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Musikschule: Stimmung mit schönen Soli und in der Gruppe

Von: Johannes Gottwald
Letzte Aktualisierung:
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Ein reizendes Duett auf zwei Geigen boten Meissa Bettahar und Svenja Fuchs. Foto: Johannes Gottwald
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Beherrscht den großen Kontrabass schon gut: Lukas Liesenberg spielte den „Grand Tango” von Appermont.

Geilenkirchen. Die vier bekanntesten Streichinstrumente Violine (oder Geige), Viola (oder Bratsche), Violoncello und Kontrabass bilden heute das Rückgrat jedes klassischen Symphonieorchesters. Das bewies sich auch beim jüngsten Konzert der Geilenkirchener Musikschule.

Die erwähnten Instrumente entwickelten sich im Mittelalter aus der arabischen Rebab und der europäischen Fiedel und nehmen seit rund 400 Jahren einen außerordentlich wichtigen Platz in der Instrumentalmusik ein. Auch an den meisten Musikschulen erfreuen sie sich großer Beliebtheit, obwohl ihre sichere Beherrschung wesentlich längere Übung erfordert als etwa das Klavierspiel.

Dies hängt damit zusammen, dass man beispielsweise auf einer Geige nicht nur die Spieltechnik erlernen, sondern auch das Gehör schulen muss. Damit man keine „schrägen“ Klänge erzeugt, müssen die Intervalle, also die Tonabstände, möglichst genau getroffen werden, während ein Klavierton normalerweise beim Anschlagen richtig gestimmt ist.

Dies hindert aber viele Kinder und Erwachsene nicht daran, sich dieser Mühen zu unterziehen – wie sich nun auch bei einem Streicherkonzert der Musikschule Geilenkirchen im Bürgersaal des Hauses Basten herausstellte. Passend zur Jahreszeit hatte man vorwiegend ruhige und besinnliche Programmstücke ausgewählt, aber dennoch fanden sich eine Anzahl heiterer Farbtupfer darunter.

Die Kleine Nachtmusik

Das galt schon für den Auftakt: Nadja Elbert (1. Violine), Hauke Godemann (2. Violine), Theresa Hilgers (Bratsche) und Pia Ostermeier (Cello) interpretierten den ersten Satz der „Kleinen Nachtmusik“ von Mozart, was anbetracht der schon hereingebrochenen frühen Dunkelheit vorzüglich passte. Das genial-leichtfüßig dahinrauschende Allegro wurde von dem jugendlichen Streichquartett mit viel Elan und Spielfreude musiziert, selbst wenn man sicherlich noch keine absolut professionelle Klangreinheit erwarten durfte. Was nicht jeder weiß: Die Kleine Nachtmusik ist nur fragmentarisch überliefert. Der zweite Satz, ein Menuett mit Trio, ist verlorengegangen.

Junge Streicher

Mit zwei Stücken aus der Schlagerwelt folgten die „Jungen Streicher“. Die „Popcorn Party“ gefiel mit samtweichen Pizzicati, die Filmmusik „Lummerland“ mit fein geschwungener Melodik. Eine Anzahl kurzer Spielstücke und Liedweisen schloss sich an: Zunächst intonierte Maja-Fee Giez auf der Geige das bekannte Kinderlied „Summ, summ, summ“, Lisa Mehler auf dem Cello „Chase in the dark“ von K. Blackwell.

Von demselben Komponisten stammten auch „Sad movie“, das Luca Kim (ebenfalls auf dem Cello) vortrug, sowie „The old castle“ , wobei Mona Dohmen auf dem Cello die geheimnisvolle Stimmung eines alten Gemäuers gut einfing.

Ein hübsches Duett für zwei Violinen war „Billy Goat“. Hier wurden Meissa Battahar und Svenja Fuchs von ihrer Lehrerin Kasia Gasz­tecka am Klavier begleitet. Noch anspruchsvoller war die Solopartie aus dem Ballett „Schwanensee“ von Tschaikowsky, die sich Jaqueline Speck ausgesucht hatte. Hier wurde die Orchesterbegleitung über Lautsprecher eingespielt – was allerdings nicht unproblematisch war, da die Zuhörer zeitweise akustisch nicht genau unterscheiden konnten, was von der Solistin und was vom Orchester gespielt wurde. Das galt auch für „Son of the wizard“, in dem Sara Rosic ebenfalls mit einem schönen Geigensolo keinen leichten Stand hatte. Hier wäre eine dezente Begleitung mit Klavierauszug besser gewesen.

Sicher am Kontrabass

Nachdem Luisa Merkelbach mit ihrer Lehrerin das „Moderato“ in A-Dur von Hohmann-Heim silberhell interpretiert hatten, kamen Saskia Baums und Alexander Schütz mit dem Bratschen-Duo „Happy go Lucky“ zum Einsatz und boten eine feine Leistung anbetracht der Tatsache, dass beide erst 14 Monate Unterricht haben. Und auch Lukas Liesenberg zeigte im „Grand Tango“ von Ruben Appermont, dass er den großen Kon­trabass schon bemerkenswert sicher beherrscht.

Ein klangschönes Terzett bildeten Marie Franken, Jule Jaeger und Laura Marconi mit drei Geigen bei einem anonymen Trio, während Tabea Dyong, Maximilian Schütze und Ruth Kaminski auf drei Bratschen zusammen mit Kasia Gaste­cka am Klavier beim „Carolan‘s Air“ die stille Schönheit der Heide- und Graslandschaften Irlands nachzeichneten. Einen gelungenen Auftritt bot auch Alexander Bösl am Kontrabass mit dem ersten Satz aus der Sonatine von Berthold Hummel.

Selbst komponiert

Gleich zweimal war die junge Cellistin Sophie Fahlenbock im Programm vertreten – und das nicht ohne Grund: Nach dem dunkel und ernst gehaltenen „In ­Dreams“ von F. Walshe erklang mit „The rose on my shelf“ eine Komposition aus ihrer eigenen Feder, die durchaus interessante und originelle Züge trug. Das „Plainte pour une poupée“ von César Franck wurde von Ruth Kaminski (Bratsche) und Maren Schäfer (Geige) einfühlsam wiedergegeben und war mit seiner hintergründigen Trauer ein Ebenbild des derzeitigen oft trüben Herbstwetters.

Typisch mit Klarinette

Den Schlusspunkt unter ein farbiges und abwechslungsreiches Konzert setzte dann ein ganzes Ensemble aus Lehrern und Schülern mit den drei Stücken „Nigun“, „Nani‘s Walzer“ und „Harry‘s Freilach“. Bei den Titeln würde man vielleicht spontan zuerst an fernöstliche oder amerikanische Herkunft denken, aber es handelte sich vielmehr um jüdische Klezmer-Musik.

Zu den Streichern kam diesmal noch eine Gitarre (Wil Cremers) und eine Klarinette (Karl-Heinz Jurasch) hinzu, weil eben diese In­strumente bei dieser speziellen Gattung eine besonders wichtige Rolle spielen. Das gravitätisch daherkommende „Nigun“, ein Brautlied, dass auf dem Weg zur Synagoge gespielt wird, zeigte mit seiner charakteristischen Melodik (übermäßige Sekundschritte) ausgesprochen orientalische Züge.

Gäste geleitet

Federnd und beschwingt kam „Nani‘s Walzer daher, der anschließend auf dem Hochzeitsfest erklingt. Und das turbulent vorüberwirbelnde „Harry‘s Freilach“ geleitete die Gäste am Ende der Festlichkeiten nach Hause – und an diesem Abend auch ein sehr zufriedenes Publikum.

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