Geilenkirchen - Moritz Netenjakob: Perfekte Mischung aus Intellekt und Humor

Moritz Netenjakob: Perfekte Mischung aus Intellekt und Humor

Von: Georg Schmitz
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Autor, Gagschreiber, Comedian: Moritz Netenjakob bot bei seinem Auftritt in Geilenkirchen 90 temporeiche Minuten. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Langeweile kam beim Gastspiel von Moritz Netenjakob in der Aula der Geilenkirchener Realschule sicherlich keine auf. Der Entertainer stieß mit Intellekt und Humor auf ein begeistertes Publikum, dass sich konzentriert lauschend in die Geborgenheit der Stuhlreihen zurückziehen konnte.

Das zuhörende Volk wurde überrascht von einer Gagdichte, die ihresgleichen sucht. Es war erstaunlich, mit welcher Geschwindigkeit Netenjakob sein humoristisches Stakkato abfuhr – ohne jeglichen Versprecher. Derzeit tourt das Multitalent mit seinem aktuellen Comedy-Programm „Multiple Sarkasmen“ durch die Lande.

Eigentlich begann Moritz Netenjakob seine berufliche Tätigkeit als Autor und Gagschreiber im Jahre 1992. So verfasste er Bühnenprogramme für Hella von Sinnen, Bernhard Hoecker, Bastian Pastewka oder Cordula Stratmann. Die Öffentlichkeit wurde aber erst Jahre später auf den 1970 in Köln geborenen und heute noch dort lebenden Entertainer aufmerksam. Netenjakob hat sich durch TV-Auftritte zwischenzeitlich einen Namen als Komödiant gemacht. So ist er häufig in Sendungen wie „Quatsch Comedy Club“ und „NightWash“ zu sehen.

Sein Romanerstling „Macho Man“ schaffte es 2009 auf Anhieb auf die Spiegel-Bestsellerliste und entwickelte sich zu einem großen Erfolg. An dem Roman wird Netenjakob heute noch gemessen und in Kürze steht auch eine Verfilmung von „Macho Man“ an. 2012 erschien der zweite Roman von Netenjakob mit dem Titel „Der Boss“. 2006 erhielt der Autor und Comedian für seine Mitarbeit an Stromberg-Drehbüchern den Adolf-Grimme-Preis. Seitdem Moritz Netenjakob dem Publikum seine „geistigen Ergüsse“ selber vermittelt, steigt sein Bekanntheitsgrad unaufhörlich.

In Geilenkirchen war er zusammen mit seiner türkischstämmigen Ehefrau Hülya angereist. „In der Türkei werde ich immer für einen Türken gehalten“, schmunzelt er im Gespräch mit unserer Zeitung, und erklärt, dass dies an seinem Äußeren mit den pechschwarzen Haaren liege. Seine Frau komme dagegen eher als Deutsche rüber. Der von der Anton-Heinen-Volksschule des Kreises Heinsberg engagierte Künstler hätte etwas mehr Resonanz verdient gehabt, es waren nur rund 120 Besucher, die sich in der Aula eingefunden hatten. Die bekamen aber eine 90-minütige, temporeiche Mischung aus Stand-up, Sketchen, Lesung und Gesang zu sehen und zu hören, die sie so schnell nicht vergessen werden.

Netenjakob hielt den Deutschen gnadenlos den Spiegel vor Augen. „Wir leben in einem Land, wo Herbert Grönemeyer der emotionalste Sänger ist“, stieß er in die Kerbe. Ohne Alkohol seien die Deutschen verkrampft. „Ich bewundere den Patriotismus der Amis, die sind so stolz, dass sie im Stehen pinkeln“, so Netenjakob weiter. Die Deutschen seien intellektuell, die einen gingen als Cowboy und Indianer – „und ich gehe als Bertolt Brecht“. Das gehe soweit, dass Papa beim Cluburlaub in Lanzarote festgestellt habe: „Die Reiseleitung ist nicht demokratisch gewählt“. Als Stimmenimitator bekannter Persönlichkeiten kam der Vollprofi richtig gut an. Ob Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer, Peter Maffay, Jan Delay, Rainer Calmund oder Didi Hallervorden – Moritz Netenjakob beherrscht sie alle. Gesanglich brachte er die Geschichte von der Kuh, der das Gras nach Kapitalismus schmeckte, die dann am Ende in der Kühltruhe landete, im Wolf- Biermann-Stil als Gutenacht-Lied für Kinder rüber.

Sprüche wie „Für Angela Merkel beginnt ein neuer Tag – für Udo Lindenberg endet ein alter Tag“, oder „Man muss Wege aus der Krise aufzeigen – für Henry Maske, Daniela Katzenberger und Bernd das Brot“ und „Es gibt tatsächlich Leute, so wie meine Tante, die meint, dass sich das Internet nicht durchsetzt“ sorgten für Lacherfolge. Schon war der Komödiant bei Aliens angekommen, die mit einem UFO die Städte angriffen und pulverisierten: „In Stuttgart ist der Bahnhof jetzt endlich unter der Erde“. Vieles hatte Moritz Netenjakob in Geilenkirchen noch drauf und am Ende waren die Besucher sicher, dass sich die Investition in die Eintrittskarte mehr als gelohnt hatte.

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