Morgens im Bus: Einsam zwischen Frelenberg und Boscheln

Von: Verena Müller
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Gähnende Leere: Auch wenn er früh aufstehen muss, weiß Busfahrer Faruk Turnuk auch die Vorteile der Frühschicht auf der Strecke der ÜP1 zwischen Frelenberg und Boscheln zu schätzen. Es ist schön ruhig. Foto: Verena Müller

Übach-Palenberg. Es ist stockfinster, kein Mensch weit und breit, schon gar nicht an der Bushaltestelle an der Ägidiusstraße. Der ÜP1 von Frelenberg nach Boscheln biegt um die Ecke, von den Straßenlaternen mal abgesehen das einzige helle Licht um diese Zeit.

Es ist 5.26 Uhr. Die Tür öffnet sich mit einem Schnaufen, es riecht nach Energydrinks. Faruk Turnuk hat heute den Frühdienst auf dieser Strecke.

„So, jetzt werde ich langsam wach“, meint Faruk Turnuk. Seit 1996 ist er Busfahrer, seit 17 Jahren fährt für die West – Energie und Verkehr. Er hätte Glück gehabt, sagt er, dass er – relativ spät – doch noch eine Berufsausbildung absolvieren konnte und somit einen ganz guten Job bekommen hätte.

Über Urweg, Gürzelstraße und Paul-Keller-Straße geht es Richtung Zweibrüggen. Die Schranke ist unten, ein Regionalzug rauscht vorbei. Rechts ab nach Windhausen – immer noch keine Fahrgäste. „Das ist normal“, sagt der 46-jährige, manchmal habe er auf der gesamten ersten Tour keinen einzigen. Also muss er auch nirgends halten, stattdessen fährt er konstant mit 30, 40 Stundenkilometern seine Strecke ab.

An der Kreissparkasse erneut ein kurzer Stopp, die Ampel ist rot. Am Netto stehen zwei Männer an der Haltestelle, sie warten aber auf eine andere Linie. Also bleibt es vorerst bei der „Leerfahrt“. Etwas langweilig, aber eigentlich auch mal ganz angenehm, findet Turnuk, schließlich schone das seine Nerven. „Busfahren, das sieht von außen so einfach aus.

Dabei muss man immer wachsam sein, darf sich nicht ablenken lassen“, sagt er. Auch nicht, wenn Jüngere versuchen würden zu provozieren. „Die werden immer unverschämter“, erzählt der Geilenkirchener. Aber auch bei älteren Fahrgästen müsse man manchmal die Ruhe bewahren. Das gelänge ihm aber ganz gut. „Man muss wirklich die Nerven behalten. Wirklich“, betont er noch mal. Aber so sei er auch noch nie körperlich angegriffen worden, anders als manche Kollegen.

Bei Oerlikon laufen zwei drei Angestellte über den Zebrastreifen, so langsam erwacht die Stadt. Die Linie 430 überholt Turnuk schon zum zweiten Mal an einer Bushaltestelle, später kommt noch ein weiteres Mal dazu. Dreimal fährt Turnuk die Strecke heute hin und zurück. Bis 13.32 Uhr dauert sein Dienst. Zwischen 8.30 und 9 Uhr hat er Pause, danach fährt er ununterbrochen. Die Flüssigkeitsaufnahme will also gut eingeteilt sein. Nächste Woche ist er für eine andere Linie im Kreis Heinsberg zuständig, so wird es nicht zu monoton.

Im Rathaus Übach-Palenberg ist es noch dunkel, aber Ladenlokale sind beleuchtet. Der Himmel wechselt von Nachtblau auf Grau-Blau, es wird heute wohl ein sonniger Tag werden.

An der Haltestelle Finkenstraße, schon wieder auf dem Rückweg, endlich der erste Fahrgast: Thomas Niederkofler ist auf dem Weg zum Bahnhof Palenberg. Dort steigt er in den RE 4 nach Aachen. Auch Jennifer Errens, eine Haltestelle weiter, fährt nach Aachen zur Arbeit.

Seit 2007 pendelt sie mit Bus und Bahn, seit zwei Jahren zwischen Übach und Aachen-West. Die 24-Jährige ist Servicetechnikerin und hat zwei kleine Kinder. Ihr Lebensgefährte ist Feuerwehrmann und im Schichtdienst, trotzdem schaffen sie es, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. „Wenn er aus der Nachtschicht kommt, bringt er die Kinder in die Kita“, erzählt Jennifer Errens. Wenn das nicht gehe, übernachteten sie auch schon mal bei den Großeltern.

Zwei weitere Fahrgäste steigen ein – und alle vier wieder am Bahnhof aus. Das waren die 100 Prozent Fahrgastaufkommen zwischen 5.26 und 6.25 Uhr. Die nächsten 20 Minuten herrscht wieder Stille. Noch. Lange wird das nicht mehr anhalten.

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