinder“, sagte er, allerdings stehe dieses Gefühl der Sicherheit auch in seiner neuen Heimat in Deutschland derzeit zumindest gefühlt auf dem Spiel. Mossa, selbst orthodoxer Christ, erzählte von einem Freund, der dafür betete, dass sie sich in Deutschland weiterhin sicher fühlen können, ohne dass die Willkommenskultur sich ins Gegenteil wendet. „Terrorismus hat überhaupt keine Religion“, so Mossa weiter, der ganz klar betonte, dass nicht der Islam verantwortlich sei für den Terror.

Leben in zwei Ländern

Mossas eindrucksvoller Beitrag war aber nur der Schlusspunkt unter einem Abend des Pfarreirates, der unter dem Titel „St. Nikolaus (m)ein Heimathaus“ eine ganze Reihe von Beispielen für Heimatempfinden brachte. Da war beispielsweise der Kinderchor mit Monika Brinkmann und Norbert Drießen, der nicht nur viel Musik, sondern in Form von Kerzen auch das Licht zu den Menschen brachte. Da waren auch Sinika Kontio und ihr Mann Matti, die auf ihren finnischen „Kantelen“, zitherähnlichen Instrumenten, Lieder von der Heimat und vom Leben in zwei Ländern vortrugen. Gerade Letzteres ist für die Musikerfamilie Kontio, die teils in Gangelt, teils in ihrer finnischen Heimat lebt und arbeitet, geradezu programmatisch. „Denn auch wir sind Bürger zweier Länder“, erklärte Matti Kontio dazu. Eindeutig Bürger Gangelts sind auch Josef Krebs und Wolfgang Heinrichs, die sich den Mundartgedichten und -geschichten verschrieben haben. Und während der inzwischen 88-jährige Josef Krebs sich in einem eindrucksvollen, mehr als zehnminütigen Gedichtvortrag die Liebe zu Gott und zu seiner Gangelter Heimat, vor allem auch zu der Kirche St. Nikolaus zum Thema machte, fand Wolfgang Heinrichs ein paar passende und augenzwinkernde Mundartgeschichten, die viel Freude bereiteten.

So war der Mundartabend am Ende eine schöne und tief empfindsame Veranstaltung, die nicht nur Freude an Heimat und Dialekt weckte, sondern auch Spuren in den Herzen der begeisterten Besucher hinterließ.

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