Übach-Palenberg - Musikalischer Ausflug in die weite Puszta

Musikalischer Ausflug in die weite Puszta

Von: Johannes Gottwald
Letzte Aktualisierung:
Die Musiker der Jungen Philhar
Die Musiker der Jungen Philharmonie Köln begeisterten beim Neujahrskonzert im PZ des Schulzentrums Übach-Palenberg. Foto: agsb

Übach-Palenberg. Der Jahreswechsel versetzt die Menschen zumeist in Feierlaune, lädt aber auch zum Nachdenken ein: Man wird sich bewusst, dass die Zeit niemals anhält und alles Bestehende unaufhörliche Entwicklung ist. Festliche Freude und Besinnlichkeit prägte auch das Neujahrskonzert der Stadt Übach-Palenberg, bei dem wieder einmal die Junge Philharmonie Köln unter Leitung von Volker Hartung zu Gast war.

Weit über 400 Besucher konnte Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch im nahezu ausverkauften Saal des Pädagogischen Zentrums begrüßen. Das Programm für das neue Jahr 2012 führte diesmal ins 19. Jahrhundert, in die Welt der österreichisch-ungarischen K. und K.-Monarchie, als die Hauptstadt Wien eines der bedeutendsten Kulturzentren Europas war - an kaum einem anderen Ort der Welt lebten damals so viele berühmte Musiker, Maler und Dichter nahe beieinander.

Am Beginn des Konzertes stand denn auch mit der Ouvertüre zum „Zigeunerbaron” eines der populärsten Werke aus der Feder von Johann Strauß, der als „Wiener Walzerkönig” in die Musikgeschichte einging.

Nach einer wuchtigen Einleitung beherrschten gefühlsselige, weit ausgesponnene Melodien das Geschehen und zeichneten die Puszta-Landschaft mit ihren endlosen Grasebenen, Sonnenblumenfeldern und Ziehbrunnen nach. Erst im Schlussteil traten dann temperamentvolle Rhythmen und heftige Akkordschläge in den Vordergrund und bildeten auch den triumphalen Ausklang.

Wie immer begnügte sich Volker Hartung keineswegs mit einem bloßen Herunterspulen seines Repertoires, sondern sorgte mit humorvollen Erläuterungen und spontanen Anekdoten für Erheiterung.

So überreichte er das (wieder einmal nicht funktionierende) Mikrofon an eine Angestellte der Stadtverwaltung mit den Worten : „Wir musizieren inzwischen schon mal weiter!” Und so folgten der rhythmisch erregte Ungarische Tanz Nr. 21 von Johannes Brahms ebenso wie der herb-schwermütige Ungarische Tanz Nr. 17 als ein erstaunliches Dokument dafür, wie vollkommen sich der gebürtige Hamburger und Wahl-Wiener Johannes Brahms in die Volksseele der Magyaren einfühlen konnte.

Ursprünglich waren die „Ungarischen Tänze” für Klavier zu vier Händen geschrieben - nur drei Nummern hat Brahms später selbst instrumentiert, alle übrigen wurden von fremder Hand für Orchester bearbeitet.

Zigeunerleben stand auch im Mittelpunkt der Konzert-Rhapsodie „Tsigane” für Violine und Orchester von Maurice Ravel. Sie wurde mit einem ausgedehnten Geigen-Solo eröffnet, bei dem der Solist Werner von Schnitzler sein virtuoses Können geradezu wie auf einem Präsentierteller ausbreiten konnte. Erst nach geraumer Zeit setzte sich das Orchester mit wogenden Streichern und aparten Harfenklängen in Szene.

Mit feinsten Pinselstrichen entstand aus unzähligen kleinen Partikeln ein faszinierendes impressionistisches Klanggemälde, bei dem man unwillkürlich an die Landschaftsbilder von Monet und Renior mit ihrem überbordenden Farbenspiel denken musste. Wesentlich derber und zupackender kam dagegen die Ungarische Rhapsodie Nr. 2 von Franz Liszt daher.

Auch dieses Werk präsentierte sich fantasievoll, zeigte aber auch die für Liszt typische Neigung zu vordergründiger Virtuosität und äußerlichem Pomp, was aber gleichwohl stürmischen Beifall der Zuhörer fand. Und sie wurden wie schon im letzten Jahr mit dem „Perpetuum mobile” von Johann Strauß in die Pause entlassen - und natürlich machte sich Volker Hartung wieder einmal „klammheimlich aus dem Staub”!

Der „Walzerkönig” war auch im zweiten Teil des Abends mit mehreren Kompositionen präsent: Der „Donauwalzer” gehört zu seinen größten „Evergreens”. Ebenso durfte Lokalkolorit an diesem Abend nicht fehlen - die drei Ostermann-Lieder „Heimweh nach Köln”, „Däm Schmitz sing Frau eß durchgebrannt” und „Kölsche Mädcher könne bütze”, von Peter Schmitz-Hellwing mit glänzenden Soli vorgetragen, trafen genau das Empfinden des Publikums. Pralle Lebensfreude und Heiterkeit prägten auch den Ungarischen Tanz Nr.1 von Brahms, die „Tritsch-Tratsch-Polka” und den abschließenden Kaiserwalzer von Johann Strauß, die ebenfalls in meisterlich-souveräner Art vorgetragen wurden.

Tosender Applaus und mehrere Zugaben bildeten den Schlussstrich unter einen brillanten Konzertabend.
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