Nach belastenden Einsätzen: Angst, Suchtkrankheit oder Depression

Letzte Aktualisierung:
14061324.jpg
Feuerwehrarzt Dr. Heiner Buschmann. Foto: Udo Stüßer

Übach-Palenberg. Der Feuerwehrdienst ist sehr vielseitig und fordert jederzeit kurzfristige Entscheidungen, um Menschenleben zu retten und Schaden von Hab und Gut abzuwenden. Jeder abgearbeitete Einsatz führt zu mehr Kompetenz und Sicherheit. Allerdings darf dies nicht über die Schattenseiten der Tätigkeit in der Feuerwehr hinweg sehen lassen.

Konfrontation mit Sterben, Tod und Leid können jeden Einsatz begleiten und führen zu extremen Belastungen. Hier ist eine besondere psychologische Unterstützung dringend notwendig, denn insbesondere Einsätze, bei denen Kinder oder persönlich bekannte Personen betroffen sind, Großschadenslagen mit mehreren schwer oder tödlich Verletzten sowie besonders tragische oder dramatische Unglücke können zu einer langfristigen psychosozialen Belastung führen.

Fortbildung im Gerätehaus

Feuerwehrarzt Dr. Heiner Buschmann bietet deshalb gemeinsam mit dem Opferschutzbeauftragten der Kreispolizeibehörde Frank Meuffels und Unfallsachbearbeiter Hans Josef Aufsfeld eine Fortbildung für Feuerwehrangehörige an. Sie findet statt am kommenden Donnerstag, 2. März, um 19.30 Uhr im Feuerwehrgerätehaus Übach.

Typische erste Reaktionen auf besonders belastende Einsätze wie Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten oder eine starke Erschöpfung werden als „akute Belastungsreaktion“ (ABR) bezeichnet und klingen innerhalb weniger Stunden oder Tage wieder ab. Dauern diese Anzeichen länger als drei Tage und bis zu vier Wochen bezeichnet man diese mittelfristige Reaktion als eine „akute Belastungsstörung“ (ABS).

In diesem Fall ist besondere Aufmerksamkeit erforderlich, und es sollten zeitnah psychosoziale Ansprechpartner kontaktiert werden. Bleiben die Anzeichen der ABR bzw. ABS länger als einen Monat bestehen und verursachen Beeinträchtigungen im sozialen, beruflichen und privaten Bereich, so spricht man von einer „posttraumatischen Belastungsstörung“ (PTBS), die nach drei Monaten als chronisch anzusehen ist. Die PTBS bedarf umgehend einer professionellen Behandlung durch Psychologen oder speziell geschulte Ärzte. Angststörungen, Suchterkrankungen, Depressionen sind schwerwiegende Folgen, die zu Verlust von Arbeitsplatz und privatem Halt führen können.

Schlimme Einsätze belasten

In Deutschland gibt es 1,3 Millionen Feuerwehrleute in über 25.000 Freiwilligen Feuerwehren und 100 Berufsfeuerwehren. Sie leisten mehr als 3,5 Millionen Einsätze im Jahr. Über 51 Prozent der Feuerwehrleute gaben einen extrem belastenden Einsatz als ihr im Leben schlimmstes Erlebnis an. Über 30 Prozent der Feuerwehrleute gaben an, in den ersten Wochen nach einem extrem belastenden Einsatz an Intrusionen (ständiges Wiedererinnern/Wiedererleben des dramatischen Einsatzes) zu leiden. 26,7 Prozent litten dauerhaft an Intrusionen.

Für die Stadt Übach-Palenberg ist Feuerwehrarzt Dr. Heiner Buschmann im Januar als Fachberater PSU (psychosoziale Unterstützung) ernannt worden und direkter Ansprechpartner seiner Feuerwehrkameraden, um zeitnah die entsprechende psychologische Unterstützung geben zu können.

Bereits Ende letzten Jahres fand stadtübergreifend eine PSU-Fortbildung statt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert