Mundart-Abend der Katholischen Öffentlichen Bücherei Würm

Von: Georg Schmitz
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Büchereileiterin Hildegard Corall (r.) und Agnes Schever waren von den Vorträgen von Martha Hausmann und Else Braun (v.l.) begeistert. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen-Würm. Für die 60 Frauen und Männer im Gereonhaus war es eine fröhliche und auch unvergessliche Veranstaltung, zu der die Katholische Öffentliche Bücherei Würm aus Anlass ihres 120-jährigen Bestehens eingeladen hatte.

Bei dem ersten Mundart-Abend mit echt Würmer Platt kam die Heiterkeit nicht zu kurz, und es dürften eigentlich nur die wenigen jungen Zuhörer gewesen sein, die den vortragenden Frauen nicht immer folgen konnten.

Deborah Platzbecker war mit 19 Jahren die Jüngste im Saal. Sie hat zwar kein Platt im St.-Ursula-Gymnasium gelernt, aber während ihrer Jugendzeit in Leiffarth einiges mitgekriegt. „Ich kann es verstehen“, sagt die Studentin, während die Würmer Frauen die Gäste im Gereonhaus mit Tee und Weckmännern bewirten. Die Leiterin der Katholischen Bücherei, Hildegard Corall, erzählte von den Anfängen der Bibliothek, die nachweislich im Jahre 1894 offiziell registriert wurde. „Bücher lesen schafft Gelegenheit zur Kommunikation“, war Corall sicher.

Ihre Kollegin Anne Feilen ist ein echtes Aachener Mädel, das allerdings in Hochdeutsch das Wort ergriff. „Eine Aachenerin, die einen Mundartabend in Würm eröffnet, das sei schon außergewöhnlich. Feilen war einfach nicht sicher, ob das „Öcher Platt“ hier verstanden würde. „Unsere Eltern haben immer dann zu Hause Platt gesprochen, wenn wir Kinder es nicht verstehen sollten“, erinnerte sich Anne Feilen.

Plattdeutsche Vorträge

Die Kinder wiederum hätten sich stark bemüht, das Öcher Platt zu verstehen. Hildegard Corall stellte die Plattakteure vor, als da waren Magda Hausmann aus Karken, Anneliese von den Driesch aus Dremmen und Else Braun aus Würm. Das Trio erfreute die Zuhörer mit mehreren plattdeutschen Vorträgen und dabei hielten sich die Besucher oft den Bauch vor Lachen. Dabei wurden Ausdrücke benutzt, an die sich besonders die Seniorinnen und Senioren gerne erinnerten.

Da gab es im Gedicht von Martha Hausmann einen „Universallappen“, in Karkener Platt „Schottelsplack“ genannt, der einfach für alles gebraucht wurde. Der musste natürlich oft „uutjewäsche“ (ausgewaschen) und „uutjewronge“ (ausgewrungen) werden. Die Gäste wurden mit dem „Tüdderhoot“ konfrontiert, ein in die Erde gerammter Holzpflock, an dem zum Beispiel eine Leine mit Schaf befestigt wurde, so dass das Tier in einem Radius von etwa zwei Metern grasen konnte.

Auch Ortsvorsteher Leonhard Kuhn amüsierte sich köstlich und bekam von seiner Gattin Anneliese schon mal ein paar Ausdrücke erklärt. „Dat well ich öch nu vertelle“, (das will ich euch nun erzählen) begann Anneliese von den Driesch aus Dremmen ihr Gedicht in Drömer Platt. Dabei ging es um die Gebrauchsanweisung für einen „Wärmebüll“ (Wärmeflasche), und hier wies die Vortragende die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten auf. Else Braun ließ ebenfalls nichts anbrennen und wärmte den Dialekt auf, den in Würm und Umgebung alle verstehen. Der unbedarfte Neubürger würde sich fragen, was denn „Siepnaat“ oder ein „Ärpelsmetz“ ist. Die Antwort: „Rübenkraut und Kartoffelmesser.“

Regionale Unterschiede

Klaragret Stenner-Merzbach trug noch eine Lobes-Litanei für Ehrenamtler vor. Lieber Gott, „Lott se um Himmels Wille net uut-sterve“ (lass sie um Himmels Willen nicht aussterben). Beim Mundartabend wurde deutlich, dass es bei den Dialekten regionale Unterschiede gibt.

Willi Stellmacher erklärte, dass es sogar kleine Differenzen zwischen dem Würmer und dem Beecker Platt gebe. Der Beecker sage „don mich e Bier“, der Würmer aber „jeff mich a Bier“. Die Beecker und Würmer Dialekte orientierten sich am Jellekerker (Geilenkirchener) Platt. Eine Mundartgrenze verlaufe sogar ganz in der Nähe bei Gereonsweiler. Jenseits dieser Grenze würde mehr Kölner Dialekt gesprochen.

Den Besuchern wird der Mundart-Abend jedenfalls noch einige Zeit in Erinnerung bleiben und viele würden sich auf eine Fortsetzung freuen.

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