Nach Bandabsage rettet das „Trio Colore“ das Schlosskonzert

Von: jope
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Musik im Schloss Zweibrüggen: das Ensemble „TrioColore“ begeisterte mit seiner eindrucksvollen musikalischen Bandbreite. Foto: agsb

Übach-Palenberg. Es gibt unangehme und angenehme Überraschungen. Und dann gibt es noch unangehme Überraschungen, die sich für die Betroffenen dank des Einsatzes eifriger Menschen zu angenehmen Überraschungen wenden. Letztere schöne Erfahrung widerfuhr den Besuchern der vom Verein „Freunde der Kammermusik in Übach-Palenberg“ veranstalteten Konzertreihe im Schloss Zweibrüggen. Nach dem plötzlichen Tod des Vaters einer Künstlerin sahen sich die Kammermusikfreunde ebenso unvermittelt mit der Konzertabsage des „Trios con Abbandono“ konfrontiert.

Vorsitzender Hanns-Paul Jouck schilderte die Stimmungslage des Vorstands-Quartetts: „Erstmals war schon mehrere Wochen vorher ein Konzert im Schloss restlos ausverkauft. Besucher aus den benachbarten Städten und selbst aus den Niederlanden standen in den Startlöchern und hätten nicht mehr von uns und der Zeitung benachrichtigt werden können“. Anstatt die Gäste am Sonntag vor einem verschlossenen Schloss mit der Absage zu „empfangen“, arbeiteten Jouck und Co. fieberhaft an einer Alternative.

Dank ständig gepflegter Kontakte wurde man schneller als erhofft fündig: das „Trio Colore“ erklärte sich bereit, die Lücke zu schließen. Die Künstler Ulrike Brochtrop (Querflöte und Gesang), Reinhard Kaisers (Gitarre und Arrangements) und Thomas Käseberg (Sopran- und Tenorsaxophon) hatten ein ebenso breitgefächertes Programm im Repertoire wie jenes Ensemble, das kurzfristig absagen musste. Kein Verlust an musikalisches Vielseitigkeit also. Kein Verlust an versprochener hochwertiger Qualität. Hanns-Paul Jouck und Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch, Schirmherr der Schlosskonzerte, strahlten über das ganze Gesicht. Tango, Klezmermusik und Arrangements klassischer Musik wechselten sich in rasantem Wechsel ab, ließen weder Langeweile noch Verharren in gewohnten Klangwelten aufkomen.

Den Beginn machte das Trio, das nach Studium an der Folkwangschule Essen und der Musikhochschule Dortmund in verschiedenen Formationen vor allem im Ruhrgebiet tätig ist, mit dem „Befreier des Tangos“ aus dem Dirty Dancing der Elendsviertel von Buenos Aires hin zum „dernier cry“ des pulsierenden Pariser Großstadtlebens: Astor Piazzolla. „Libertango“ hieß dann auch bezeichnenderweise die angestimmte Komposition, manchem Tango-Unkundigen in der Version der Sängerin Grace Jones vielleicht noch von früher im Ohr.

Dass sich die nicht unbedingt klassische Trio-Besetzung dennoch hervorragend für klassische Arrangements eignet, zeigten die Künstler bei Teilen aus dem Quartett D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart und der Suite h-moll von Johann Sebastian Bach, dessen sensibel hingetupfte „Air“ auch einen schönen Schlusspunkt als Zugabe setzte.

Spanische Einflüsse waren aus „Armando‘s Rima“ von Chick Corea und den drei volkstümlichen Liedern von Manuel de Falla herauszuhören. Hier bewährte sich das Mehrfach-Talent von Ulrike Brochtrop auch als Sängerin mit feinen Nuancen der Trauer und Träume. Fest auf dem Fundament der klassischen Ausbildung und des klassischen Repertoires aufbauend, weitete sich das Programm von „Trio Colore“ im Laufe des über zweistündigen Konzerts immer mehr zur „Weltmusik“.

 

Über den französischen Impressionismus („Pavane“ von Gabriel Fauré) sowie die brasilianische und daher mehr heitere Variante des Tango von Laurindo Almeida wurde eine Brücke gebaut in den Orient: zunächst in die Türkei (mit dem Freiheitslied „Günes Topla Benim Icin“) und dann in die arabische Welt mit dem „Arabian Waltz“ von Rabih Abou-Khalil. Der 1957 geborene Komponist vereint in seinem Werk alle Einflüsse, die an diesem Abend zunächst nacheinander und nun kunstvoll verquickt zu hören waren: Klassik, Jazz und Elemente der Musik aus der Heimat des jeweiligen Komponisten.

Der „Grenzgänger“ Abou-Khalil war schön vernehmbar sowohl in den orientalischen Weisen der Flöte wie in den „spanisch“ anmutenden Klängen der Gitarre. Doch wer die Geschichte Spaniens kennt, weiß, dass dieses Land selbst ein feuriges Konglomerat westlicher und orientalischer Einflüsse ist. Marienkult und Stierkampf, die Glut der Sonne und die Magie der Nächte, Lebensfreude und Melancholie, die christlichen Prozessionen und der Ruf des Muezzin – das alles hat es in Spanien gegeben, nacheinander und zeitweilig auch miteinander.

Ein im besten Sinne multikultureller Abend, denn auch die jüdische Kultur war mit Klezmer-Klängen vertreten, wobei Thomas Käseberg neben dem der Klarinette verwandten Saxophon auch zur Melodika griff. Dem Sog einer Musik, die rythmisch-wirbelnd und lebensbejahend ist und doch eine melancholische Träne „verdrückt“, konnte sich das Publikum nicht entziehen.

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