Gangelt - Musiker von St. Hubertus lieben ihre Heimat

Musiker von St. Hubertus lieben ihre Heimat

Von: Renate Kolodzey
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Vor der Kirche St. Nikolaus erzählt Gästeführerin Monika Tholen den gespannt lauschenden Gästen uralte Geschichten. Foto: Renate Kolodzey

Gangelt. „Wir wollten zum 90-jährigen Bestehen unseres Musikvereins St. Hubertus Gangelt etwas Besonderes machen – daher hatten wir die Idee der musikalischen Stadtführungen“, erklärte Leo Wennmacher.

Monika Tholen, die die Gäste führte, ist in Gangelt aufgewachsen und zeigt seit zwölf Jahren Interessierten ihre Heimat. „Mit Leib und Seele mache ich das!“, betonte sie. Im Kostüm einer Burgfrau aus dem Mittelalter mit langem Umhang und Haube begrüßte sie die jeweils 75 Teilnehmer der drei Führungen jenes Abends bei herrlichem Sommerwetter vor dem Gangelter Rathaus. „Trotz meiner vielen Jahre in diesem Job erleben wir heute eine Premiere – eine Stadtführung mit Musik!“, rief sie in die Menge.

„Am 3. November 1926 – am Hubertustag – wurde der Musikverein St. Hubertus Gangelt geboren“, fuhr Tholen fort, „darauf wollen wir anstoßen!“ Zum traditionellem „Burgwächter-Schnaps“ schmetterte die Band ein fröhliches „Prosit!“ Nach der feurigen Stärkung folgten Gäste und Musikverein ihrer „Burgfrau“ in Richtung Stadttor, doch auf halbem Wege raunte sie den Weggefährten die Sage vom „Werwolf aus der Wolfsgasse“ zu: „Ein Bauer ging stets abends an einer Schänke vorbei. Unterwegs sprang einmal etwas auf seinen Rücken und prügelte ihn grün und blau. Zu Hause schlug ihn jedoch auch sein Weib. So konnte er die unheimliche Geschichte nie erzählen, da ihm niemand geglaubt hätte, dass ein Ungetüm ihn verprügelt hatte.“ In der Wolfsgasse könne man ein Holzrelief bestaunen, verriet die Erzählerin, auf dem alle Personen der Sage abgebildet seien.

Nun ging es weiter zum alten Stadttor, bewacht von Rittern und Torwächtern. „Gott zum Gruße! Wir möchten in die Stadt!“, bat Tholen, bekam jedoch zur Antwort: „Das Tor ist geschlossen für Lumpenpack!“ „Wenn unsere Musik spielt – dürfen wir dann hinein?“, versuchte die Stadtführerin, sie umzustimmen. „Spielt auf!“, befahl einer der Ritter, was die Kapelle schwungvoll machte. „Das Lied war gut – aber die Leute haben nicht mitgemacht. Morgen dürft ihr vielleicht rein!“, zeigte sich der Ritter unnachgiebig. Schließlich gelang es einem Burgfräulein im Kampf mit Schwert und Besen, den Ritter zu überlisten, so dass die Gesellschaft das Tor passieren durfte.

Das schönste Geläut

Erleichtert machte sie sich auf den Weg zur Kirche St. Nikolaus, wo Tholen hervorhob: „Diese Kirche hat das schönste Geläut im Selfkant mit sage und schreibe sieben Glocken!“ In diesem Moment „beierten“ sie, wurden also mit dem Klöppel geläutet. Erneut berichtete Tholen aus der Historie: „1976, zum 50-jährigen Jubiläum, präsentierte der Verein eigene Uniformen, und zur Blüte kam er in den 80er Jahren mit neuem Dirigenten, jungen Musikern und der erstmaligen Teilnahme an Wettbewerben.“

In den 90er Jahren, berichtete sie weiter, gab es einen Musikerschwund, dann wieder Höhen, auch finanziell. Mit dem Dirigenten Will van Melick, der schon elf Jahre dabei sei, und derzeit 45 Musikanten könne der Verein zuversichtlich in die Zukunft blicken. „Wir lieben unsere Heimat!“ klang es dazu aus vielen Kehlen, ausdrucksstark begleitet von den talentierten Musikern.

Gangelter Bier

Die nächste Station war das alte Rathaus auf dem Marktplatz, dessen Glockenspiel die Szenerie wohltönend untermalte. Für die Kinder zauberte die „Burgfrau“ aus ihrer Tasche kleine Möhren, wobei sie die „Murepenn-Sage“ eines Stadttores erzählte: Einst nahm ein angetrunkener Wächter als „Penn“ (Verschluss) nämlich statt eines stabilen Eisenstabes eine „Mure“ (Möhre). Die schlimme Folge war: Gänse fraßen sie auf, und Feinde nahmen die Stadt ein und brandschatzen sie.

Zum Ausklang ging es in eine Brauerei von Anno 1878, in deren Hof der Musikverein noch einmal aufspielte und wo sich die Gäste an „Gängelder Bejer“ (Gangelter Bier) laben konnten – einer einzigartigen Kreation der Brauer Achim Tholen und Heiko Wolter, das nur vor Ort erhältlich ist.

Das Publikum war sichtlich angetan von der Führung, und Sarah und Christoph Zillgens jubelten: „Top! Die Musikbegleitung war eine super Idee. Auch unsere Kinder sind begeistert – sie sprechen nur noch von den Rittern.“

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