Geilenkirchen/Übach-Palenberg - Nach Fipronil-Skandal: Regionale Hennen kommen mit dem Legen nicht nach

Nach Fipronil-Skandal: Regionale Hennen kommen mit dem Legen nicht nach

Von: Marie Eckert
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Daniela Neunstöcklin (l.) und Hilde Volles vom Hofladen in Geilenkirchen haben ihren Eierverkauf vervierfacht. Foto: Marie Eckert

Geilenkirchen/Übach-Palenberg. Eines haben der Hofladen in Geilenkirchen und viele Discounter in der Umgebung gemeinsam: Die Eier werden langsam knapp. Die Gründe dafür könnten unterschiedlicher aber nicht sein. Während Supermärkte mit dem Fipronil-Vorfall zu kämpfen haben und vielerorts Eier ganz oder teilweise aus dem Angebot nehmen mussten, hat sich der Verkauf beim Hofladen „Hildes Grünzeug“ seitdem vervierfacht.

„Unsere Hühner legen aber trotzdem nicht mehr Eier“, sagt Verkäuferin Daniela Neunstöcklin mit einem Lächeln. Neben den Stammkunden, die Eier und Co. sowieso schon im Hofladen gekauft haben, kommen nun auch neue Käufer, die explizit Eier suchen. „Da kommt dann auch schon mal die Nachfrage, ob die Eier sauber sind“, sagt Neunstöcklin. Ihre Kunden könne sie dann beruhigen: Den Läusen, die beim aktuellen Skandal unter anderem mit Fipronil bekämpft wurden, geht man im Geilenkirchener Betrieb mit Feuer an den Kragen.

„Das Ungeziefer versteckt sich beispielsweise in Ritzen und geht von dort auf die Hühner – all diese Verstecke bearbeiten wir mit einer Flamme“, erklärt Ladeninhaberin Hilde Volles. Zusätzlich würden die Sitzstangen der Hühner mit Öl eingerieben, so dass Läuse sich auch dort nicht ansiedeln können. Natürlich wird der Stall auch regelmäßig grundgereinigt, und: Die knapp 700 Hühner leben den ganzen Tag draußen auf der Wiese in der Nähe der B221. Die Ställe, die gereinigt werden müssen, sind fahrbar. Drei Stück gibt es davon, Volles nennt sie „Hühner-Mobile“. „Dadurch, dass der Standort regelmäßig gewechselt wird, mindert das zusätzlich den Schädlingsbefall“, sagt Volles.

Mehr Kunden bedeuten auch mehr Gelegenheit, die eigene Qualität zu zeigen, sagt Volles. Ob das nun ein Strohfeuer wegen des Skandals ist, das können die beiden Frauen nicht sagen, aber: „Es ist oft so, dass die Leute wiederkommen, da sie feststellen, dass die Eier besser schmecken“, betont Volles.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, Vertrauen in die Produkte ist eine andere Sache – von diesem profitiert auch der Hofladen in Übach-Palenberg. „Ich weiß, dass hier alles in Ordnung ist“, sagt Kornel Gottschalk, während er seine Packung Eier in Empfang nimmt. Seit Jahren geht er in dem Laden einkaufen, aber auch in diesem Hofladen merkt Inhaberin Petra Peters, dass seit dem Skandal nicht nur Stammkunden bei ihr einkaufen. „Im Moment haben die Leute mehr Vertrauen in die Hofläden“, stellt sie fest.

Seit vielen Jahren schon bezieht sie die Eier von einem Hof aus Gereonsweiler, die Hühner leben dort in Bodenhaltung und bekommen selbst angebautes Futter. Je nach Bedarf wird sie mehrmals in der Woche beliefert. „Ich wusste schon, dass dort alles in Ordnung ist, habe aber trotzdem noch mal explizit wegen Fipronil nachgefragt, da ich wusste, dass die Kundennachfragen kommen werden“, erzählt sie. Und sie kamen tatsächlich. Für alle hatte Peters dieselbe Antwort: „Absolut unbedenklich, lassen Sie es sich schmecken.“ Zur Ungezieferbekämpfung im Stall verwende der Betrieb ebenfalls keine Chemie, sondern verteilt Steinobstmehl.

Der Kreisbauernschaft Heinsberg sind bisher keine Funde von Fipronil im Kreis bekannt. „Die Landwirte, die ich hier kenne, machen einen guten Job, so dass die Regionalprodukte nicht betroffen sein dürften“, sagt der Kreisvorsitzende Bernhard Conzen dazu. Mit Blick auf die Information, dass die belgischen Behörden wohl schon länger Bescheid wussten, sieht er die Verbraucher vorgeführt. Ob jedoch ein nachhaltiges Umdenken im Sinne regionaler Produkte stattfinden wird, kann Conzen nicht sagen, aber er zweifelt es an. „Vermutlich wird sich das alles wieder auf ein Normalmaß einpendeln.“

Immerhin: Im Kreis Heinsberg gebe es eine Reihe von starken Regionalvermarktern, die bei den Discountern der Region unterwegs seien. Standard sei die Bodenhaltung, aber natürlich gebe es auch Freiland- und Biohühner. Ein weiteres Problem: Im Supermarkt ist oft nicht mehr ersichtlich, wo die Eier ursprünglich herkommen. „Kauft man regional auf einem Hof ein, ist das klar erkenntlich, in Märkten ist das anders.“

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