Nach dem Brand: Schwimmvereine in Not

Von: Udo Stüßer
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Ein Bild aus besseren Tagen: Im Geilenkirchener Hallenbad zogen auch die jungen Schwimmer ihre Bahnen. Doch jetzt müssen ATV und DLRG nach Linnich und Übach-Palenberg ausweichen. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Nachdem das Geilenkirchener Hallenbad ein Opfer der Flammen wurde, haben auch die beiden in der Stadt beheimateten Schwimmvereine Probleme. Es wurden nicht nur erhebliche Sachwerte vom Feuer zerstört. Für die Nutzung von Schwimmbädern in Übach-Palenberg und Linnich müssen der ATV und die DLRG tief in die Kasse greifen.

Eine Umlage auf die Vereinsmitglieder hatte einen Mitgliederschwund in beiden Vereinen zur Folge. Aus diesem Grund hat der Stadtsportverband einen einmaligen finanziellen Zuschuss in Höhe von 2000 Euro für jeden Schwimmverein beantragt. „Der Unterhalt der Schwimmhalle wurde jährlich mit einem Betrag von ca. 400.000 Euro bezuschusst, der jetzt aber über mehrere Jahre eingespart wird“, argumentiert der Stadtsportverband.

Für den Verband  begründete Horst Tacken den Antrag in der Sitzung des Ausschusses für Bildung, Soziales, Sport und Kultur. Ein Schaden von 10.000 Euro sei den beiden Vereinen bei dem Brand entstanden, für Eltern und Betreuer seien die Fahrkosten stark gestiegen. Bedenklich sei auch die Mitgliederentwicklung. „Von 356 Mitgliedern in der DLRG sind nur noch 200 übrig“, bedauerte Tacken. Ähnlich sehe es auch beim ATV aus, hier sei der Mitgliederschwund besonders bei den Kindern deutlich. „Von ursprünglich 150 Kindern sind nur noch 70 übrig.“ Schwimmunterricht, so betonte Tacken, sei eine verpflichtende Einheit der Schulen. „Laut Schulgesetz ist jede Kommune verpflichtet, dies zu gewährleisten“, argumentierte Tacken. Sicherlich habe er Verständnis dafür, dass Geilenkirchen keinen Schwimmunterricht mehr anbieten könne, schließlich seien auch die Hallen in den Nachbarstädten belegt.

DLRG und ATV sei es aber gelungen, in Übach-Palenberg und Linnich unterzukommen. Allerdings müsse die DLRG für die Nutzung des Linnicher Bades für zwei Stunden in der Woche 75 Euro zahlen, im Jahr seien es 3000 Euro. Der ATV nutze das Übacher Bad mit einer Seepferdchengruppe. „Zehn Kinder und zwei Betreuer zahlen hier alleine 26 Euro Eintrittsgeld. Die Nutzung der WSV-Halle kostet 30 Euro pro Tag, wir nutzen sie einmal in der Woche. Insgesamt sind das Kosten von 2240 Euro im Jahr.“ Tacken betonte: „Die Verpflichtung, die der Stadt obliegt, übernehmen zwei Vereine.“ Die Gegenfinanzierung sei für die Stadt machbar, schließlich zahle sie keine Energiekosten für ein eigenes Bad und spare derzeit am Busverkehr für die Schüler.

Die Verwaltung hatte darauf hingewiesen, dass Haushaltsmittel für eine derartige freiwillige Leistung nicht zur Verfügung stünden und eine Bewilligung des Antrages nicht vorgeschlagen werden könne. Das sah die SPD anders: „Die DLRG ist mehr als ein Schwimmverein. Sie betreut beispielsweise das Badewannenrennen und übernimmt Sanitätsdienste beim Musiksommer. Mit den Einzelbeträgen kann viel Gutes bewegt werden“, erklärte Christoph Grundmann. Anders sah das Michael Kappes (CDU): „Wir haben acht Millionen Euro bekommen, die geben wir für das neue Schwimmbad aus. Unsere freiwilligen Leistungen sind festgelegt. Wir müssen so tun, als seien wir weiterhin in der Haushaltssicherung. Wir haben einen Topf für freiwillige Leistungen. Wer bekommt dann 4000 Euro weniger?“ Auch Bürgermeister Thomas Fiedler forderte: „Wer Mehrausgaben vorschlägt, muss einen Deckungsausgleich finden.“ Aber diesen beiden Vereinen sei die Existenzgrundlage genommen worden, entgegnete Grundmann.

„Was ist denn mit den Energiekosten, die nicht mehr für das Schwimmbad anfallen? Das Geld ist wahrscheinlich im Haushalt verplant“, vermutete Tacken. „Es ist die Pflicht eines jeden Schülers, schwimmen zu lernen. Es ist gut, wenn das die Vereine für uns übernehmen“, unterstützte auch Ruth Thelen (Grüne) den Antrag. Allerdings, so entgegnete Beigeordneter Herbert Brunen, sei nicht festgelegt, wann jeder Schüler im Laufe der zehnjährigen Schullaufbahn schwimmen lerne. „Im Laufe der Schulzeit kann jedes Kind schwimmen lernen.“ Brunen schlug vor, diesen Punkt zu vertagen. In der Ratssitzung am 10. Dezember wird weiterdiskutiert.

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